Georg Hackl: Die unvergleichliche Karriere eines Rodel-Perfektionisten
Georg Hackl zählt zu den erfolgreichsten und prägendsten Rennrodlern in der gesamten Sportgeschichte. Sein Aufstieg zur unangefochtenen Legende vollzog sich vor genau 28 Jahren, als er am 9. Februar 1998 bei den Olympischen Winterspielen in Nagano seinen dritten Olympiasieg in Folge feierte. Dieser Triumph markierte den Höhepunkt einer außergewöhnlichen Karriere, die Hackl als unermüdlichen Perfektionisten und technischen Pionier seines Sports etablierte.
Der Weg zur olympischen Dominanz
Bereits vor seinem historischen dritten Gold war Georg Hackl eine feste Größe im internationalen Rodelgeschehen. Mit zwei Gesamtweltcup-Siegen in den Wintern 1988/89 und 1989/90 hatte er sich früh einen Namen gemacht, musste jedoch regelmäßig Konkurrenten wie den Österreicher Markus Prock oder den Italiener Armin Zöggeler den Vortritt lassen. Doch bei den Olympischen Spielen schien Hackl stets eine zusätzliche Leistungsreserve zu besitzen. Seine Erfolgsbilanz ist beeindruckend: Gold 1992 in Albertville, erneut Gold 1994 in Lillehammer und schließlich der legendäre dritte Olympiasieg 1998 in Nagano.
Besonders bemerkenswert war die Art und Weise, wie Hackl in Nagano dominierte. Er ließ keinerlei Zweifel am Ausgang des Wettkampfs aufkommen und fuhr in jedem einzelnen Durchgang die Laufbestzeit. Mit einem Vorsprung von fast einer halben Sekunde verwies er Armin Zöggeler auf Platz zwei – im präzisen Sport des Rodelns eine gewaltige Distanz. Bronzemedaillengewinner Jens Müller lag bereits über sechs Zehntelsekunden zurück, während Markus Prock unglaubliche 1,2 Sekunden auf Hackl einbüßte.
Die Bilanz eines Ausnahmetalents
Neben seinen drei Olympiasiegen sammelte Georg Hackl im Laufe seiner Karriere weitere beachtliche Erfolge. Bereits 1988 in Calgary gewann er Silber, und 2002 in Salt Lake City folgte eine weitere Silbermedaille hinter Armin Zöggeler. Bis heute hält Hackl mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen den Titel des erfolgreichsten Rodlers in der olympischen Geschichte. Seine Sammlung umfasst zudem zehn Weltmeistertitel – drei im Einzel und sieben im Team – sowie sieben Europameistertitel und 33 Weltcupsiege.
Der Perfektionist und Technik-Pionier
Georg Hackl war nicht nur auf der Bahn ein Meister der Präzision, sondern auch abseits der Strecke ein akribischer Tüftler und Innovator. Wie der Spiegel 1998 berichtete, investierte er „Tage und Wochen“, um seinen Schlitten bis ins kleinste Detail zu optimieren. Hackl trieb die zunehmende Technisierung des Rodelns entscheidend voran und setzte damit neue Maßstäbe in der Sportart. Der Weltverband FIL sah sich gezwungen, Grenzen zu setzen, um die rasante technische Entwicklung etwas zu dämpfen.
„Den Schlitten, mit dem ich früher in Nagano sehr schnell war, kann ich heute nicht mehr fahren, weil dessen Dämpfung inzwischen verboten wurde“, erklärte der Perfektionist im Jahr 2004. Dennoch ließ ihn die Leidenschaft für das Tüfteln nie los. Eine Nervenentzündung im linken Arm beeinträchtigte jedoch seine letzten Olympischen Spiele 2006 in Turin, wo schlechte Startzeiten ihm die Chance auf eine weitere Medaille raubten. Im letzten Einzelrennen seiner außergewöhnlichen Karriere belegte Hackl Rang sieben.
Die Trainer-Karriere und ein aktueller Zwischenfall
Nach seiner aktiven Laufbahn blieb Georg Hackl dem Sport als Trainer erhalten. Nach mehreren Jahren als Techniktrainer beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland wechselte er am 1. Mai 2022 zum Trainerteam des Österreichischen Rodelverbands. Während der Vorbereitungen auf die entscheidenden Läufe der laufenden Olympischen Spiele kam es jedoch zu einem bedauerlichen Zwischenfall: Hackl stürzte und musste im Krankenhaus behandelt werden.
„Ich wollte mir das Training meiner Rodler anschauen“, berichtete der 59-jährige „Schorsch“ Hackl der Bild. „Ich bin auf einen Weg gegangen und ein wenig hochgeklettert, um auf die Bahn zu gucken. Das ist ja mein Job.“ Dann sei „dummerweise unter mir etwas weggebrochen und ich bin aus 1,80 Meter auch auf den Kopf gefallen. Ich habe mir mindestens die Schulter ausgerenkt, jetzt muss ich ins Krankenhaus.“ Später kehrte er dennoch an die Strecke zurück, um bei der Medaillenvergabe dabei zu sein. Er sei „medizinisch hervorragend versorgt worden und bekommt Schmerzmittel. Es ist einigermaßen erträglich“, sagte Hackl dem ZDF.
Für Georg Hackl markieren die aktuellen Winterspiele in Italien gleichzeitig das letzte große Sportereignis seiner Trainer-Karriere. Bereits im Dezember 2025 hatte er angekündigt, das Traineramt nach der laufenden Weltcupsaison niederzulegen und künftig nicht mehr im Spitzensport tätig sein zu wollen. Damit endet eine Ära, die von Perfektionismus, technischer Innovation und unvergleichlichem olympischen Erfolg geprägt war.



