Olympia-Skandal: Strafanzeige gegen deutschen Skibergsteig-Funktionär
Bei den Olympischen Winterspielen sorgt ein schwerwiegender Skandal für erhebliche Aufregung im deutschen Sport. Gegen einen ranghohen Funktionär des deutschen Skibergsteig-Teams wurde Strafanzeige erstattet, nachdem gravierende Vorwürfe im Umfeld der deutschen Olympia-Delegation öffentlich wurden.
Hygienemängel bei Blutentnahmen im Fokus
Wie die ARD in einem ausführlichen Bericht darlegt, steht Hermann Gruber, der sportliche Leiter des deutschen Skibergsteig-Teams, im Zentrum der Ermittlungen. Auch gegen den ehemaligen Bundestrainer Maximilian Wittwer wurden in diesem Zusammenhang Vorwürfe laut. Die Vorwürfe betreffen schwerwiegende Hygienemängel und unprofessionelles Vorgehen im Rahmen einer medizinischen Studie, an der Mitglieder des Nationalkaders beteiligt gewesen sein sollen.
Den betroffenen Athleten zufolge mussten sich mehrere Teilnehmer innerhalb weniger Stunden bis zu 60 Blutprobenentnahmen am Ohrläppchen unterziehen – dabei seien elementare Hygiene-Standards massiv missachtet worden. Zudem hätten Verantwortliche angeblich erheblichen Druck ausgeübt, überhaupt an der Studie teilzunehmen, obwohl nicht in allen Fällen eine gültige Einverständniserklärung der Betroffenen vorlag.
„Wahnsinnige Blutpanscherei“ – Athleten schildern erschreckende Details
Die Skibergsteiger Felix Gramelsberger und Sophia Weßling, die sich zum Zeitpunkt der Vorfälle im Perspektivkader des Deutschen Alpenvereins (DAV) befanden, schildern erschreckende Details. „Ich hatte gleich den Eindruck, dass das Wohl der Athleten nicht an erster Stelle steht, dass es eine wahnsinnige Blutpanscherei war“, erklärt Gramelsberger. „Sie haben mit den fremdblutverschmierten Handschuhen in die Einstichstellen gedrückt, und dadurch bestand ein erhebliches Infektionsrisiko.“
Seine Teamkollegin Sophia Weßling ergänzt: „Irgendwann wurde dann die Wundkruste abgekratzt, damit man wieder an das Blut kommt. Dann wurde neu angestochen, es war einfach nur noch tierisch schmerzhaft.“ Die beiden Athleten schalteten daraufhin eine Anwaltskanzlei ein, woraufhin der DAV einer rechtlichen Überprüfung der Vorwürfe zustimmte.
Gutachten sieht Anhaltspunkte für Körperverletzung und Nötigung
In dem daraus entstandenen Gutachten heißt es laut ARD-Bericht, dass bei einem oder beiden Verbandsmitgliedern – Hermann Gruber und Maximilian Wittwer – konkrete Anhaltspunkte für Körperverletzung, Nötigung und Beihilfe zur Körperverletzung vorlägen. Nach der nun erstatteten Strafanzeige könnte die Staatsanwaltschaft Traunstein mit Ermittlungen beginnen. Eine entsprechende Prüfung wird derzeit durchgeführt.
Hermann Gruber will sich aktuell nicht zu den schwerwiegenden Vorwürfen äußern. Der Deutsche Alpenverein teilte in einer umfangreichen Stellungnahme mit: „Hinweise zu Konflikten im Trainingsumfeld wurden unabhängig aufgearbeitet. Es wurden Gespräche geführt, Verfahren überprüft und Maßnahmen zur Weiterentwicklung von Governance- und Schutzstrukturen eingeleitet.“
Der Verband betonte weiter: „Der DAV hat daraus Konsequenzen gezogen und Prozesse weiter verbessert. Wir nehmen Hinweise ernst, prüfen sie sorgfältig und entwickeln Strukturen weiter. Entscheidend ist, dass daraus tatsächliche Verbesserungen entstehen. Genau das ist erfolgt.“
Der Skandal wirft ein grelles Licht auf die Arbeitsbedingungen im deutschen Spitzensport und stellt insbesondere das deutsche Skibergsteig-Team, das bei diesen Spielen erstmals in der Olympia-Geschichte antritt, vor erhebliche Herausforderungen. Die Entwicklung der Ermittlungen wird mit großer Aufmerksamkeit verfolgt werden.



