Premiere am Kulm: Deutsche Kombinierer sammeln wertvolle Flug-Erfahrungen
Beim ersten Flug-Weltcup der Nordischen Kombination überhaupt haben die deutschen Athleten am Kulm in Bad Mitterndorf in Österreich neue und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Die Veranstaltung markiert einen historischen Moment für die Sportart, die traditionell auf Normalschanzen ausgetragen wird.
Rydzek als bester Deutscher in der Weitenjagd
Johannes Rydzek aus Oberstdorf zeigte sich bei der Premiere auf der Riesenschanze in ausgezeichneter Form. Der 34-jährige Olympiateilnehmer sprang auf beachtliche 212,5 Meter und platzierte sich damit auf Rang sieben. Mit einem Rückstand von 30 Sekunden auf den führenden Österreicher Johannes Lamparter geht Rydzek in den anschließenden 10-Kilometer-Skilanglauf.
Lamparter, der mit 236,5 Metern die weiteste Sprungweite des Tages erzielte, hat in Bad Mitterndorf die Chance, seinen zweiten Weltcup-Gesamtsieg perfekt zu machen. Der Österreicher dominiert die Konkurrenz deutlich und setzt ein starkes Zeichen für den weiteren Wettkampfverlauf.
Enttäuschung für Olympia-Pechvogel Geiger
Ganz anders verlief der Tag für Vinzenz Geiger, der erneut von Pech verfolgt zu sein scheint. Nach seinem Sturz im olympischen Teamsprint mit Rydzek bei den letzten Spielen, der die letzte deutsche Medaillenchance zunichtemachte, konnte der Kombinierer auch beim Flug-Weltcup nicht überzeugen.
Mit einer Weite von nur 195,0 Metern landete Geiger auf dem enttäuschenden 22. Platz und muss im Langlauf mit einem Rückstand von 1:05 Minuten starten. Auch Julian Schmid, der bei den Olympischen Spielen in Italien enttäuschte, blieb mit 196,5 Metern unter der 200-Meter-Marke und belegt Platz 17.
Deutsche Teamleistung mit Licht und Schatten
Neben Rydzek zeigten auch andere deutsche Starter respektable Leistungen:
- David Mach sprang auf 220,5 Meter und liegt auf Platz vier mit 17 Sekunden Rückstand
- Wendelin Thannheimer erreichte 214,5 Meter und belegt Rang sechs mit 26 Sekunden Rückstand
Der Wettkampf wird im sogenannten Compact-Modus ausgetragen, bei dem die Rückstände nicht nach Sprungpunkten in Sekunden umgerechnet werden, sondern gemäß den Platzierungen vorgegeben sind. Dieses Format kommt insbesondere schwächeren Springern zugute und sorgt für spannende Langlaufentscheidungen.
Erste Flug-Erfahrungen bereits 2022 gesammelt
Für Rydzek und Geiger waren die Sprünge am Kulm nicht die ersten Berührungspunkte mit dem Skiflug. Bereits 2022 hatten beide Athleten an Trainingsdurchgängen beim Weltcup in Oberstdorf teilgenommen und damals knapp die 200-Meter-Marke übertroffen.
Im Training am Donnerstag hatte David Mach mit 236,0 Metern bereits gezeigt, welches Potenzial in den deutschen Kombinierern steckt. Zum Vergleich: Der deutsche Rekord unter den Spezialisten liegt bei 248,0 Metern, erzielt von Markus Eisenbichler in Planica. Der Weltrekord wird vom Slowenen Domen Prevc mit 254,0 Metern gehalten.
Wichtig zu beachten: Die reinen Skispringer, die am Wochenende am Kulm zwei Weltcupfliegen bestreiten, agieren mit deutlich weniger Anlauf als die Kombinierer, was die Leistungen der Nordischen Kombinierer in einem besonderen Licht erscheinen lässt.
Die Premiere des Flug-Weltcups in der Nordischen Kombination markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt für die Sportart und bietet den Athleten neue Herausforderungen und Chancen. Die deutschen Starter haben dabei gezeigt, dass sie mit der ungewohnten Disziplin grundsätzlich gut zurechtkommen, auch wenn individuelle Leistungen noch Luft nach oben lassen.



