DFB-Experte überrascht mit Aussage zu FC-Bayern-Strafstoß
DFB-Experte überrascht zu FC-Bayern-Strafstoß

Im Halbfinalrückspiel der Champions League zwischen dem FC Bayern und Paris Saint-Germain stand Schiedsrichter Joao Pinheiro mehrfach im Mittelpunkt. DFB-Schiedsrichterausbilder Lutz Wagner ordnet im AZ-Interview die entscheidenden Szenen ein.

Kritik an Pinheiros Leistung

Lutz Wagner, verantwortlicher Koordinator für die Schiedsrichterausbildung beim DFB, zeigt sich kritisch: „Wenn eine Aktion bleibt, die im Nachhinein nicht korrekt war, ist ein Schiedsrichter nicht mit seiner Leistung einverstanden. Und Pinheiro hat in diesem Spiel nicht irgendeinen Fehler gemacht, sondern einen mit entscheidender Wirkung.“ Besonders das Handspiel von Nuno Mendes sieht Wagner als schwerwiegend an. „Zumal die gleiche Szene in der 28. Minute eine ganz andere Wirkung gehabt hätte als in der 85. Minute. Das liegt nicht am Schiedsrichter.“

Gelb-Rote Karte für Mendes?

Auf die Frage, ob das Handspiel von Mendes regeltechnisch eine Gelb-Rote Karte hätte nach sich ziehen müssen, antwortet Wagner: „Ja. Ich glaube auch, dass Pinheiro diese gegeben hätte, wenn er zuvor nicht das Handspiel von Konrad Laimer gepfiffen hätte, das keines war. Denn in dem Moment, in dem er das Handspiel von Mendes pfeift, muss er ihm auch die Ampelkarte geben. Und das nicht nur, weil es ein absichtliches Handspiel war, sondern weil er einen klaren, aussichtsreichen Angriff über die rechte Seite verhindert hat.“

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Weitere strittige Szenen

Neben dem Handspiel gab es eine weitere Szene, die Wagner kritisiert: die Abseitsentscheidung gegen Harry Kane zu Spielbeginn. „Da wäre Pinheiro gut beraten gewesen, die Situation bei dieser knappen Entscheidung laufen zu lassen. So hat er ein mögliches Nicht-Abseits direkt tot gemacht, und wir werden nie genau wissen, ob es Abseits war.“

Strafstoßentscheidung nachvollziehbar

Zur Strafstoßszene um Vitinha sagt Wagner: „Hier hat Pinheiro die Regelauslegung auf seiner Seite. Denn es hat nicht der FC Bayern auf das Tor geschossen, sondern Paris hatte klar den Ball. Sie haben versucht, den Angriff aufzubauen. Welche Intention sollte da Vitinha haben, die Spieleröffnung mit der Hand aufzuhalten? Das wäre paradox. Deswegen kommen hier zwei Begriffe zum Einsatz: Clearing the Box, wenn der Ball die Box verlässt, und Teammate to Teammate, da der Ball vom eigenen Mann kommt. Entsprechend ist die Entscheidung von der Argumentation her durchaus nachvollziehbar.“

Regelwerk und Auslegung

Auf die Frage, wo diese Regelauslegung schriftlich festgehalten sei, antwortet Wagner: „Es gibt dafür keinen Regeltext oder ein Buch, das die Situation genau abdeckt. Man bräuchte ansonsten ein Buch, in dem jede Situation mit allen Eventualitäten abgebildet werden müsste. Das Regelwerk wäre dann kein Buch mehr, sondern wir hätten ganze Bände. Deshalb gibt die Fifa mitgeltende Unterlagen wie zum Beispiel ein Q&A und auch Videos mit den wichtigsten Szenen und internationalen Entscheidungen in den Umlauf. Diese haben einen Vorbildcharakter. Daraus leiten die Schiedsrichter ihre Linie ab.“

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