16 Zentimeter fehlen für Bronze – Deutsche Skispringer wütend über umstrittenen Wettkampfabbruch
Bei den Olympischen Winterspielen in Predazzo hat ein umstrittener Abbruch des Skisprung-Wettkampfs für großen Ärger im deutschen Team gesorgt. Der Super-Team-Wettbewerb wurde wegen plötzlich einsetzenden Schneefalls abgebrochen, wodurch Deutschland eine mögliche Bronzemedaille um nur 0,3 Punkte – umgerechnet etwa 16 Zentimeter – verpasste.
„Es ist einfach ein Scheiß-Ende“ – Raimund verliert die Fassung
Der sonst stets höfliche und positiv denkende Olympiasieger Philipp Raimund konnte seine Enttäuschung kaum verbergen. „Es ist einfach ein Scheiß-Ende“, polterte der Skispringer nach dem Abbruch. „Ich weiß nicht, was deren Problem ist. Das kotzt mich ehrlich gesagt richtig an.“ Zusammen mit Andreas Wellinger hatte Raimund Deutschland im Super-Team-Wettbewerb vertreten, bei dem zwei Springer jeder Nation jeweils drei Sprünge absolvieren.
Dramatischer Wettkampfverlauf und plötzlicher Schneefall
Der Wettkampf verlief zunächst vielversprechend für das deutsche Team:
- Andreas Wellinger hielt Deutschland trotz einer durchwachsenen Saison in Schlagdistanz zu den Medaillen
- Philipp Raimund, frischgebackener Olympiasieger von der Normalschanze, zeigte starke Leistungen und konnte mit der Weltspitze mithalten
- Im dritten und entscheidenden Durchgang sprang Wellinger auf 130 Meter – sein bester Versuch des Tages
- Raimund folgte mit einem grandiosen Sprung, der das deutsche Team sogar in Führung brachte
Doch dann begann es plötzlich heftig zu schneien. Die Jury wartete zunächst, schickte Testspringer in die Spur, doch nach Raimunds Sprung wurde der Wettkampf überraschend für beendet erklärt. Alle Sprünge aus dem letzten Durchgang wurden annulliert.
Medaillenchance zunichte gemacht
Das Ergebnis nach zwei Durchgängen zählte – und dort lag Deutschland auf Rang vier, nur 0,3 Punkte hinter Norwegen. Diese minimale Differenz entspricht etwa 16 Zentimetern, bei vier gewerteten Sprüngen ein Hauch von nichts. Österreich gewann vor Polen, das im dritten Durchgang noch hinter Deutschland gelegen hatte.
Kritik an der Jury-Entscheidung
Sportdirektor Horst Hüttel zeigte sich verständnislos: „Alle Wetter-Apps haben gezeigt, dass der Schneefall nach etwa zehn Minuten aufhört – das hätte die FIS genauso sehen müssen. Ich verstehe nicht, warum man da nicht die professionelle Ruhe bewahrt und einfach kurz abwartet.“ Hüttel betonte, dass die Schneefront angekündigt gewesen sei und nur 15 bis 18 Minuten gedauert hätte.
Andreas Wellinger schlug zwei Alternativen vor: „Entweder früher schneller aufs Pedal drücken“ – also kürzere Startintervalle – „oder man wartet“. Tatsächlich hörte der Schneefall wenige Minuten nach dem Abbruch bereits wieder auf.
Weltverband verteidigt die Entscheidung
Sandro Pertile, Renndirektor beim Weltverband FIS, verteidigte den Abbruch gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben versucht, die Spur zu reinigen, aber wir haben sofort festgestellt, dass das Tempo in der Spur verloren geht.“ Auch der Wind habe sich stark verändert. „Bei diesen Bedingungen war es einfach unfair, weiterzumachen.“
Bundestrainer Stefan Horngacher, der nach diesem Wettkampf seine letzte Olympia-Teilnahme als Bundestrainer absolvierte, kündigte an: „Ich muss heute Abend ein Frustbier trinken.“ Für Philipp Raimund bleibt die Hoffnung, dass nach diesem Ärger bald wieder die gewohnte positive Sicht auf die Welt zurückkehrt.



