Mikaela Shiffrin trotzt Hasskommentaren vor historischem Weltcup-Rekord in Are
Shiffrin trotzt Hass vor Weltcup-Rekord in Are

Shiffrin vor historischem Meilenstein im Ski-Weltcup

Die amerikanische Ski-Legende Mikaela Shiffrin steht unmittelbar vor einem historischen Karriere-Meilenstein. Mit nur noch zwei Rennen im schwedischen Are und dem anschließenden Saisonfinale in Lillehammer könnte die 31-jährige Ausnahmeathletin ihren sechsten Gesamtweltcup in der alpinen Disziplin gewinnen. Damit würde sie den bisherigen Rekord der österreichischen "Jahrhundert-Skisportlerin" Annemarie Moser-Pröll einstellen, die ebenfalls sechs große Kristallkugeln bei den Frauen errungen hat.

Gelöste Stimmung vor entscheidendem Wochenende

Vor dem vielleicht vorentscheidenden Rennwochenende zeigt sich Shiffrin erstaunlich entspannt. Trotz verlorengegangenen Gepäcks auf der Reise nach Schweden witzelte sie im Auto mit ihrer Rivalin Camille Rast herum. Auf Instagram postete sie einen Schnappschuss der illustren Fahrgemeinschaft mit der Frage: "Emma Aicher, wo bist du?" Die deutsche Nachwuchshoffnung antwortete prompt mit einem Blödel-Selfie von der Couch, die Zunge herausgestreckt, und versprach: "Auf dem Weg (bald)".

Dominante Bilanz und olympische Erlösung

Shiffrins statistische Bilanz spricht für sich: Mit 108 Einzelsiegen im Weltcup liegt sie in der ewigen Bestenliste weit vorn. Ihre 166 Podestplätze sind ebenfalls unerreicht - in mehr als der Hälfte ihrer Weltcup-Starts landete sie unter den Top 3. Dazu kommen acht WM-Titel und sieben weitere Medaillen bei Weltmeisterschaften. Besonders bedeutsam war ihr Gold im Slalom bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo, wo sie nach dem Debakel von Peking 2022 endlich Frieden mit den fünf Ringen schließen konnte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Psychologische Herausforderungen und Social-Media-Pause

So dominant Shiffrin seit Jahren die Skihänge hinunter wedelt, so sehr setzte sie sich in ihrer Karriere auch selbst unter Druck. Sie gestand, sich jahrelang regelmäßig vor Aufregung übergeben zu haben, teilweise noch kurz vor den Rennen. Bei Olympia in China 2022 patzte sie in allen ihren Rennen und reiste ohne Medaille nach Hause. Umso bemerkenswerter war ihr famoser Vorsprung von eineinhalb Sekunden beim Cortina-Slalom.

Während der Olympischen Spiele hielt sie sich komplett von sozialen Medien fern - eine Entscheidung, die sich als weise erwies. Etwa einen Monat nach den Spielen veröffentlichte sie Hasskommentare, die während Olympia im Internet an sie gerichtet wurden. Sie wurde als "wertloses Stück Scheiße" beschimpft, ein User meinte ironisch: "Es wäre so schade, wenn du dich verletzt und nie wieder skifahren kannst." Jemand anderes schrieb: "Schäm dich, du Verräterin." Diese Angriffe folgten auf Shiffrins Plädoyer für Inklusion, Diversität und Freundlichkeit zur politischen Situation in den USA.

Generationenduell mit deutscher Hoffnung

Vor dem Riesenslalom am Samstag und dem Slalom am Sonntag in Are führt Shiffrin mit 125 Punkten Vorsprung auf das deutsche Ski-Juwel Emma Aicher. Der malerische Ort hat für die Amerikanerin eine besondere Bedeutung: Dort gewann sie im Dezember 2012 ihr erstes Weltcup-Rennen. Emma Aicher, eine gebürtige Schwedin, war damals gerade neun Jahre alt. Dieses Generationenduell könnte für Shiffrin eine zusätzliche Motivation sein, ihre Karriere weiter fortzusetzen.

Übergangsphase und Zukunftsperspektiven

An ihrem 31. Geburtstag an diesem Freitag sprach Shiffrin in einer US-Talkshow über eine "Übergangsphase" in ihrer Karriere. Auf die Frage nach Plänen für die Zeit nach dem Leistungssport antwortete sie: "Wenn man seine Karriere beendet - nicht dass ich sie jetzt beenden würde - dann ist es schwer, herauszufinden, was als Nächstes kommt." Ob sie bei Olympia 2030 in Frankreich nochmal antreten werde, das wisse sie noch nicht. "Vier Jahre fühlen sich nach so einer langen Zeit an", meinte sie jüngst im Interview mit "USA Today". "Aber sie gehen zugleich so schnell vorbei." Eines betonte sie jedoch unverändert: "Ich liebe Skifahren."

Mit ihrer akribischen Vorbereitung - Mantras am Spiegel, Nachrichten überall, Unterstützung durch ihr gesamtes Team inklusive Psychologe - hat Shiffrin bewiesen, dass sie trotz aller Widrigkeiten und Hasskommentare ihren Weg geht. Jetzt steht sie kurz davor, Ski-Geschichte zu schreiben.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration