Lochner krönt Karriere mit Viererbob-Gold – Traumhafter Abschluss für „Gold-Hansi“
Im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo schrieb Johannes Lochner am Finaltag der Olympischen Winterspiele ein märchenhaftes Kapitel der Bob-Geschichte. Der 35-jährige Berchtesgadener, der lange als „ewiger Zweiter“ galt, beendete seine Karriere mit einem goldenen Höhepunkt: dem Olympiasieg im Viererbob.
Doppelerfolg für Deutschland und herzliche Rivalität
Mit seiner Crew aus Thorsten Margis, Jörn Wenzel und Georg Fleischhauer verwies Lochner den viermaligen Olympiasieger Francesco Friedrich aus Pirna mit 0,57 Sekunden Vorsprung auf den Silberrang. Im Ziel umarmten sich die beiden langjährigen Konkurrenten herzlich. „Er musste uns jetzt zehn Jahre lang ertragen, dass wir ihm immer vorangefahren sind. Jetzt müssen wir mal die bittere Pille schlucken“, sagte Friedrich mit einem Augenzwinkern und äußerte seinen „allergrößten Respekt“ für den Sieger.
Ein Moment für die Ewigkeit
Für Lochner erfüllte sich mit diesem Sieg ein lang gehegter Traum. „Unglaublich, dass ein Plan nochmal so aufgeht bei meiner letzten Fuhre. Das kann ich jetzt überhaupt noch nicht glauben“, sagte der Bayer, der nach 15 Jahren Karriere und 16 zweiten Plätzen bei EM, WM und Olympia nun den perfekten Abschluss fand. „Das ist ein Moment für die Ewigkeit“, schwärmte der frischgebackene „Gold-Hansi“, der mit seinen Anschiebern vor Freude ausflippte.
Historische Medaillenbilanz für deutschen Bob-Verband
Der Sieg im Viererbob war Teil einer beeindruckenden deutschen Erfolgswelle:
- Am Vorabend hatten Laura Nolte und Deborah Levi Gold im Zweierbob geholt.
- Lisa Buckwitz und Neele Schuten sicherten sich Silber.
- Damit übertraf der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) die Traumbilanz von Peking 2022 mit nun 17 Medaillen.
BSD-Vorstandschef Thomas Schwab zeigte sich überwältigt: „Wir hatten ja gesagt, es sei vermessen, diese Bilanz noch zu überbieten. Nun haben wir es doch geschafft“.
Lochner schreibt Bob-Geschichte
Mit dem Double im Zweier- und Viererbob reihte sich Lochner in die Riege der Bob-Legenden ein. Weltweit ist er erst der siebte Pilot, dem dieses Kunststück gelang – nach Größen wie Andreas Ostler, Eugenio Monti und Francesco Friedrich. Cheftrainer Spies würdigte den Karriereabschluss: „Damit ist er in der Gilde der ganz Großen in diesem Sport angekommen“.
Rekorde und persönliche Bestmarken
Der Sieg brachte weitere historische Meilensteine:
- Thorsten Margis wurde mit seinem fünften Olympiasieg zum erfolgreichsten Bobfahrer aller Zeiten.
- Francesco Friedrich überholte mit einer Silbermedaille mehr als André Lange und ist nun der erfolgreichste Pilot bei Olympia.
- Lochner selbst setzte mit Startnummer eins gleich einen Start- und Bahnrekord ins Eis.
Zukunft der Bob-Stars
Während Lochner und Margis ihre Karrieren beenden, lässt Friedrich seine Zukunft offen. Nach dpa-Informationen wird erwartet, dass er mindestens noch ein Jahr bis zur WM in Lillehammer weitermacht. Der Sachse witzelte: „Vielleicht mache ich auch noch vier Jahre weiter“. Viel hänge von Gesprächen mit Sponsoren und der Konstellation mit seinen Anschiebern ab – wobei Georg Fleischhauer als möglicher Kandidat für den Rekordweltmeister gilt.
Gold-Hansi will endlich feiern
Nachdem der Zeitplan nach dem Sieg im kleinen Schlitten keine Feiern zugelassen hatte, kündigte Lochner nun eine große Party an. „Das deutsche Haus brennt“, verkündete der Ur-Bayer, der mit rund 50 Freunden den Triumph nachfeiern wollte. Nur seine Frau Hannah musste die Triumphfahrt verpassen, da sie sich um den erkrankten Sohn Jonas kümmerte.
So endete ein olympischer Winterspiel-Tag, der nicht nur für Johannes Lochner, sondern für den gesamten deutschen Bobsport als historisch in Erinnerung bleiben wird.



