Verteidigungsminister Boris Pistorius hat bei einem Besuch in der Ukraine die Bedeutung moderner Drohnentechnologie für die Kriegsführung hervorgehoben. Der SPD-Politiker besuchte Gefechtsstände in den Regionen Saporischschja und Dnipro, um die Fortschritte der ukrainischen Streitkräfte im Einsatz unbemannter Systeme zu beobachten. „Es kommt auf Tempo an, es kommt auf Produktion an, die fährt bereits hoch“, sagte Pistorius nach seinem Besuch.
Einblicke in den Drohnenkrieg
In einem versteckten Kommandoposten des 475. Sturmregiments verfolgte Pistorius laufende Einsätze. Fotografieren war verboten, der Zugang streng limitiert. „Von hier werden aktive Einsätze gesteuert. Und aktive Einsätze bedeutet, es werden Russen getötet“, erklärte Iwan Fedorow, Chef der regionalen Militärverwaltung in Saporischschja. Der Gefechtsstand selbst ist ein mögliches Ziel des Gegners.
Taktik der „Todeszone“
Dutzende Soldaten saßen vor Großbildschirmen, auf denen Livestreams von Aufklärungs- und Kamikazedrohnen in vielen kleinen Fenstern liefen. Ein ukrainischer Offizier erläuterte das Vorgehen: „Wir müssen zunächst die feindlichen Drohnenpiloten bekämpfen, dann die Artillerie vernichten. Ziel ist es, eine 20 Kilometer breite Todeszone zu errichten, in der sich niemand frei bewegen kann.“ Dies ermögliche es der eigenen Infanterie, geschützt durch Panzerfahrzeuge, vorzurücken.
Drohnen mit mittlerer Reichweite
Zunehmend wichtig sind Drohnen für den Bereich „middle strike“ mit Reichweiten von 20 bis über 100 Kilometer. Sie zerstören russischen Nachschub, Kommandoposten und Logistik, um die Front „aufzuweichen“. Die Spezialisten der 414. Brigade für unbemannte Systeme arbeiten in abgeschirmten Kleinbussen. Unter ihrem Chef Robert „Madyar“ Brovdi wurde die Einheit zu einer eigenen Teilstreitkraft ausgebaut. Ein Punktesystem macht Erfolge messbar, ähnlich wie in Computerspielen.
Erfolge und Kehrtwende
Nach ukrainischen Angaben, die nicht unabhängig überprüft werden können, kommen auf einen toten oder verwundeten Ukrainer 40 russische Soldaten. Pistorius sieht Anzeichen für eine Kehrtwende: „Ich glaube, dass die Ukrainer tatsächlich ein Momentum haben. Russland hat eine Phase der Schwäche – wirtschaftlich, innenpolitisch und auf dem Gefechtsfeld.“ Die Schläge gegen russische Militärinfrastruktur im Hinterland würden immer empfindlicher.
Lektionen für die Bundeswehr
Pistorius betonte den enormen Bedeutungszuwachs von Drohnen aller Art – Aufklärungs-, Kampf- und Kamikazedrohnen. Besonders beeindruckt zeigte er sich vom technologischen Fortschritt: „Die Zentralen erinnern bisweilen eher an Kommandozentralen großer IT-Unternehmen. Das Tempo und die Effizienz sind beeindruckend.“ Gleichzeitig würden die eigenen Soldaten geschützt, weil sie nicht mehr immer in die erste Reihe müssten. Die Bundeswehr solle nun schnell von diesen Erfahrungen profitieren.



