Paralympics-Drama in Tesero: Marchand und Marburger müssen Rennen abbrechen
Bei den Paralympischen Winterspielen in Italien hat sich ein emotionales Drama abgespielt. Die deutsche Para-Langläuferin Kathrin Marchand musste ihr zweites Rennen wegen eines Schwächeanfalls abbrechen, obwohl sie auf Medaillenkurs lag. Nur wenig später traf es auch ihren Teamkollegen Sebastian Marburger, der ebenfalls nicht ins Ziel kam.
Marchands tragischer Ausstieg auf Bronze-Kurs
Die 35-jährige Kathrin Marchand lag im Klassik-Rennen über 10 Kilometer nach etwa der Hälfte der Strecke auf dem Weg zu einer Bronzemedaille, als sie plötzlich neben der Strecke saß. Gestützt von ihren Betreuern musste sie den Kurs verlassen, was für die Athletin nach den emotionalen Tränen vom Vortag eine weitere herbe Enttäuschung bedeutete. Marchand ist eine außergewöhnliche Sportlerin, die als erste Athletin sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei Paralympischen Sommer- und Winterspielen angetreten ist.
Ihr Weg zum Wintersport war besonders: Erst vor 14 Monaten hatte sich die ehemalige Ruderin auf das Langlaufen konzentriert und sich direkt in ihrem zweiten Winter für die Paralympics qualifiziert. Nach einem Schlaganfall im Alter von 30 Jahren sieht Marchand auf beiden Augen etwa ein Drittel weniger und ist in ihrer linken Körperhälfte eingeschränkt. Auch Multitasking oder die Orientierung in neuen Umgebungen fallen ihr schwer.
Marburgers Erschöpfung nach Silber-Erfolg
Kurz nach Marchands Ausstieg musste auch Sebastian Marburger bei den stehenden Männern etwa auf halber Strecke wegen Erschöpfung aufgeben. Der 28-Jährige hatte bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls um den dritten Platz mitgekämpft. Besonders bitter: Tags zuvor hatte er bei seiner Paralympics-Premiere im Klassik-Sprint die Silbermedaille gewonnen.
Marburgers Vorbereitung auf die Spiele war durch einen hartnäckigen Infekt erschwert worden, der den Langläufer längere Zeit außer Gefecht gesetzt hatte. Nach einem Motorradunfall wurde dem Athleten das rechte Bein amputiert, was seinen sportlichen Einsatz umso bemerkenswerter macht.
Wicker verpasst Podest um Sekunden
Zuvor hatte bereits Anja Wicker ihre erste paralympische Medaille im Langlauf um nur 1,5 Sekunden verpasst. Im klassischen Sprint über 10 Kilometer belegte die 34-Jährige beim Sieg der US-Amerikanerin Oksana Masters, die ihre zwölfte paralympische Goldmedaille gewann, am Ende den vierten Platz.
„Es ist richtig knapp. Wahrscheinlich ein Zwinkern. An meinem Rennen habe ich nichts auszusetzen. Aber bei den Paralympics tun 1,5 Sekunden aufs Podest schon ein bisschen weh“, sagte Wicker nach dem Rennen. „Ich habe alles reingehauen und bin zufrieden mit meinem Rennen. Es hat Spaß gemacht zu laufen und ich konnte übers Limit gehen.“
Im Biathlon hatte Wicker, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist, am vergangenen Wochenende mit Bronze und Silber bereits ihre vierte und fünfte paralympische Medaille bei ihren dritten Spielen gewonnen. Ihre 54-jährige Teamkollegin Andrea Eskau beendete das Klassik-Rennen bei ihrer neunten Paralympics-Teilnahme auf Platz zehn.
Die deutschen Para-Athleten zeigten bei den Wettkämpfen in Tesero trotz der Rückschläge beeindruckende Leistungen und kämpferischen Einsatz. Die emotionalen Momente und knappen Entscheidungen unterstreichen die Intensität des paralympischen Sports, bei dem jeder Zentimeter und jede Sekunde zählt.



