Gold-Held Lochner verzichtet auf Party: Sofort zurück im Viererbob nach Olympia-Triumph
Nach seinem historischen Gold-Coup bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo hätte sich Johannes Lochner eine ausgiebige Feier gewünscht. Doch der Zeitplan des Bob-Wettbewerbs ließ dem frischgebackenen Olympiasieger keine Zeit zum Feiern. Stattdessen musste der 35-jährige Pilot aus Bayern bereits in der Nacht nach seinem Sieg zur Dopingkontrolle und konnte nur eine kurze Nachtruhe einlegen.
Vom Gold direkt zum Training
Am Mittwochmorgen um 10.00 Uhr stand Lochner bereits wieder im Viererbob-Training an den Lenkseilen. Und zeigte dabei erneut seine Stärke: Er war im Training fünf Hundertstelsekunden schneller als sein großer Konkurrent Francesco Friedrich. "Wir haben noch zwei Jungs, die die Füße nicht mehr stillhalten können, die wollen auch so eine Medaille", erklärte Lochner seine Motivation. "Und für die werden wir jetzt weiterhin Vollgas geben und schauen, dass wir das am Wochenende nochmal genauso runterzaubern."
"The last dance" für den Karriereausklang
Besondere Bedeutung hat dieser Wettkampf für Lochner, denn nach den Winterspielen beendet der Bayer seine Karriere. Seine Frau Hannah hatte eigens T-Shirts mit der Aufschrift "The last dance" bedrucken lassen. Mit einem möglichen Gold-Double im Zweier- und Viererbob könnte Lochner Friedrich den Aufstieg zum erfolgreichsten Bobfahrer bei Olympischen Spielen vermasseln. Interessant dabei: In Lochners Bob sitzt Friedrichs Ex-Anschieber Thorsten Margis, der nach vier Olympiasiegen mit Friedrich nun sein fünftes Gold anstrebt - eine historische Leistung, die noch keinem Bobfahrer gelungen ist.
Küsschen für den Architekten des Erfolgs
Ein besonderer Dank ging an Kevin Kuske, der das Team Lochner athletisch auf Vordermann gebracht hatte. "Kuski ist ja einer, wenn nicht sogar der Architekt dieses ganzen Konstrukts", betonte Anschieber Georg Fleischhauer. Beim ersten Interview nach dem Gold-Gewinn bekam der als TV-Experte für Eurosport tätige Kuske prompt ein Küsschen auf die Wange von seinen mit Gold dekorierten Muskelmännern.
Friedrichs Silber und ungewisse Zukunft
Francesco Friedrich holte mit Silber bei der Wertung der Bobpiloten nun mit André Lange gleich. Nur Kevin Kuske hat in der Wertung mit Anschiebern eine Silbermedaille mehr. Friedrichs Zukunft im Bobsport ist indes ungewiss. "Wir wissen es auch noch nicht, ob es bei uns weitergeht. Wir haben noch nichts entschiedenen", sagte der langjährige Dominator im Eiskanal. "Jetzt geht es erstmal bis Sonntag." Die Entscheidung möchte Friedrich zusammen mit seiner Familie treffen.
Fleischhauer: Vom Leichtathleten zum Gold-Gewinner
Ein kurioses Detail der Erfolgsgeschichte: Anschieber Georg Fleischhauer wurde ursprünglich von Friedrichs Heimtrainer Gerd Leopold zum Bobsport geholt. Der ehemalige 400-Meter-Hürdenläufer startete zunächst im Europacup mit Richard Oelsner, bevor der Weg zum Friedrich-Schlitten als zu weit entfernt erschien. Über Umwege landete der gebürtige Halberstädter schließlich bei Lochner. "Franz wollte mich haben", erinnerte sich Fleischhauer an einen Rückholversuch vor zwei Jahren. "Ich überlegte, wusste ja noch gar nicht, ob Hansi überhaupt weitermachen will. Dann kam der Entschluss. Und heute stehen wir mit der Medaille um den Hals hier."
Was kommt nach Olympia?
Modellathlet Fleischhauer, der seinen gestählten Körper neuerdings auch auf der Erotik-Plattform OnlyFans präsentiert, ist ab Montag als Anschieber auf dem Markt. "Irgendein Toppilot in Deutschland wird einen brutal geilen Anschieber erben", prophezeite Lochner. Ob es der drittplatzierte Adam Ammour sein wird, dem die Zukunft gehört, oder vielleicht doch Francesco Friedrich? Die Bob-Welt darf gespannt sein, wie sich die Kräfteverhältnisse nach diesen Olympischen Spielen neu ordnen werden.



