Klopp lenkt Fokus auf Bobfahrer: Lochner feiert Olympia-Gold mit historischem Vorsprung
In Cortina d'Ampezzo sorgte Johannes Lochner bei seinen letzten Olympischen Winterspielen für ein denkwürdiges Karriere-Highlight. Der deutsche Bobpilot krönte sich im Zweierbob zum Olympiasieger und verwies seinen Dauerrivalen Francesco Friedrich sowie Youngster Adam Ammour auf die Plätze zwei und drei. Mit einem beeindruckenden Vorsprung von 1,34 Sekunden erzielte Lochner den größten Abstand in einem olympischen Zweierbob-Wettbewerb seit dem Jahr 1980.
Prominente Ablenkung und sportliche Korrektur
Unmittelbar nach dem Rennen drängte sich die Reporterschar jedoch zunächst um eine andere prominente Persönlichkeit: Fußballtrainer-Legende Jürgen Klopp. Der 58-Jährige stand im Zielbereich und wurde von Journalisten nach seiner Meinung zum deutschen Triple-Triumph befragt. Nach kurzer Auskunft hatte Klopp genug von der Aufmerksamkeit auf seine Person und korrigierte die Verhältnisse mit den Worten: „Jetzt kümmert euch mal um die Bobfahrer“. Der gebürtige Stuttgarter verwies damit die Medienvertreter, inklusive eines Reporters der Schwäbischen Zeitung, zurück zu den eigentlichen Hauptakteuren des Tages.
Dominante Performance und respektvolles Lob
Johannes Lochner dominierte mit seinem Anschieber Georg Fleischauer in allen vier Läufen des Wettbewerbs und präsentierte sich als unangefochtene Bob-Lichtgestalt. Seine Konkurrenten sparten nicht mit Anerkennung für diese Leistung. Der 24-jährige Adam Ammour, der selbst in die Fußstapfen der beiden 35-jährigen Boblegenden treten möchte, sagte: „Er hat das Gefühl an den Lenkseilen wie kein anderer auf der Welt. Er macht es perfekt und er ist auch für uns eine große Inspiration“.
Francesco Friedrich, der noch keine Entscheidung über sein Karriereende getroffen hat, lobte ebenfalls seinen Dauerrivalen: „Im Zweier haben sie einfach eine Performance, die ihresgleichen sucht. Sie starten wahnsinnig gut und fahren dadurch entspannt und locker.“ Friedrich konnte sich immerhin über die Silbermedaille freuen und kommentierte: „Sieht verdammt gut aus“.
Selbstbewusstsein und Blick in die Zukunft
Lochner selbst stand nach seinem Triumph mit der Goldmedaille um den Hals in der kalten Nacht von Cortina und gab bereitwillig Auskunft über seinen Sieg. Auf die Frage, ob er mit dem Gold gerechnet hätte, antwortete der Oberbayer: „Insgeheim schon. Bei Bahnen, wo es aufs fahrerische Gefühl ankommt, habe ich im Vergleich zum Francesco einfach die Nase vorn. Ich wusste irgendwie, dass, wenn ich hierherkomme, ich mit Gold heimfahre“. Diese Aussage wirkte deutlich, aber keinesfalls überheblich.
Über sein nahes Karriereende sagte Lochner nüchtern: „Ich hatte harte Lehrjahre und habe nun lang genug Leistungssport gemacht.“ Doch zunächst stehen noch die Viererbob-Wettbewerbe an, wo es zu einem letzten großen Duell der Dauerrivalen kommen wird. Lochner kündigte an: „Wir haben da noch zwei Jungs, die heiß sind, die die Füße nicht stillhalten können und unbedingt die Medaille wollen. Für die werden wir jetzt Vollgas geben“.
Viererbob als neue Herausforderung
Francesco Friedrich blickt bereits auf den kommenden Viererbob-Wettbewerb, der eine ganz andere Geschichte verspricht. Der Sachse erklärte: „Da sind 240 Kilogramm mehr Gewicht, die dich ins Eis drücken und da können kleine Details, die dich im Zweier unglaublich schnell machen, anders aussehen“. Natürlich will auch Friedrich am liebsten die Goldmedaille gewinnen, doch sein Problem bleibt: Johannes Lochner hat dieselbe Ambition.



