Bier gegen Frust und Nachwehen: Skispringer scheitern knapp
Der zweite Coup ist dem deutschen Skisprung-Team bei den Olympischen Winterspielen nicht gelungen. Nur 24 Stunden nach dem überraschenden Olympia-Gold von Philipp Raimund im Einzelwettbewerb musste sich das deutsche Team im Mixed-Wettbewerb mit Platz vier begnügen. Die Enttäuschung war groß, besonders weil der Rückstand auf die Bronzemedaille minimal ausfiel.
Raimund kämpft mit Nachwirkungen des Gold-Triumphs
„Ich muss meine Nachwehen wegspülen“, erklärte Olympiasieger Philipp Raimund nach dem Wettkampf. Der 25-Jährige gestand, dass die Nacht nach seinem historischen Golderfolg alles andere als erholsam verlaufen war. „Mein Kopf hat keine Ruhe gegeben. Mein Körper hat angefangen, nur noch weh zu tun. Aber für Gold tausche ich das gerne ein“, so der Athlet. „Heute gab es aber einen Dämpfer.“
Katzensprung fehlt zu Bronze
Im italienischen Predazzo sicherte sich Slowenien mit den Geschwistern Prevc überlegen den Olympiasieg vor Norwegen und Japan. Das deutsche Team mit Philipp Raimund, Selina Freitag, Agnes Reisch und Felix Hoffmann lag nach acht Sprüngen lediglich 1,2 Punkte hinter dem bronzeführenden japanischen Team. „Es war ein Katzensprung“, ärgerte sich Raimund über die knappe Niederlage.
Männer-Bundestrainer Stefan Horngacher analysierte im ZDF: „Bei uns ist leider nicht alles gelungen heute. Bei Philipp war der Tag lang.“ Damit verwies er auf die emotionalen und körperlichen Anstrengungen nach Raimunds Triumph am Vorabend.
Deutsches Team zeigt solide Leistungen
Bereits nach dem ersten Durchgang waren die Aussichten auf ein zweites Skisprung-Gold nur noch gering. Agnes Reisch, Felix Hoffmann und auch Philipp Raimund zeigten trotz der Unterstützung durch zahlreiche deutsche Fans ordentliche Sprünge, herausragende Weiten blieben jedoch aus. Selina Freitag, die im Einzelwettbewerb noch Platz sieben belegt hatte, erwischte auf der kleinen Schanze keinen optimalen Versuch.
„Ich habe im ersten einfach ein bisschen was liegen gelassen, was natürlich weh getan hat“, sagte Freitag. Felix Hoffmann fügte hinzu: „Dass es am Ende noch so knapp geworden ist, macht es vielleicht noch bitterer.“
Slowenien dominiert souverän
Als Vierter war der Rückstand auf Favorit Slowenien mit den Geschwistern Domen Prevc und Nika Prevc bereits deutlich. Die beiden dominierenden Athleten der Weltcup-Saison hatten in den jeweiligen Einzelwettbewerben noch Schwierigkeiten gezeigt – Nika Prevc verpasste das erwartete Gold, Domen Prevc sprang sogar an einer Medaille vorbei. Im Mixed-Wettbewerb waren die Slowenen gemeinsam mit Anze Lanisek und Nika Vodan jedoch nicht zu bezwingen.
Finaldurchgang bringt keine Wende
Auch der zweite Durchgang brachte keine entscheidende Veränderung. Die Sprünge der deutschen Athleten waren teilweise gut, den Rückstand konnten weder Reisch noch Hoffmann jedoch entscheidend verkürzen. „Ich habe nicht gezaubert, aber ich habe meine Leistung gebracht“, resümierte Agnes Reisch. Selina Freitag konnte sich im Vergleich zum ersten Sprung immerhin verbessern.
Philipp Raimund griff in seinem letzten Versuch noch einmal an, doch es wurde nichts mit einer Medaille. Japan sicherte sich Platz drei, Norwegen jubelte über den zweiten Rang.
Norwegen mit besonderer Medaillengeschichte
Ausgerechnet Norwegen sicherte sich die Silbermedaille: Vor rund einem Jahr hatte es bei der Weltmeisterschaft einen Skandal gegeben, als Marius Lindvik und Johann André Forfang wegen manipulierter Anzüge disqualifiziert worden waren. Nach seinem Olympiasieg am Montag hatte Raimund erzählt, dass seine Freundschaft mit Lindvik im Zuge dieser Ereignisse zerbrochen sei. Nun sicherte Lindvik den Skandinaviern eine Medaille von der Normalschanze.
Nächste Chance auf der Großschanze
Auf der Großschanze geht es erst am 14. Februar weiter. „Da ist er auch schon Dritter gewesen im Sommer. Die kann er auch“, sagte Bundestrainer Horngacher über weitere Medaillenchancen von Olympiasieger Raimund. Der Slowene Prevc gilt am Samstag als großer Favorit. „Ich habe aber die Medaille schon im Sack. Da kann ich entspannter rangehen“, sagte Raimund mit Blick auf seine bereits gewonnene Goldmedaille.



