Kurz nach seinem 68. Geburtstag wurde Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin Opfer eines Hackerangriffs. Die Täter knackten seinen Telegram-Account und überschwemmten seinen „persönlichen Blog“ mit Hunderten Nachrichten, die in krassem Widerspruch zu seiner Rolle als treuer Putin-Vertrauter stehen.
Hunderte Nachrichten mit ukrainischen Parolen
Die Hacker verbreiteten auf Russisch immer wieder dieselben Botschaften, darunter die Slogans „Ehre der Ukraine“ und „Moskau wird brennen“. Zudem wurden Spendenaufrufe zur Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte veröffentlicht. Insgesamt mehr als 500 Nachrichten wurden abgesetzt, bevor Sobjanins Team den Angriff nach rund einer Viertelstunde unter Kontrolle brachte und die Posts löschte.
Bezug zu ukrainischem Angriff auf Ölinfrastruktur
Die Attacke nahm Bezug auf einen schweren ukrainischen Angriff auf die russische Ölinfrastruktur in der vergangenen Woche, der in Moskau eine riesige Explosion und schwarze Rauchwolken ausgelöst hatte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte daraufhin in Richtung Kreml-Chef Wladimir Putin gedroht: „Wenn die Ukraine brennt, wird auch Moskau brennen!“
Sobjanin – einer der engsten Putin-Vertrauten
Sobjanin ist seit 2010 Moskauer Bürgermeister und war zuvor unter anderem Chef von Putins Präsidialverwaltung. Der Hackerangriff trifft damit einen der engsten Vertrauten des russischen Präsidenten. Eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall gab es bislang nicht, ebenso fehlen Hinweise auf die Täter.
Verwundbarkeit Russlands auf allen Ebenen
Der Angriff zeigt einmal mehr, wie verwundbar Putins Russland inzwischen auf allen Ebenen ist. Die Ukraine hatte zuletzt regelmäßig Öllager in Brand gesetzt und die Nachschubversorgung der russischen Truppen empfindlich getroffen. Diese Treffer haben auch einen psychologischen Effekt. Der Kölner Politikprofessor Thomas Jäger ordnete ein: „Für einen Großteil der russischen Bevölkerung wird der Krieg erstmals deutlich sichtbar und seine zumindest wirtschaftlichen Auswirkungen klar fühlbar. Der Krieg hat sich von einer Art Computerspiel in die tägliche Realität für Millionen Russen verwandelt.“ Osteuropa-Experte Jan C. Behrends sieht eine deutliche Wirkung: „Dem Bild des brennenden Moskaus kann sich niemand entziehen; die Taktik der Ukraine wirkt.“



