Franziska Preuß kritisiert Hass im Netz: 'Psychoterror' nach Karriereende
Nach ihrem letzten Karriererennen hat die bayerische Biathletin Franziska Preuß den Umgang mit Sportlerinnen und Sportlern in den Sozialen Medien scharf kritisiert. Die Athletin sprach offen über den sogenannten Psychoterror durch Hassnachrichten im Internet und den enormen Druck, der damit einhergeht.
Persönliche Angriffe überschreiten Grenzen
"Ich habe die letzten Tage schon gemerkt, was alles so abgelaufen ist", sagte Preuß nach dem olympischen Massenstart in Antholz. "Dieser Psychoterror, wenn die Leute sagen, schau bloß nicht auf Social Media, was da wieder geschrieben wird. Da denkt man sich schon, wie krass das ist." Die Biathletin hatte bei ihrer Medaillenjagd bei den Winterspielen in Norditalien immer wieder sportlich bittere Rückschläge erlebt und betonte, dass sie aus Selbstschutz wenig Zeit auf Social-Media-Plattformen verbracht habe.
Preuß, die am Freitag das Ende ihrer Laufbahn mitgeteilt hatte, erklärte weiter: "Man ist ja immer noch ein Mensch. Ich habe weder was Kriminelles gemacht oder wen umgebracht. Es ist einfach Sport. Dass man das alles erleben muss, ist mir keine Medaille wert." Sie führte aus, dass persönliche Angriffe definitiv nicht akzeptabel seien und oft Grenzen überschritten würden.
Teamkollegin bestätigt Problematik
Bereits zuvor hatte Sportdirektor Felix Bitterling die zunehmende Verunglimpfung seiner Athletinnen und Athleten im Internet angeprangert. Teamkollegin Vanessa Voigt hatte nach dem Einzelrennen in der ersten Olympia-Woche eine eigene Social-Media-Pause angekündigt. "Ich war jetzt die letzten Tage wirklich die glücklichste Person. Dieses Instagram, das braucht einfach kein Mensch", sagte die 28-Jährige, die am liebsten eine Karriere ohne Soziale Medien gehabt hätte.
Voigt betonte: "Es war die richtige Entscheidung, dass ich das gemacht habe, dass ich diese App gelöscht habe. Ich konnte mich voll und ganz auf meine Rennen konzentrieren, ich konnte das andere einfach ausblenden." Allerdings müsse sie die App nun wieder herunterladen, da vertragliche Verpflichtungen gegenüber Sponsoren dies erforderten.
Systematisches Problem im Profisport
Die Thüringerin, die im Massenstart als siebtbeste Deutsche abschnitt, äußerte sich realistisch zur Situation: "Wahrscheinlich wird es mich erstmal wieder komplett überfordern. Jetzt kommen dann auch wieder die Sponsoren ins Spiel. Das ist vertraglich alles festgelegt und da kommt man einfach nicht raus als Sportler." Sie räumte ein, dass die Präsenz in Sozialen Medien verständlicherweise zum Beruf gehöre, aber betonte: "Die einen oder anderen Kommentare würde ich gerne einfach nur überlesen."
Die Erfahrungen von Franziska Preuß und Vanessa Voigt zeigen ein systematisches Problem im modernen Profisport auf. Während Soziale Medien ein wichtiger Bestandteil der Sportvermarktung geworden sind, führen sie gleichzeitig zu einer erheblichen psychischen Belastung für die Athletinnen und Athleten. Die Grenze zwischen konstruktiver Kritik und persönlichem Psychoterror wird dabei oft überschritten.



