Konflikt um Nexperia: Niederländisches Gericht ordnet Ermittlung zu Misswirtschafts-Vorwürfen an
Um den niederländischen Chiphersteller Nexperia tobt ein anhaltender Kampf zwischen dem chinesischen Mutterkonzern Wingtech und dem europäischen Management. Das Wirtschaftsgericht in Amsterdam hat nun eine umfassende Untersuchung zu Vorwürfen der Misswirtschaft angeordnet, die sich über mehrere Monate hinziehen könnte.
Gericht sieht berechtigte Zweifel an Unternehmensführung
Das Amsterdamer Gericht erklärte in seiner Entscheidung, es gebe "berechtigte Gründe, an der Vertrauenswürdigkeit und Unternehmensführung von Nexperia zu zweifeln". Die Richter bekräftigten die Suspendierung des chinesischen Unternehmenschefs Zhang Xuezheng, die bereits im Oktober verhängt worden war. Die damals eingeführten Kontrollmaßnahmen gegen das Unternehmen bleiben ebenfalls bestehen.
Die Entscheidung des Gerichts begründete sich damit, dass das Unternehmen dringend Stabilität benötige. Damit verbleibt die operative Kontrolle über Nexperia vorerst in den Händen eines europäischen Managementteams, während die Untersuchung läuft.
Hintergrund des Konflikts
Nexperia mit Sitz im niederländischen Nijmegen ist ein wichtiger Großlieferant von einfachen Halbleitern, die insbesondere in elektronischen Steuergeräten von Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Die Niederlande hatten das Unternehmen bereits im September unter Verweis auf Sicherheitsbedenken unter staatliche Kontrolle gestellt – eine Maßnahme, die bei der chinesischen Regierung auf massive Empörung stieß.
Als Reaktion belegte China Nexperia-Produkte mit einem Exportverbot, was zu einem gravierenden Chipmangel vor allem bei Autozulieferern und -herstellern in Europa führte. Interessanterweise werden Nexperia-Halbleiter zwar in Europa produziert, zur Weiterverarbeitung jedoch häufig nach China verschickt, bevor sie dann zu den europäischen Kunden zurückexportiert werden.
Vorwürfe und Gegenargumente
Das niederländische Wirtschaftsministerium hat nach eigenen Angaben Hinweise erhalten, dass Nexperia – gestützt durch den Mutterkonzern Wingtech – begann, Geld, Technologie und geistiges Eigentum an ein Unternehmen in einem Drittstaat zu verlagern. Insbesondere die europäischen Führungskräfte von Nexperia hatten eine gründliche Untersuchung und die dauerhafte Suspendierung Zhangs gefordert.
Die Anwälte des chinesischen Eigentümers wiesen die Vorwürfe des Missmanagements hingegen entschieden zurück. Sie betonten, der bisherige Unternehmenschef habe niemals versucht, das Unternehmen auszuhöhlen oder die Produktion nach China zu verlagern.
Auswirkungen auf die Industrie
Der anhaltende Streit um Nexperia sorgt weiterhin für erhebliche Engpässe bei Chips für Automobilhersteller in Europa. Die vom Gericht angeordnete Untersuchung könnte mehrere Monate dauern, was die Unsicherheit in der Branche verlängert.
Die auf Unternehmensverfahren spezialisierte Kammer des Amsterdamer Gerichts prüfte seit Mitte Januar die Einleitung von Ermittlungen. Die Regierung in Peking hatte zuvor die Aufhebung der Kontrollmaßnahmen gegen Nexperia gefordert, was die Niederlande jedoch ablehnten.
Der Konflikt um Nexperia zeigt die zunehmenden Spannungen zwischen China und europäischen Ländern im sensiblen Bereich der Halbleitertechnologie, die für zahlreiche Schlüsselindustrien von entscheidender Bedeutung ist.



