Schwere Olympia-Mission für deutsches Langlaufteam ohne gesperrte Victoria Carl
Vor vier Jahren schrieb Victoria Carl mit ihrem sensationellen Olympia-Gold im Langlauf Sportgeschichte. Heute trainiert die 30-Jährige isoliert im Thüringer Wald, während ihre Teamkollegen bei den Winterspielen in Italien um Medaillen kämpfen. Die Sperre wegen eines positiven Dopingtests stellt nicht nur für die Athletin selbst eine sportliche Tragödie dar, sondern schwächt das gesamte deutsche Langlaufteam erheblich.
Erste Wettkämpfe zeigen die Lücke
Die Auswirkungen des Verlusts zeigten sich bereits in den ersten Wettkampftagen in Tesero. Im Sprint schieden Coletta Rydzek und Laura Gimmler als beste Deutsche im Halbfinale aus – eine enttäuschende Leistung, die die beiden Athletinnen sichtlich mitnahm. Noch deutlicher wurde die Distanz zum Podest im Skiathlon, wo Pia Fink als stärkste Deutsche lediglich Platz zwölf belegte. Bei den Männern erreichte Friedrich Moch als Bester Rang 26.
Unersetzbar in Schlüsseldisziplinen
Während Carl in Einzeldisziplinen wie Skiathlon und Sprint keine Top-Favoritin für Medaillen gewesen wäre, hinterlässt sie in den Teamwettbewerben eine kaum zu schließende Lücke. Besonders in der Staffel und im Teamsprint, wo sich das deutsche Team die größten Medaillenchancen ausrechnete, fehlt die Erfahrung der Olympiasiegerin. Gemeinsam mit Katharina Hennig Dotzler hatte Carl vor vier Jahren im Teamsprint Gold gewonnen, mit der Staffel holte sie Silber.
Dopingvorfall und unklare Sperrdauer
Der Sturz von der sportlichen Höhe erfolgte im vergangenen Frühjahr, als bei einer Kontrolle außerhalb des Weltcups Clenbuterol in Carls Probe nachgewiesen wurde. Die verbotene Substanz wird primär zur Behandlung von Atemwegserkrankungen wie Asthma eingesetzt. Carl betonte, das Medikament auf ärztliche Anweisung eingenommen zu haben, ohne über den verbotenen Wirkstoff informiert zu sein.
Die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) erließ im September einen Sanktionsvorschlag über zwei Jahre, doch das endgültige Strafmaß steht weiterhin aus. Diese Ungewissheit belastet nicht nur die Athletin, sondern auch das Team.
Emotionale Belastung für das Team
Der Verlust wiegt sportlich und emotional schwer. „Besonders am 16. Februar, an dem wir vor vier Jahren gemeinsam Gold gewonnen haben, werde ich sehr an sie denken“, gestand Katharina Hennig Dotzler vor Beginn der Winterspiele. Teamchef Peter Schlickenrieder zeigte sich beeindruckt von Carls Umgang mit der schwierigen Situation.
„Es ist faszinierend, wie intrinsisch motiviert sie ist. Wie sie sich kleine Ziele setzt oder wieder etwas findet, woran sie sich hochzieht“, sagte der 55-Jährige über die abseits des Teams trainierende Sportlerin. Vor dem ersten Olympia-Rennen schalteten sich Carl und das Team per Video zusammen – ein Zeichen der Verbundenheit trotz räumlicher Trennung.
Herausforderung für die verbleibenden Athleten
Für das deutsche Langlaufteam gilt es nun, trotz des schweren Verlusts den Kopf oben zu behalten und das Beste aus der Situation zu machen. Die ersten Wettkämpfe haben gezeigt, dass olympische Podestplätze extrem schwer zu erreichen sein werden. Doch wie Teamchef Schlickenrieder betonte: „Da kann man nur den Hut ziehen und sich inspirieren lassen, dass man sich durch solche Rückschläge nicht unterkriegen lässt.“
Die Mission bei diesen Winterspielen ist deutlich schwerer geworden, doch das Team will weiterkämpfen – auch im Wissen, dass eine Schlüsselathletin fehlt, die vor vier Jahren olympisches Gold nach Deutschland brachte.



