Marco Maier: Der Druck der Favoritenrolle im Para-Biathlon
Nach zwei überraschenden Silbermedaillen bei den Paralympics in Peking 2022 steht der deutsche Para-Biathlet Marco Maier nun vor einer völlig neuen Herausforderung. Als etablierter Athlet der Weltspitze muss er lernen, mit den Erwartungen als Mitfavorit umzugehen – eine Rolle, die ihm nicht leichtfällt.
„Sehr, sehr viel Druck“: Die Last der Erwartungen
„Zu sagen, dass es keinen Druck macht, wäre eine Lüge“, gesteht der 26-jährige Allgäuer im Gespräch. „Es macht sehr, sehr viel Druck sogar. Einfach weil man selber weiß, was man kann.“ Maier, der in Peking sowohl im Biathlon als auch im Langlauf-Sprint Silber gewann, hat sich in der Folge mit drei Weltmeistertiteln in der absoluten Weltspitze etabliert.
Doch dieser Erfolg bringt neue Herausforderungen mit sich: „Man kommt nicht mehr aus dem Nichts, kann sich verstecken und erst im Rennen kommen die Scheinwerfer. Jetzt steht man die ganze Zeit im Fokus“, beschreibt Maier die veränderte Situation. Die gewonnenen Medaillen könne ihm zwar niemand mehr nehmen, dennoch wolle er sich keinesfalls verschlechtern.
Das Ziel: Bestätigung oder sogar Gold
Vor dem anstehenden Biathlon-Sprint am Samstag um 12:40 Uhr hat Maier klare Ziele vor Augen: Er möchte die Leistungen von 2022 „bestätigen oder gar eins draufsetzen und eine Goldmedaille gewinnen“. Dieser Anspruch treibt ihn an, gleichzeitig lastet das Gewicht der Erwartungen schwer auf seinen Schultern.
Der Athlet betont: „Man hat zwar die Medaillen schon gewonnen und kann sagen, dass die einem nicht mehr weggenommen werden. Aber man möchte natürlich auch nicht schlechter werden, als man mal war.“ Diese Ambivalenz zwischen Stolz auf bisherige Erfolge und dem Druck, diese bestätigen zu müssen, prägt seine aktuelle Vorbereitung.
Karriereknick und der Kampf zurück an die Spitze
Dass Maier heute überhaupt in dieser Position ist, war keineswegs selbstverständlich. In der Saison 2016/17 stand seine Karriere kurz vor dem Ende, als er plötzlich keine Starterlaubnis mehr erhielt. Bei der Klassifizierung wurde behauptet, er könne „unter gewissen Umständen die Hand an den Stock tapen und diesen Stock einsetzen“ – was jedoch wettkampftauglich nicht möglich war.
Maier, dem seit Geburt an drei Fingern der linken Hand die vorderen Glieder fehlen, erinnert sich: „Es war super schwer und eine harte Zeit. Dann kurz davor zu sein, alles zu verlieren, war ein harter Rückschlag für mich.“ Der damals frisch nach Freiburg gezogene Sportler musste immense Hürden überwinden.
Teamunterstützung und Durchhaltevermögen
Was ihn durch diese schwierige Phase trug, war vor allem die Unterstützung seines Teams. „Es hat schon viel Überwindung und Kraft gekostet dranzubleiben, aber das Team hat mich einfach immer mitgezogen, wenn ich so ein Loch hatte“, erklärt der Para-Biathlet. Diese Erfahrung bestärkt ihn in seiner Überzeugung: „Manchmal zahlt es sich doch aus, wenn man weiterkämpft und dranbleibt.“
Heute steht Marco Maier als einer der deutschen Hoffnungsträger im Para-Biathlon da. Die Transformation vom Außenseiter zum Mitfavoriten ist ihm gelungen, doch der psychologische Druck bleibt eine konstante Begleiterscheinung seines Erfolgs. Wie er mit dieser Herausforderung umgeht, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob er seine Silbermedaillen von Peking bestätigen oder sogar übertreffen kann.



