Mikaela Shiffrin trotzt Hasskommentaren vor Weltcup-Rekordjagd in Are
Shiffrin trotzt Hass vor Weltcup-Rekord

Mikaela Shiffrin: Gelassen vor historischem Weltcup-Wochenende trotz Hass im Netz

Die Stimmung könnte kaum entspannter sein: US-Ski-Ass Mikaela Shiffrin lacht und scherzt mit Konkurrentin Camille Rast während der Autofahrt nach Are in Schweden. Selbst der Verlust eines Teils des Gepäcks scheint die gute Laune der herausragenden Alpin-Athletin nicht zu trüben. Auf Instagram postet sie einen Schnappschuss der illustren Fahrgemeinschaft mit der humorvollen Frage: „Emma Aicher, wo bist du?“ Die deutsche Nachwuchs-Rennläuferin antwortet prompt mit einem verspielten Selfie, auf dem sie die Zunge herausstreckt, und verspricht: „Auf dem Weg (bald)“.

Vor dem entscheidenden Duell um die Kristallkugel

Vor dem möglicherweise vorentscheidenden Wochenende im Kampf um den Gesamtweltcup zeigt sich Shiffrin erstaunlich gelöst. Nach zwei Patzern ihrer deutschen Rivalin Emma Aicher und den jüngsten Ergebnissen gilt die Amerikanerin als klare Favoritin auf den großen Preis. Mit einem Vorsprung von 125 Punkten auf das deutsche Ski-Juwel geht sie in den Riesenslalom am Samstag und den Slalom am Sonntag in Are. Danach folgen nur noch die vier Rennen beim Saisonfinale in Lillehammer.

Spätestens dort will die Ausnahme-Athletin ihren sechsten Gesamtweltcup feiern und damit einen historischen Rekord einstellen. Bislang gelang dieser Erfolg nur einer einzigen Skisportlerin: Der österreichischen „Jahrhundert-Skisportlerin“ Annemarie Moser-Pröll gewann ebenfalls sechs große Kristallkugeln bei den alpinen Frauen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Beeindruckende Bilanz einer Ausnahme-Athletin

Die Statistik von Mikaela Shiffrin spricht für sich:

  • 108 Einzelsiege im Weltcup
  • 166 Podestplätze in ihrer Karriere
  • In mehr als der Hälfte ihrer Weltcup-Starts unter den Top 3
  • Acht WM-Titel und sieben weitere Medaillen bei Weltmeisterschaften

An ihrem 31. Geburtstag an diesem Freitag blickt die beste Alpin-Athletin der Gegenwart auf eine Phase des Übergangs. In einer US-Talkshow erklärte sie: „An diesem Zeitpunkt meiner Karriere bin ich irgendwie an einem Übergang.“ Auf die Frage nach Plänen für die Zeit nach dem Leistungssport antwortete sie nachdenklich: „Wenn man seine Karriere beendet - nicht dass ich sie jetzt beenden würde - dann ist es schwer, herauszufinden, was als Nächstes kommt.“

Gold in Cortina brachte Frieden mit Olympia

Die Amerikanerin wirkt heute besonders mit sich im Reinen. Ein wichtiger Grund dafür sind die Winterspiele von Cortina d'Ampezzo, wo sie nach dem Olympia-Debakel 2022 in Peking endlich Gold im Slalom gewann und Frieden mit den fünf Ringen schloss. Im Gespräch mit Entertainer Pat McAfee schilderte Shiffrin, wie akribisch sie diese Gold-Mission vorbereitete: „Überall hatte ich Mantras, am Spiegel klebten Nachrichten, mein ganzes Team war da, auch mein Psychologe.“

Doch trotz ihrer Dominanz auf den Skihängen setzte sich Shiffrin jahrelang enorm unter Druck. Sie gestand, sich regelmäßig vor Aufregung übergeben zu haben, teilweise noch kurz vor den Rennen. Das Olympia-Desaster in China 2022, wo sie in allen Rennen patzte und ohne Medaille nach Hause reiste, gehört zu ihren dunkelsten Stunden. Umso größer war der Triumph beim Cortina-Slalom, den sie mit einem famosen Vorsprung von eineinhalb Sekunden gewann.

Social-Media-Pause als Schutz vor Hass

Während der Olympischen Spiele hielt sich Shiffrin bewusst von sozialen Medien fern - eine Entscheidung, die sich als klug erwies. Etwa einen Monat nach den Spielen veröffentlichte sie einige der Hasskommentare, die während Olympia im Internet an sie gerichtet wurden. Die Angriffe waren menschenverachtend:

  • Sie wurde als „wertloses Stück Scheiße“ beschimpft
  • Ein User schrieb zynisch: „Es wäre so schade, wenn du dich verletzt und nie wieder skifahren kannst.“
  • Ein anderer kommentierte: „Schäm dich, du Verräterin.“

Diese Attacken folgten auf Shiffrins mutiges Plädoyer für Inklusion, Diversität und Freundlichkeit, mit dem sie sich zur politischen Situation in den USA geäußert hatte.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Generationenduell mit junger Konkurrenz

Ob sie bei Olympia 2030 in Frankreich noch einmal antreten wird, weiß Shiffrin noch nicht. „Vier Jahre fühlen sich nach so einer langen Zeit an“, erklärte sie kürzlich im Interview mit „USA Today“. „Aber sie gehen zugleich so schnell vorbei.“ Unverändert bleibe jedoch eine Sache: „Ich liebe Skifahren.“

Die Duelle mit der jungen Konkurrenz wie Emma Aicher könnten dabei eine zusätzliche Motivation sein, besonders am Wochenende in Are. Der malerische Ort hat für Shiffrin eine besondere Bedeutung: Dort gewann sie im Dezember 2012 ihr erstes Weltcup-Rennen. Emma Aicher, die gebürtige Schwedin, war damals übrigens gerade einmal neun Jahre alt - heute steht sie als ernstzunehmende Konkurrentin gegenüber der etablierten Weltmeisterin.