Zwölfmal Platz vier: DOSB-Chef Tabor analysiert deutschen Medaillen-Fluch bei Winterspielen
Zwölfmal Platz vier: DOSB-Chef analysiert Medaillen-Fluch

Zwölfmal knapp am Podest vorbei: Deutscher Wintersport in Cortina von Medaillen-Fluch heimgesucht

Bei den Winterspielen in Cortina d'Ampezzo erlebte das deutsche Team eine außergewöhnliche Serie von Enttäuschungen: Gleich zwölfmal landeten Athletinnen und Athleten auf dem undankbaren vierten Platz – ein Negativrekord unter allen teilnehmenden Nationen. Oft fehlten nur Wimpernschläge zum ersehnten Edelmetall, wie Leistungssport-Vorstand Olaf Tabor (55) vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) bedauernd feststellte.

„Zwischen Drama und Tragödie“: Tabor analysiert die Gründe

„Bei zwölf vierten Plätzen gibt es keine einfache Antwort oder eine singuläre Maßnahme“, erklärte Tabor in seiner Analyse. „Das schmerzt, weil es irgendwo zwischen Drama und Tragödie abgelaufen ist.“ Der DOSB-Vorstand unterschied dabei zwischen verschiedenen Ursachen: Einerseits unkontrollierbare Situationen wie Stürze, andererseits kleine oder größere eigene Fehler, die das entscheidende Quäntchen zum Podestplatz kosteten.

Mehrfach fiel die Entscheidung erst im letzten Versuch oder in der Schlussphase einer Disziplin. Besonders deutlich wurde dies bei Freestyle-Snowboarderin Annika Morgan, die im finalen Sprung noch von Platz drei verdrängt wurde. Auch Biathletin Vanessa Voigt erlebte die Enttäuschung gleich doppelt – sowohl im Einzel als auch mit der Staffel verpasste sie knapp die Medaillenränge.

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Internationale Konkurrenz zeigt mehr Effizienz

Tabor machte keinen Hehl aus der Überlegenheit der internationalen Top-Nationen: „Die gehen mit ihrem Medaillenpotenzial offenbar sorgsamer um und münzen Chancen öfter in Edelmetall um.“ Im entscheidenden Moment seien andere Nationen einfach effizienter und konstanter gewesen. Diese Beobachtung spiegelt sich im aktuellen Medaillenspiegel wider: Norwegen, die USA und Italien haben sich bereits abgesetzt, während Deutschland mit den Niederlanden und Frankreich um Platz vier kämpft – natürlich um Platz vier.

Strukturelle Herausforderungen im Freestyle-Bereich

Besonderen Nachholbedarf sieht Tabor im Bereich der Freestyle-Sportarten. In Disziplinen wie Snowboard und Ski Freestyle laufe Deutschland – und ganz Europa – den Regionen Nordamerika, Asien und Ozeanien hinterher. „Wir haben relativ wenig Athletinnen und Athleten, die das auf diesem Top-Niveau machen“, so die ernüchternde Feststellung. Viele betrieben diese Sportarten nur in der Freizeit, die Breite sei zwar vorhanden, aber die absolute Spitze zu dünn besetzt.

Gemischte Bilanz nach Italien-Gastspiel

Die Gesamtbilanz des DOSB-Chefs fällt entsprechend gemischt aus: „Freude, Stolz und eine kleine Prise Ernüchterung.“ Das ursprüngliche Ziel, Rang drei im Medaillenspiegel zu erreichen, liegt nach der Serie von vierten Plätzen außer Reichweite. Die Analyse der zwölf knappen Verpassungen wird nun Grundlage für zukünftige Maßnahmen im deutschen Leistungssport sein, um in kommenden Wettbewerben das Quäntchen Glück und Effizienz auf die deutsche Seite zu bringen.

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