Para-Held aus El Salvador: Vom Strandtraining zu den Paralympischen Winterspielen
Para-Held aus El Salvador: Vom Strand zu den Winterspielen

Vom Strand zum Schnee: Ein Para-Held schreibt Geschichte

Der Cerro El Pital ist mit 2730 Metern der höchste Berg El Salvadors, doch Schnee fällt in dem zentralamerikanischen Land praktisch nie. Umso bemerkenswerter ist die Premiere, die sich bei den Paralympischen Winterspielen 2026 ereignete: Mit David Chavez (27) und Jonathan Arias (28) gingen erstmals zwei Para-Langläufer aus dem „Land der Vulkane“ an den Start.

Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit

Auch wenn beide Sportler im Sitzski über die Sprintdistanz das Halbfinale klar verpassten, fühlte sich David Chavez wie ein Sieger. Er ließ zehn Konkurrenten hinter sich und erfüllte sich einen lang gehegten Traum. „Ich wollte schon bei den Paralympics 2020 in Tokio in der Leichtathletik antreten, aber da hat es leider nicht geklappt“, erzählt Chavez. „Ich habe danach nie aufgehört, von einer Teilnahme an den Paralympics zu träumen. El Salvador zu vertreten und der erste Athlet bei Winterspielen zu sein, erfüllt mich mit großem Stolz.“

Tragischer Beginn einer Sportlerkarriere

Chavez' Weg in den Parasport begann durch ein traumatisches Ereignis im Januar 2015. Als Zeuge eines Raubüberfalls überlebte er nur knapp eine Schießerei. Eine Kugel durchtrennte einen Teil seiner Wirbelsäule, was zu einer Teillähmung führte. „Die erste Herausforderung war, mich selbst als Mensch mit Behinderung wieder zu akzeptieren“, erinnert sich der Athlet. Im Rehazentrum lernte er einen Trainer kennen, der ihn für Rollstuhlbasketball begeisterte – der Beginn seiner sportlichen Laufbahn.

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Ungewöhnliches Training auf salvadorianischen Stränden

Neben Rollstuhlbasketball trainierte Chavez in Para-Leichtathletik, Para-Surfen und Para-Klettern. Doch sein größtes Talent zeigte sich im Para-Langlauf – dank einer höchst unkonventionellen Trainingsmethode. Bevor er überhaupt Schnee berührte, übte er mit dem Sitzski an den Stränden El Salvadors.

Mit kraftvollem Stockeinsatz bewegt er sich und seinen Ski mühsam über den harten Sand. „Am Strand von El Cocal gibt es mal Felsen, mal Sand. Wenn Sand da ist, nutzen wir den immer zum Training“, erklärt Chavez. „Der Sand bleibt an den Skiern kleben und erschwert so die Fortbewegung. Das ist das beste Krafttraining, und danach können wir uns gleich im Pool entspannen.“

Trainer sieht Wettbewerbsvorteil im Sand

Sein Trainer Rob Powers bezeichnet das Strandtraining sogar als strategischen Vorteil: „Skifahren auf Sand ist zehnmal schwieriger als auf Schnee. So trainiert er intensiv die wichtige Muskulatur. Zudem trinken wir viel Kokosnusswasser und salvadorianischen Kaffee. Das ist unser Geheimnis.“

Erster Schneekontakt und paralympische Qualifikation

Erst 2023 berührten Chavez und Arias zum ersten Mal Schnee. Beide profitierten von einer Wettkampfförderung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), die den Zugang zu internationalen Veranstaltungen für Athleten mit Behinderungen verbessern soll. Bei nordischen Skiweltmeisterschaften in Trondheim (Norwegen) sicherten sie sich schließlich die Qualifikation für die Paralympics – und machten ganz El Salvador stolz.

Vorbildfunktion für Menschen mit Behinderung

Chavez hofft nun, dass in seiner Heimat andere Menschen mit Behinderung seinem Beispiel folgen. „Durch den Sport verspürt man den Drang, voranzukommen. Man lernt dabei tolle Menschen kennen, die einem positive Gedanken vermitteln“, sagt er. „Diese positiven Gedanken dringen in Herz und Verstand ein. Mit meinem Sport will ich Menschen in El Salvador zeigen: Behinderung kennt keine Grenzen!“

Seine Geschichte ist nicht nur ein Zeugnis persönlicher Überwindung, sondern auch ein Beweis dafür, dass mit Kreativität und Entschlossenheit selbst die ungewöhnlichsten Trainingsbedingungen zu paralympischen Erfolgen führen können.

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