Wasmeiers legendärer WM-Triumph: Rückblick auf Bormio 1985 und aktuelle DSV-Sorgen
Markus Wasmeier verbindet mit der aktuellen Olympia-Strecke in Bormio einen der größten Triumphe seiner Karriere. Vor 41 Jahren gewann der Bayer dort überraschend WM-Gold im Riesenslalom. Im exklusiven Interview spricht der Olympiasieger nicht nur über diese denkwürdigen Tage, sondern auch über aktuelle Probleme des Deutschen Skiverbands.
Der überraschende Sieg gegen alle Legenden
„Es können sich tatsächlich sehr viele an diesen Lauf erinnern!“, sagt Wasmeier über seinen WM-Erfolg 1985. „Das war natürlich die Überraschungsmeldung, dass nach dem ersten Lauf ein Deutscher führt – in einer Zeit, als der DSV nicht so wirklich Aushängeschilder hatte.“
Der Sieg gegen Ski-Größen wie Pirmin Zurbriggen und Marc Girardelli war umso bemerkenswerter, als Wasmeier drei Jahre zuvor noch 16 Sekunden hinter Ingemar Stenmark lag. „Aber ich dachte mir: 'Irgendwann bist du auch mal hinter mir!'“, erinnert sich der 62-Jährige. In Bormio wurde aus diesem Gedanken Realität.
Kurioses und Kontroverses rund um den Triumph
Der WM-Sieg war von skurrilen Momenten begleitet. Zwischen den beiden Läufen ging Wasmeier einfach Skifahren, weil ihm im Hotel „die Decke auf den Kopf gefallen“ wäre. Während des Rennens verlor er seine Skimütze und Brille – dennoch gewann er mit 39 Hundertsteln Vorsprung.
Bei der Siegerehrung dann der nächste Kuriosum: Statt der deutschen Nationalhymne erklang „Auferstanden aus Ruinen“, die Hymne der DDR. „Auf einmal haben die Leute gebuht und gepfiffen“, so Wasmeier. Eine örtliche Blaskapelle sprang spontan ein und improvisierte die richtige Hymne.
Der „Originalton Süd“-Eklat
Besonders „angefressen“ waren nach Wasmeiers Worten viele Prominente aus Bayern, als das ZDF bei seinem Interview die Bauchbinde „Originalton Süd“ einblendte. „Da waren von Strauß über Stoiber bis Gustl Bayrhammer ziemlich viele angefressen und fanden das diskriminierend“, berichtet der Olympiasieger. Heute sei dies Standard, sobald irgendwo Dialekt zu hören sei.
Von der Malerlehre zum Weltmeister
Wasmeiers Weg zum WM-Gold war alles andere als vorgezeichnet. Zunächst absolvierte er eine Lehre als Maler und Lackierer beim Vater, einem Restaurator und Kirchenmaler. Beim DSV wollte man ihn wegen seiner dünnen Beine zunächst rausschmeißen. Erst die Fürsprache von Sepp Leismüller und der Wehrdienst bei der Bundeswehr ermöglichten ihm das professionelle Training.
Aktuelle Kritik am Deutschen Skiverband
Wasmeier zeigt sich begeistert von den aktuellen Rennen auf der Stelvio-Piste in Bormio, kritisiert aber deutlich die Nominierungspolitik des DSV für Olympia 2026. „Das ist wirklich ein Dilemma“, sagt er. Während zu seiner Zeit sieben Deutsche unter den besten 15 platziert waren, sei heute nur ein einziger Speed-Fahrer am Start.
Besonders unverständlich findet er, dass Luis Vogt als Achter von Kitzbühel nicht zu Olympia darf, während Jessica Hilzinger mit maximal 22. Plätzen in zehn Rennen nominiert wurde. „Ich dachte auch: 'Ist mir da irgendwas entgangen?'“, so Wasmeier. Er fragt sich, warum der DSV seine Nominierung eine Woche vor fast allen anderen Verbänden abschließt.
Zukunft des Skisports
Wasmeier zeigt sich begeistert von den neuen technischen Möglichkeiten im Skisport, insbesondere von Drohnen-Übertragungen. „Durch die neuen Übertragungsmöglichkeiten mit Drohnen wird nun diese Dynamik sichtbar, was eine riesige Bereicherung für diesen Sport ist“, erklärt der ehemalige Rennläufer, der selbst 22 Jahre lang Kamerafahrten für Übertragungen entwickelte.
Auf der anspruchsvollen Stelvio-Piste werde den Athleten nichts geschenkt, betont Wasmeier. Dennoch freue er sich über die Leistungen junger Talente wie des Italieners Giovanni Franzoni. Die Medaillenverteilung bei den aktuellen Rennen findet er ausgewogen – bedauert aber das Fehlen deutscher Erfolge.



