EU plant E-Klasse: Elektro-Kleinwagen für unter 15.000 Euro
EU plant E-Klasse: Elektro-Kleinwagen für unter 15.000 Euro

EU plant E-Klasse: So sollen elektrische Kleinwagen aus Europa günstiger werden

Die Europäische Union führt eine neue Fahrzeugkategorie für kleine Elektroautos ein: die M1E-Klasse, kurz E-Klasse genannt. Ziel ist es, das Segment der günstigen Kleinwagen wiederzubeleben und europäischen Herstellern zu helfen, ihre CO₂-Flottenziele zu erreichen. Gleichzeitig sollen Kunden von niedrigeren Preisen und besonderen Privilegien profitieren.

Was ist die neue EU-E-Klasse?

Die M1E-Klasse ist eine Unterkategorie der bestehenden Pkw-Klasse M1, eingeführt durch das sogenannte Automotive-Omnibus-Paket der EU-Kommission. Sie soll das lange brachliegende Segment der günstigen Kleinwagen wiederbeleben. Jahrelang hatten Hersteller dieses Segment aufgegeben, weil steigende Sicherheits- und Emissionsvorschriften Kleinwagen unrentabel machten. Modelle wie der Ford Fiesta oder VW Up verschwanden vom Markt.

Welche Kriterien müssen Fahrzeuge erfüllen?

Ein Fahrzeug muss drei Hauptkriterien erfüllen: maximal 4,20 Meter Länge, rein batterieelektrischer Antrieb (kein Hybrid, kein Verbrenner) und volle Pkw-Sicherheitsstandards gemäß Euro-7-Norm. Eine Gewichtsgrenze gibt es nicht, aber Leichtbau wird indirekt belohnt, da leichtere Fahrzeuge effizienter und wettbewerbsfähiger sind.

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Warum werden diese Autos billiger?

Die EU gewährt Herstellern einen Bonus: Jedes M1E-Modell muss zehn Jahre lang keine nachträglichen Anpassungen an neue Assistenzsystem-Vorschriften vornehmen (sogenanntes „Freeze“). Zudem gibt es ein Super-Credit-System: Jedes in der EU produzierte und verkaufte M1E-Fahrzeug zählt mit dem Faktor 1,3 in die CO₂-Bilanz, nicht mit 1,0. Dadurch können Hersteller wie Stellantis, Volkswagen oder Renault einen Elektro-Kleinwagen für 15.000 Euro anbieten und dennoch profitabel arbeiten, weil die vermiedenen Strafzahlungen auf Flottenebene den eigentlichen Ertrag bringen.

Gibt es ein Vorbild?

Ja, Japan hat seit 1949 die Kei-Car-Klasse. Diese Fahrzeuge sind auf maximal 3,40 Meter Länge und 64 PS beschränkt, erhalten aber steuerliche Vergünstigungen und günstigere Versicherungen. Heute machen Kei-Cars über ein Drittel der Neuzulassungen in Japan aus.

Warum keine abgespeckten „Euro-Kei-Cars“?

Japan setzt auf vereinfachte nationale Sicherheitsnormen und erlaubt auch Benziner. Die EU hingegen hält an vollen Pkw-Crashtest-Standards fest und beschränkt M1E auf Elektroantrieb, um ein zweigeteiltes Sicherheitsniveau zu vermeiden.

Welche Autos fallen in die neue Klasse?

Mehrere Modelle erfüllen die Vorgaben bereits: Renault 5 E-Tech (3,92 m), Citroën ë-C3 (4,01 m), VW ID.Polo (4,05 m) und Kia EV 2. Sie werden in der EU montiert. Nicht qualifiziert sind der Dacia Spring (China-Produktion), Hyundai Inster (Südkorea) und elektrische Mini-Modelle von BMW (Endmontage in China). Der Volvo EX30 scheitert an 4,23 Metern Länge – drei Zentimeter zu viel.

Warum muss das Auto in der EU gebaut werden?

Die Vorteile der M1E-Klasse, insbesondere die Super-Credits, sind an die Produktion in der EU geknüpft. So will die EU verhindern, dass günstige Importe aus China begünstigt werden. Ab 2027 müssen mindestens 50 bis 60 Prozent des Fahrzeugwerts in der EU oder in Ländern mit Handelsabkommen entstanden sein.

Welche Kaufprämien gibt es in Deutschland?

Fahrzeuge der E-Klasse erhalten die staatliche E-Auto-Kaufprämie, rückwirkend ab 1. Januar 2026. Haushalte mit einem zu versteuernden Einkommen bis 45.000 Euro erhalten bis zu 5.000 Euro, bei zwei oder mehr Kindern bis zu 6.000 Euro. Das Fahrzeug muss mindestens 36 Monate zugelassen sein. Zudem sind reine Elektrofahrzeuge bis Ende 2030 zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit, danach dauerhaft 50 Prozent Ermäßigung. Für Dienstwagen gilt ein Besteuerungssatz von 0,25 Prozent. Auch die THG-Prämie (165 bis 215 Euro pro Jahr) ist nutzbar.

Welche Vorteile im Stadtverkehr sind geplant?

Kommunen können rechtssicher Privilegien für M1E-Fahrzeuge einführen, wie kostenloses Parken, Nutzung von Busspuren oder Erlass von City-Mauten. Allerdings dürften viele Städte zögerlich sein, Autoverkehr zu fördern. Eher wahrscheinlich sind Einschränkungen für normale Fahrzeuge, die für Kleinwagen nicht gelten. Auch bei Versicherungen sind günstigere Einstufungen zu erwarten.

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Wann kommt die neue E-Klasse?

Die formelle Verabschiedung wird für Mitte 2026 erwartet, das Inkrafttreten der Typgenehmigungsregeln für Anfang 2027. Hersteller entwickeln bereits auf Basis der Entwürfe, da die EU die Regeln für zehn Jahre stabil halten will.

Welche Kritik gibt es?

Kritiker haben fünf Einwände: Erstens Protektionismus durch die Herstellungspflicht in der EU, die Importe wie den Dacia Spring ausschließt. Zweitens die Batterievorgaben, die Lieferketten kurzfristig kaum erfüllen können. Drittens das Super-Credit-Schlupfloch, das Hersteller von der Elektrifizierung größerer Modelle entlastet. Viertens der Sicherheits-Freeze, der zehn Jahre lang keine Verbesserungen bei Assistenzsystemen erlaubt. Fünftens der 15.000-Euro-Preis, der noch nicht realisiert ist – es bleibt abzuwarten, ob Hersteller die Super-Credits in Super-Gewinne umwandeln.