Nordische Kombination vor Olympia-Aus? IOC-Besuch in Italien soll Sportart retten
Nordische Kombination vor Olympia-Aus? IOC-Besuch soll retten

Nordische Kombination vor dem Aus? IOC-Besuch in Italien als letzte Hoffnung

Die olympische Traditionsdisziplin Nordische Kombination steht am Abgrund. Bei den Winterspielen in Italien versuchen Athleten und Verbände alles, um das Internationale Olympische Komitee (IOC) von ihrer Sportart zu überzeugen. Ein Besuch der IOC-Präsidentin Kirsty Coventry im Langlauf-Stadion von Tesero könnte dabei entscheidend sein.

Hoher Besuch mit Applaus für die Kombinierer

Am Mittwoch führte Johan Eliasch, Präsident des Welt-Skiverbandes FIS, Kirsty Coventry auf die Tribüne mit Blick auf schneebedeckte Gipfel und die anspruchsvolle Loipe. Coventry, im blauen Anorak und mit Sonnenbrille, schien sichtlich Spaß an dem Spektakel zu haben. Immer wenn die Athleten bei ihren vier Runden an den Tribünen vorbeirasten, stand sie auf und applaudierte.

Eliasch deutete dies als positives Signal, denn diese traditionelle Sportart – der Zweikampf aus gefühlvollem Skispringen und Ausdauerwettkampf Langlauf – droht aus dem olympischen Programm zu kippen. Seit 1924 gehört die Nordische Kombination zu den Winterspielen, doch nun steht ihre Zukunft auf dem Spiel.

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Das IOC bemängelt mangelnde Vielfalt

Das Internationale Olympische Komitee kritisiert, dass gegenwärtig nur wenige Nationen die Sieger stellen – konkret Norwegen, Deutschland und Österreich. In Tesero gewann tatsächlich der Norweger Jens Luraas Oftebro vor dem Österreicher Johannes Lamparter. Die Deutschen waren diesmal ausnahmsweise nicht auf dem Podium, ihr Bester, Johannes Rydzek, belegte Rang acht.

Stattdessen sicherte sich der Finne Eero Hirvonen den Bronzeplatz, was der Sache durchaus dienlich ist. Das IOC lässt jedoch wissen, die norwegisch-deutsch-österreichische Dominanz sei das Gegenteil von ausgewogen und abwechslungsreich. Zwar gab es in der olympischen Geschichte dieser Sportart auch Sieger aus Finnland, den USA und Frankreich, doch die Favoriten für die drei Wettkämpfe im italienischen Val di Fiemme bleiben die etablierten Nationen.

Bisher stellen Norwegen, Österreich und Deutschland alle Sieger der 14 Weltcup-Konkurrenzen dieser Saison. Diese Rennen fanden zudem ausschließlich in Europa statt, was die globale Verbreitung der Sportart infrage stellt.

„Fliegt sie raus, steht eine ganze Sportart vor dem Aus“

Gegen den drohenden Ausschluss stemmen sich Eliasch und sein FIS-Team offensiv. Coventrys Erscheinen wird einerseits als Evaluierungsbesuch gewertet, andererseits als Zeichen des großen Interesses mit potenziell gutem Ausgang, weil die IOC-Präsidentin auf der Tribüne sichtlich mitfieberte.

Eliasch berichtete nach dem Rennen: „Sie schien sehr begeistert zu sein. Ich glaube, es hat ihr gefallen, was sie gesehen hat. Für mich persönlich war dieses Rennen ein Höhepunkt der gesamten Spiele.“ Seit seiner Wahl zum FIS-Boss vor fünf Jahren habe er intensiv daran gearbeitet, das Marketing für diesen Sport zu verbessern und das Produkt attraktiver zu gestalten – mit Erfolg, wie er betont.

Aufmerksam hörten in diesem Moment Horst Hüttel und Stefan Schwarzbach zu, der Sportdirektor und der Geschäftsführer des Deutschen Skiverbandes. Beide engagieren sich stark für den Erhalt der Kombination im olympischen Programm. Hüttel warnte: „Fliegt sie raus, steht eine ganze Sportart wegen absehbar ausfallender Förderung vor dem Aus. Dagegen kämpfen wir an.“

Er verwies auf die Bedeutung der Nordischen Kombination als Ausbildungssportart für den Nachwuchs: „Für die Disziplinen Skispringen und Langlauf ist die Kombination die Ausbildungssportart für unseren Nachwuchs. Die Kinder bleiben später entweder dabei oder entscheiden sich für eine von beiden Disziplinen.“

Fehlende Frauen-Wettbewerbe als weiteres Problem

Gleichwohl überraschte das IOC mit der Entscheidung, nach 2022 auch 2026 keine Frauen für die Kombination zuzulassen – obwohl sie seit Jahren im Weltcup-Modus antreten. Natalie Armbruster, die beste deutsche Athletin, äußerte sich darüber bereits mehrfach fassungslos, doch ihre Anklagen verhallten bisher.

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Für 2030 fordert das IOC allerdings eine Gleichstellung der Geschlechter. Bisher ist die Kombination die einzige Sportart im olympischen Wintersport-Programm ohne Frauen-Wettbewerbe. Sandra Spitz, Sport- und Eventdirektorin des Weltverbandes FIS, stellt klar: „Entweder die Kombiniererinnen kommen bei Olympia 2030 rein – oder die Nordische Kombination ist leider ganz draußen.“

Entscheidung fällt 2026

Die FIS hat das IOC bereits mit allen denkbaren Fakten versorgt. Die endgültige Entscheidung wird nach einer beratenden IOC-Sitzung im Mai schließlich im Juni 2026 fallen. Das IOC möchte zunächst die Wettkämpfe in Cortina abwarten, um sich ein umfassendes Bild zu machen.

Der zweimalige Olympiasieger Vinzenz Geiger aus Oberstdorf, am Mittwoch Zehnter, nutzte die Gelegenheit, mit Coventry zu sprechen und sie von den Vorzügen der Kombination zu überzeugen. „Ich hätte ihr gern noch ein bisschen mehr erzählt. Sie hat gar nicht so viel gefragt. Aber sie hat von dem Tag hier geschwärmt und gesagt, dass er super aufregend gewesen sei“, berichtete Geiger.

Doch selbst wenn es bei der zweiten Einzelentscheidung am kommenden Dienstag wieder viel Lob geben sollte, bleibt klar: Schwärmereien allein werden der FIS und der Nordischen Kombination nicht weiterhelfen. Dem IOC geht es vor allem um:

  • Eine weltweite Verbreitung der Sportart
  • Weiche Faktoren wie Nachahmungseffekt
  • Verkaufsmöglichkeiten und Vermarktungspotenzial
  • Anziehungskraft für Zuschauer vor Ort und an den Fernsehern

Horst Hüttel vom Deutschen Skiverband resümierte: „Wir sind hier angetreten, um Gold zu gewinnen. Wir haben nicht nur das IOC-Thema im Kopf.“ Aber auch. Weil es so wichtig ist für die Zukunft dieser traditionsreichen Sportart.