Paralympische Winterspiele: Emotionaler Rückschlag für deutsche Athletinnen
Bei den Paralympischen Winterspielen in Italien erlebte das deutsche Team am Dienstag einen Tag voller Höhen und Tiefen. Während die Para-Langläuferin Kathrin Marchand ihr Rennen aufgrund eines Schwächeanfalls vorzeitig beenden musste, verpasste Anja Wicker eine Medaille im klassischen Sprint um nur hauchdünne 1,5 Sekunden.
Kathrin Marchands historische Karriere und plötzlicher Abbruch
Die 35-jährige Kathrin Marchand, die als erste Athletin sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei Paralympischen Sommer- und Winterspielen angetreten ist, lag im Klassik-Rennen über 10 Kilometer auf Bronze-Kurs. Nach etwa der Hälfte der Strecke musste sie jedoch das Rennen abbrechen, nachdem sie plötzlich neben der Strecke saß und später von Betreuern gestützt den Kurs verließ.
Marchand hatte erst vor 14 Monaten nach langen Jahren als Ruderin auf Langlauf umgesattelt und sich direkt in ihrem zweiten Winter für die Paralympics qualifiziert. Nach einem Schlaganfall im Alter von 30 Jahren sieht sie auf beiden Augen ein Drittel weniger und ist in ihrer linken Körperhälfte eingeschränkt. Auch Multitasking oder die Orientierung in neuen Umgebungen fallen ihr schwer.
Am Vortag hatte Marchand nach einem vierten Platz im Sprint emotional reagiert und Tränen vergossen. Ihr Abbruch im zweiten Rennen stellt einen herben Rückschlag in ihrer beeindruckenden paralympischen Laufbahn dar.
Anja Wicker: Knappes Verpassen des Podests
Zuvor hatte Anja Wicker im klassischen Sprint über 10 Kilometer den vierten Platz belegt und damit ihre erste paralympische Medaille im Langlauf um nur 1,5 Sekunden verpasst. Der Sieg ging an die US-Amerikanerin Oksana Masters, die ihre zwölfte paralympische Goldmedaille gewann. Silber holte die Südkoreanerin Kim Yunji vor Kendall Gretsch aus den USA.
„Es ist richtig knapp. Wahrscheinlich ein Zwinkern. An meinem Rennen habe ich nichts auszusetzen. Aber bei den Paralympics tun 1,5 Sekunden aufs Podest schon ein bisschen weh“, sagte die 34-jährige Wicker nach dem Rennen. „Ich habe alles reingehauen und bin zufrieden mit meinem Rennen. Es hat Spaß gemacht zu laufen und ich konnte übers Limit gehen.“
Wicker, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist, hatte am vergangenen Wochenende im Biathlon bereits ihre vierte und fünfte paralympische Medaille bei ihren dritten Spielen gewonnen – Bronze und Silber. Ihre 54-jährige Teamkollegin Andrea Eskau beendete das Klassik-Rennen bei ihrer neunten Paralympics-Teilnahme auf Platz zehn.
Die deutschen Athletinnen zeigten trotz der Rückschläge beeindruckende Leistungen und kämpften bis an ihre Grenzen. Die Paralympics in Italien bleiben damit auch für das deutsche Team eine Plattform für außergewöhnliche sportliche Höchstleistungen und emotionale Momente.



