Aramco-Hybridmotor: 35 Prozent weniger Spritverbrauch
Aramco-Hybridmotor: 35% weniger Sprit

Wenn ein Ölkonzern einen Verbrennungsmotor baut, horcht die gesamte Branche auf. Besonders, wenn diese Maschine außergewöhnlich sparsam und wirtschaftlich sein soll. Einen solchen neuartigen Hybridantrieb hat jetzt Aramco, der staatliche Ölförderkonzern aus Saudi-Arabien und größter Erdölmulti der Welt, der Öffentlichkeit präsentiert.

Präsentation in Detroit

Schauplatz der Enthüllung war die Forschungseinrichtung von „Aramco Americas“ in Detroit, der traditionellen Hochburg der US-Autoindustrie. Dort stellte Chefingenieur Nayan Engineer den Prototyp des „Dedicated Hybrid Engine“ (DHE) vor, was auf Deutsch „spezieller Hybridmotor“ bedeutet. Dieser Motor soll einen thermischen Wirkungsgrad von 41 bis 42 Prozent erreichen – deutlich mehr als herkömmliche Ottomotoren, die lediglich auf 20 bis 35 Prozent kommen.

Technische Basis

Grundlage des Antriebs ist ein Dreizylinder-Benziner mit zwei Ventilen pro Zylinder und einem Hubraum von 1,6 Litern. An beiden Enden der Kurbelwelle sitzt jeweils ein Elektromotor. Dadurch ist der Antrieb äußerst wandelbar: Die Elektromotoren können als zusätzliche Energiequelle einen vorrangig verbrennergetriebenen Vortrieb erzeugen, ähnlich wie bei einem Vollhybrid. Oder sie fungieren als Generatoren, die die Kraft des Dreizylinders in Strom umwandeln, mit dem externe Elektromotoren – etwa an den Rädern – das Auto antreiben. Zudem kann der Motor als Reichweitenverlängerer (Range Extender) für ein Elektroauto dienen.

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Wie wird die Ersparnis erreicht?

Eine Verbrauchsreduktion von 35 Prozent ist bemerkenswert. Zum Vergleich: Beim Fiat 600 verbraucht die reine Verbrenner-Version mit 100 PS 5,7 Liter Super auf 100 Kilometern (WLTP), während die Hybridvariante mit 145 PS Systemleistung auf 4,9 Liter kommt – eine Ersparnis von lediglich 14 Prozent. Wie erreicht Aramco diese außergewöhnliche Effizienz? Noch sind nicht alle Details bekannt, doch der Antrieb wurde von Anfang an als Hybridmotor konzipiert. Anders als viele Hybride, die um einen bereits existierenden Verbrennungsmotor herum gebaut werden, kann das Aggregat dadurch kosten- und gewichtssparend konstruiert werden. Aramco zufolge sollen die Stückkosten um bis zu 25 Prozent unter denen aktueller Hybridantriebe liegen.

Entwicklung während der Pandemie

Bei der Entwicklung kooperierte Aramco mit dem französischen Rennsport-Konstrukteur Pipo Moteurs. Die Idee entstand während des Covid-Lockdowns, und ein dreiköpfiges Team leistete die Hauptarbeit. „Aramco gibt Ingenieuren wie mir die Freiheit, Innovationen zu entwickeln“, wird Chefingenieur Nayan Engineer zitiert. Er geht davon aus, dass der Motor in verschiedenen Leistungsstufen skalierbar ist und insbesondere als Range Extender für Elektroautos Anwendung finden wird.

Ob Autohersteller Interesse an der Dedicated Hybrid Engine haben, dazu schweigt Aramco bislang.

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