Vom Bahnrad auf die Berge: Tatjana Pallers ungewöhnlicher Weg zu Olympia
Mit fast zehn Jahren Verspätung erfüllt sich Tatjana Paller (30) nun doch ihren olympischen Traum. Die in Oberbayern geborene Sportlerin, die ursprünglich als mögliche Ersatzfahrerin im Bahnrad-Vierer für Rio 2016 im Gespräch war, startet am Donnerstag bei der Olympia-Premiere des Skibergsteigens im Sprint und in der Mixed-Staffel in Bormio.
Eine vielversprechende Radsportkarriere
Paller, die quasi mit Skiern an den Füßen aufgewachsen ist, fand zunächst ihre Leidenschaft im Bahnradfahren. Als Juniorin gewann sie nationale Medaillen, gehörte später zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft und feierte mehrere deutsche Meistertitel. Nachdem sie 2016 knapp die Nominierung für die Sommerspiele verpasste, krönte sie 2017 ihre Laufbahn mit dem U23-Europameistertitel im Punktefahren.
Ein einschneidendes Ereignis verändert alles
Am 26. Juni 2018 erlebte Paller einen Wendepunkt, der ihre sportliche Laufbahn grundlegend verändern sollte. Olympiasiegerin Kristina Vogel (35) stürzte im Training auf der Radrennbahn in Cottbus nach einer Kollision schwer und erlitt eine dauerhafte Lähmung ab dem siebten Brustwirbel. Dieser Unfall löste bei Paller tiefe Ängste aus.
„Im Radsport war dieses Feuer nicht mehr so da“, erklärt Paller. „Nach diesem ganz schlimmen Unfall von Kristina Vogel hatte ich selbst solche Angst, dass mir auch etwas passiert. Diese Angst ist dann immer mitgefahren, und Radrennen mit Angst funktionieren nicht.“
Die Rückkehr zu den Wurzeln
Die Angst trieb Paller zurück in die Berge – zu ihrem ursprünglichen Hobby, dem Skibergsteigen. Als Winterkind hatte sie in den regelmäßigen Trainingslagern auf Mallorca die Berge und den Schnee vermisst und begann, zwischen den Trainingsblöcken Skitouren einzubauen. Über einen Freund erfuhr sie schließlich, dass es auch einen Wettkampfsport mit Weltcups und Weltmeisterschaften gibt.
Ab 2020 nahm sie an Skimo-Wettkämpfen teil und entdeckte dabei ihre besondere Begabung. „Der große Vorteil war, dass ich vom Leistungssport kam“, so Paller. „So schaffte ich es, als 24-jährige Quereinsteigerin. Außerdem bin ich als Kind Ski alpin gefahren. So brachte ich eine gute Kombination mit.“
Rasanter Aufstieg im Skibergsteigen
Paller gewann ihr erstes Rennen und rückte schnell in den Nationalkader des Deutschen Alpenvereins auf. Mittlerweile ist sie Deutschlands erfolgreichste Skimo-Athletin, gehört zu den Top 10 der Welt und startet bei den Olympischen Spielen 2026 in Italien. Ihre Geschichte zeigt, wie aus einem traumatischen Erlebnis und der daraus resultierenden Angst letztendlich eine neue Chance erwachsen kann.
Die Sportsoldatin kombiniert ihre alpine Erfahrung aus der Kindheit mit der Ausdauerleistung aus dem Radsport zu einer erfolgreichen Mischung. Während sie im Bahnradfahren ihre olympischen Ambitionen nicht verwirklichen konnte, führt sie nun im Skibergsteigen genau diesen Traum zur Erfüllung – angetrieben von einer Angst, die sie letztendlich zu neuen Höhen trieb.



