Kochfeld-Mythen entlarvt: Warum Ceran nicht gleich Infrarot ist
Ein Handgriff am Herd – und schon entscheidet die Hitze darüber, ob ein Gericht gelingt oder misslingt. Moderne Küchen setzen dabei oft auf Infrarot-Technik. Doch wie funktioniert ein Infrarot-Kochfeld eigentlich? Viele kennen diese Kochfelder vor allem unter einem anderen Namen: Ceran. Technisch korrekt ist das allerdings nicht. Hinter der weit verbreiteten Technik steckt ein System, das mit Strahlungswärme arbeitet und sich seit Jahren in Millionen Küchen bewährt hat.
So arbeitet ein Infrarot-Kochfeld
Anders als bei klassischen Herdplatten wird die Wärme nicht allein über direkten Kontakt übertragen. „Elektrischer Strom fließt durch ein Heizelement, in diesem Falle ein Halogen-Heizstab“, erläutert Patrick Bastian vom Bundesumweltamt in Dessau gegenüber myHOMEBOOK. Der Heizstab wird dabei extrem heiß. „Der Heizstab erhitzt sich auf mehrere hundert bis tausend Grad Celsius, gut sichtbar durch das orange-rote Aufleuchten des Heizelementes durch die Glaskeramik hindurch. Dabei entsteht eine Infrarotstrahlung. Diese durchdringt die Glaskeramik und trifft auf den Topfboden. Gleichzeitig erwärmt sich auch der Keramikboden und gibt zusätzlich Wärme an den Topf ab.“
Der Begriff Ceran hat sich im Alltag dennoch durchgesetzt. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Markennamen der Firma Schott. Das Unternehmen spezialisierte sich bereits in den frühen 1970er Jahren auf Kochfelder aus Glaskeramik. Der korrekte technische Begriff lautet deshalb Infrarot-Kochfeld.
Hersteller bieten viele Infrarot-Kochfelder an
Die Auswahl auf dem Markt ist groß. Hersteller wie AEG, Bosch, Gorenje, Miele oder Siemens bieten entsprechende Modelle an. Die Liste ist jedoch nicht vollständig. Nach Einschätzung des Umweltbundesamts sollte beim Kauf weniger die Marke als vielmehr die Reparierbarkeit im Mittelpunkt stehen. „Verbraucher sollten vor dem Kauf darauf achten, ob Ersatzteile wie Heizelement, Regler, Thermostat, Kontroll-Lampen für das jeweilige Modell über ausreichend lange Zeiträume verfügbar sind oder der jeweilige Hersteller entsprechende Reparaturleistungen anbietet.“ Außerdem warnt Bastian davor, Reparaturen selbst vorzunehmen. „Das Risiko eines Stromschlags oder eines Brandes darf hier nicht unterschätzt werden.“
Infrarot-Kochfeld hat Vor- und Nachteile
Punkten kann die Technik vor allem beim Preis. Infrarot-Kochfelder sind vergleichsweise günstig in der Anschaffung. Die glatte Oberfläche lässt sich leicht reinigen, und nahezu jeder Topf kann verwendet werden. Außerdem bleibt nach dem Kochen Restwärme erhalten, mit der sich Speisen warmhalten lassen. Es gibt aber auch Nachteile. Der Stromverbrauch liegt laut den Angaben etwa 20 bis 30 Prozent höher als bei einer Induktionsplatte. Zudem geht mehr Energie verloren. Erst wird das Heizelement heiß, dann die Glaskeramik, anschließend der Topf und erst danach dessen Inhalt. Auch Temperaturänderungen erfolgen langsamer. Hinzu kommt die hohe Oberflächentemperatur der Kochfläche, die das Risiko von Verbrennungen erhöht.
Für Patrick Bastian fällt die Bewertung deshalb klar aus: „Induktion hat den höchsten Wirkungsgrad aller Herdtechnologien und ist daher technisch und energetisch die effizienteste Lösung.“ Zwar seien für die Herstellung mehr Materialien nötig, zudem würden spezielle Töpfe und Pfannen benötigt. „Allerdings werden die Aufwendungen durch den geringeren Energieverbrauch über die Betriebsjahre kompensiert“, betont der Experte vom Bundesumweltamt.
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