Emotionale Achterbahnfahrt für deutsches Team bei Paralympics in Italien
Einen Tag nach dem herben Verlust ihrer Silbermedaille hat Leonie Walter dem deutschen Paralympics-Team im Langlauf eine weitere Medaille beschert. Die 22-jährige Athletin gewann gemeinsam mit ihrem Guide Christian Krasman im Klassik-Rennen über 10 Kilometer die Bronzemedaille und sorgte damit für einen emotionalen Höhepunkt nach dem persönlichen Drama vom Vortag.
Bronze als Antwort auf Medaillenentzug
Am vorherigen Wettkampftag war Walter im Klassik-Sprint zunächst als Zweite ins Ziel gekommen, wurde jedoch wegen eines Regelverstoßes ihres Begleitläufers auf den letzten Platz zurückgestuft. Diese aberkannte Silbermedaille machte die junge Sportlerin, die bereits Bronze im Biathlon gewonnen hatte, nun mit einer starken Leistung im 10-Kilometer-Rennen wett. Der Sieg ging mit deutlichem Vorsprung an die russische Vortagessiegerin Anastasija Bagijan vor Simona Bubenickova aus Tschechien.
Von Walters ursprünglicher Silbermedaille im Sprint profitierte ihre Teamkollegin Linn Kazmaier, die als ursprünglich Dritte nachrückte. Die 19-Jährige beendete das 10-km-Rennen mit Guide Florian Baumann auf Rang fünf und zeigte damit ebenfalls eine respektable Leistung.
Bittere Rückschläge für andere deutsche Athleten
Während Walter triumphierte, erlebten andere Mitglieder des deutschen Teams einen äußerst bitteren Tag. Kathrin Marchand musste ihr zweites Rennen bei den Paralympics in Italien wegen eines Schwächeanfalls abbrechen. Die 35-Jährige lag im Klassik-Rennen über 10 Kilometer nach etwa der Hälfte der Strecke auf Bronze-Kurs, als sie unvermittelt neben der Strecke saß und wenig später gestützt von Betreuern den Kurs verlassen musste.
Marchands Geschichte ist besonders bemerkenswert: Sie ist die erste Athletin, die sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei den Paralympischen Sommer- und Winterspielen gestartet ist. Erst vor 14 Monaten hatte sie sich nach langen Jahren als Ruderin aufs Langlaufen konzentriert und sich direkt in ihrem zweiten Winter für die Spiele qualifiziert. Nach einem Schlaganfall im Alter von 30 Jahren sieht die Athletin auf beiden Augen ein Drittel weniger und ist in ihrer linken Körperhälfte eingeschränkt.
Weitere Ausfälle und knappe Podestverfehlungen
Kurz nach Marchands Ausstieg musste auch Sebastian Marburger bei den stehenden Männern nach etwa der Hälfte des Rennens wegen Erschöpfung aufgeben. Der 28-Jährige hatte bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls um den dritten Platz mitgekämpft. Tags zuvor hatte er im Klassik-Sprint bei seiner Paralympics-Premiere noch Silber gewonnen. Vor den Spielen hatte ein hartnäckiger Infekt den einbeinigen Langläufer längere Zeit außer Gefecht gesetzt.
Besonders knapp verpasste Anja Wicker ihre erste paralympische Medaille im Langlauf. Im klassischen Sprint über 10 Kilometer belegte die 34-Jährige beim Sieg der US-Amerikanerin Oksana Masters, die ihre zwölfte paralympische Goldmedaille gewann, am Ende den vierten Platz – nur 1,5 Sekunden hinter der Bronzemedaille.
„Es ist richtig knapp. Wahrscheinlich ein Zwinkern. An meinem Rennen habe ich nichts auszusetzen. Aber bei den Paralympics tun 1,5 Sekunden aufs Podest schon ein bisschen weh“, sagte Wicker nach dem Rennen. „Ich habe alles reingehauen und bin zufrieden mit meinem Rennen. Es hat Spaß gemacht zu laufen und ich konnte übers Limit gehen.“ Im Biathlon hatte Wicker, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist, mit Bronze und Silber bereits ihre vierte und fünfte paralympische Medaille bei ihren dritten Spielen gewonnen.
Medaillenspiegel nach fünf Wettkampftagen
Mit Walter's Bronze liegt Deutschland im Medaillenspiegel nach fünf Wettkampftagen nun bei einmal Gold, viermal Silber und sechsmal Bronze. Die deutschen Athleten zeigen damit eine beachtliche Konstanz, auch wenn einzelne Wettkämpfe mit Enttäuschungen verbunden waren.
Die Paralympics in Italien entwickeln sich für das deutsche Team zu einer emotionalen Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen, die die besonderen Herausforderungen und die beeindruckende Willensstärke der Athleten deutlich machen. Während Leonie Walter mit ihrer Bronzemedaille einen persönlichen Triumph nach schwerem Rückschlag feiern konnte, müssen andere Teamkollegen mit knappen Podestverfehlungen und gesundheitlichen Problemen kämpfen.



