Die Zahl der Beschwerden bei den Berliner Datenschützern ist im Jahr 2025 explosionsartig gestiegen. Grund ist der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen und Behörden. Die Datenschutzbeauftragte Meike Kamp spricht in ihrem neuen Jahresbericht von einem „rasanten Anstieg bei Beschwerden, Hinweisen und Beratungsanfragen“ im Zusammenhang mit KI.
Missstände bei KI-Training aufgedeckt
Prüfungen vor Ort bei Firmen offenbarten, dass die gesetzlichen Transparenzpflichten beim Einsatz von KI häufig missachtet werden. So verarbeitete ein Unternehmen Daten von Schuldnern, um die Zahlungsquote im Inkassoverfahren zu erhöhen. Dabei sollte ermittelt werden, welcher Kommunikationskanal, Ton und Uhrzeit für die individuelle Ansprache am besten geeignet sind. Die betroffenen Personen wurden jedoch nicht ausreichend darüber informiert, dass ihre Daten für das Training eines KI-Modells verwendet wurden – das angeblich anonymisiert war.
Ein ähnlicher Fall ereignete sich bei einer Online-Plattform: Auch hier wurde ein KI-System mit Kundenanfragen trainiert, ohne dass die betroffenen Personen darüber informiert wurden. Die Datenschutzbeauftragte rät Unternehmen daher, sorgfältig zu prüfen, ob ihre KI-Trainingsdaten tatsächlich anonym sind und ob die gesetzlichen Transparenzpflichten eingehalten werden.
Zahlreiche Verstöße im Arbeitskontext
Neben KI-bezogenen Beschwerden gab es auch viele Fälle aus dem Arbeitsumfeld. So nutzte ein Rezeptionist einer psychiatrischen Ambulanz die E-Mail-Adresse einer Patientin, um sie um ein privates Treffen zu bitten. Ein Arzt rief die Gesundheitsdaten einer ihm fachlich unterstellten Mitarbeiterin im Informationssystem der Klinik ab – ohne erkennbaren Grund. Ein Polizeibeamter fragte einen Vorgang ab, in dem er selbst als Täter geführt wurde, um so Einfluss auf das Verfahren zu nehmen.
Rekordzahlen bei Eingaben und Bußgeldern
Insgesamt wandten sich 2025 mehr Menschen als je zuvor an die Datenschutzbeauftragte. Die Zahl der Eingaben stieg von 6.036 im Jahr 2024 um 52 Prozent auf 9.224 im Jahr 2025. Die Behörde erließ 53 Verwarnungen und 59 Geldbußen in Höhe von insgesamt 79.450 Euro. Die Datenschutzbeauftragte betont, dass die Einhaltung der Datenschutzvorschriften angesichts der rasanten technologischen Entwicklung wichtiger denn je sei.



