Olympia-Bronze im Team Sprint: Rydzek und Gimmler feiern historischen Langlauf-Erfolg
Euphorisch und noch etwas ungläubig fielen sich Coletta Rydzek und Laura Gimmler auf dem Podest in der Sonne von Tesero in die Arme. Die deutschen Langläuferinnen hatten soeben die erste Medaille für Deutschland in dieser Disziplin bei den Olympischen Winterspielen 2026 gewonnen – eine Bronzemedaille im packenden Team Sprint. „Ich habe schon zu Coletta gesagt: Das ist jetzt wie ein Ehering, das verbindet uns für immer“, kommentierte Gimmler den emotionalen Coup. „Wir werden ab jetzt alles in vollen Zügen genießen. Das erlebt man nicht so oft im Leben.“
Schlaflose Nacht und großer Druck vor dem Rennen
Nach dem Erfolg berichtete Gimmler von überwundenen Widerständen und erheblichen Problemen in der Vorbereitung. „Wir standen seit gestern Abend so krass unter Druck, weil wir einfach wussten, dass es voll möglich ist“, sagte die 32-Jährige. „Wir haben beide nicht geschlafen. Wir haben beide schlecht gegessen. Coletta hat sich ein paar Mal übergeben. Ich hatte auch meine Probleme“, ergänzte sie, bevor die jubelnde Rydzek sie unterbrach: „Egal – Bronze!“, rief sie mit strahlendem Gesicht.
Emotionaler Moment für die ganze Familie
Für beide Athletinnen ist es die erste Olympia-Medaille und der größte Erfolg ihrer bisherigen Karriere. Die Bedeutung des Erreichten geht jedoch weit über das Persönliche hinaus. Die Oberstdorferinnen bescherten dem zuletzt arg gebeutelten Team von Teamchef Peter Schlickenrieder quasi bei der letzten realistischen Chance das erste Edelmetall bei diesen Winterspielen. Entsprechend groß war der Jubel in der gesamten Olympia-Mannschaft. „Ein Traum“, sagte Schlickenrieder und attestierte seinen beiden Athletinnen „Kämpferblut“.
„Es ist nicht nur eine Medaille für uns, sondern für alle“, betonte Rydzek, die im Ziel von ihrem weinenden Bruder Johannes Rydzek empfangen wurde. „Das war sehr emotional“, sagte der 34-Jährige, der in der Nordischen Kombination bereits vier Medaillen bei Olympia gewonnen hat und die Freude seiner Schwester teilte.
Spannendes Finale mit starkem Schlussspurt
In einem grandiosen Finale zog Coletta Rydzek mit einem kraftvollen Schlussspurt noch an der Norwegerin Julie Bjervig Drivenes vorbei und sicherte so den dritten Platz. „Ich wusste, dass ich alles reinhauen muss, damit unser Traum wahr wird“, erklärte sie nach dem Rennen. Gimmler, die ihren Part zu dieser Zeit schon absolviert hatte und zum Zuschauen verdammt war, meinte: „Ich konnte kaum hinschauen. Eigentlich kann man der Coletta auf der Zielgeraden voll vertrauen. Aber es war wirklich mega spannend.“
Rydzek und Gimmler mussten sich nur den siegreichen Schwedinnen Jonna Sundling und Maja Dahlqvist sowie den zweitplatzierten Nadja Kälin und Nadine Fähndrich aus der Schweiz geschlagen geben. Ein bemerkenswerter Erfolg angesichts der starken Konkurrenz.
Historischer Vergleich und Disziplin-Erklärung
Vor vier Jahren in China hatten Katharina Hennig Dotzler (damals noch Hennig) und Victoria Carl im Team Sprint sensationell Gold gewonnen. Zudem gab es Silber mit der Staffel der Frauen über 4 x 5 Kilometer. Carl ist wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt, während Hennig Dotzler im Stadion von Tesero mit Rydzek und Gimmler jubelte.
Im Team Sprint laufen zwei Athletinnen pro Team im Wechsel. Jede Sportlerin absolviert drei Runden, die jeweils 1,5 Kilometer lang sind. Eine anspruchsvolle Disziplin, die nicht nur körperliche Höchstleistung, sondern auch perfektes Teamwork erfordert – eine Herausforderung, die Rydzek und Gimmler mit Bravour meisterten.



