Google hat am Dienstag eine neue Kategorie von Notebooks angekündigt, die sogenannten Googlebooks. Diese Mobilcomputer sollen das Smartphone-Betriebssystem Android und das Laptop-Betriebssystem Chrome OS miteinander verschmelzen. Das Unternehmen bewarb die Geräte als „Googlebooks, designed for Gemini Intelligence“, womit der KI-Chatbot Gemini gemeint ist, auf den die Geräte besonders gut zugeschnitten sein sollen.
Der magische Cursor und neue Desktop-Widgets
Ein sichtbares Zeichen für die eingebettete KI ist das neue Cursor-Symbol, das erscheint, wenn man an der Maus rüttelt. Der übliche Pfeil wird dann um ein Gemini-Logo ergänzt. Google bezeichnet die Kombination als „Magic Cursor“ und will den Cursor damit neu erfunden haben. Anders als herkömmliche Bildschirmzeiger soll der magische Cursor nicht nur dazu dienen, Elemente auszuwählen, sondern auch verstehen, was man angeklickt hat. Mithilfe von Gemini soll er, je nachdem, wo er gerade auf dem Bildschirm steht, passende Aktionen vorschlagen. Bei der Produktpräsentation führte Google in einem Beispiel vor, wie jemand nacheinander zwei Bilder in getrennten Fenstern auswählte und der Cursor vorschlug, diese miteinander zu kombinieren, was er nach einem Klick auch tat.
Ferner soll man sich per „Create your Widget“-Funktion eigene Desktop-Widgets basteln können. Dazu gibt man, wie bei einem Chatbot, ein Prompt ein, das erklärt, was das Widget tun soll. Gemini sucht die nötigen Daten dann etwa aus Quellen wie Gmail und dem Kalender zusammen und erzeugt daraus ein Widget, das man auf dem Desktop verankern kann. In einem Beispiel waren das Reisedaten und flankierende Infos zu einem Kurztrip.
Integration mit Android-Smartphones
Die Zusammenarbeit mit Android-Smartphones soll so vereinfacht werden, dass man auf dem Handy gespeicherte Daten und Apps per „Quick Access“ auf dem Googlebook nutzen kann. Möchte man also etwa während der Arbeit an einem Text schnell eine Pizza bestellen, kann man die Handy-App des bevorzugten Lieferdienstes auf dem Laptop starten, die Bestellung eingeben und dann weitertexten.
Wie üblich will Google die Produktion solcher Geräte in erster Linie anderen Herstellern überlassen. Firmen wie Acer, Asus, Dell, HP und Lenovo sollen an entsprechenden Geräten arbeiten. Google verspricht vollmundig, sie würden mit „höchster Handwerkskunst und hochwertigen Materialien gefertigt“ und würden „in verschiedenen Formen und Größen erhältlich“ sein. Ein sogenannter „Glowbar“, eine Art LED-Lichtleiste, soll Googlebooks auf Anhieb als solche erkennbar machen. Das freut die Marketingabteilung. Viel mehr hat der Konzern am Dienstag über seine neue Notebookgattung zunächst nicht verraten. Es gibt keine Informationen dazu, auf welcher Hardware die Geräte basieren und wie teuer sie sein sollen. Das lässt vermuten, dass das Projekt noch in einer frühen Entwicklungsphase steckt, also erst seit kurzer Zeit verfolgt wird. Möglicherweise ist der enorme Erfolg von Apples günstigem MacBook Neo, das vielen Billig-Laptops das Wasser abgräbt, ein motivierender Faktor bei der Entwicklung des Konzepts.
Auffällig ist, dass Google die Neuerungen bereits kurz vor der jährlichen Entwicklerkonferenz Google I/O vorgestellt hat. Die Konferenz findet kommende Woche in Kalifornien statt und ist üblicherweise der Ort, an dem Google seine Zukunftspläne bekannt gibt. Möglicherweise möchte Google sich damit auf der Konferenz Raum geben, um noch prominenter über Neuerungen im Bereich KI zu sprechen.
Android 17: Vom Betriebssystem zum intelligenten System
Ebenfalls am Dienstag stellt Google eine neue Version von Android vor. Wobei der Konzern das Update mit der Versionsnummer 17 nicht mehr profan als Betriebssystem bezeichnen möchte. Google-Manager Dieter Bohn, früher Chefredakteur des Techmagazins „The Verge“, sagte vor Journalisten: „Wir entwickeln Android von einem Betriebssystem zu einem intelligenten System weiter, das lernt und für die Nutzer arbeitet.“ Bohn meint damit eine Integration von Googles Gemini-KI in das Betriebssystem. Ähnlich wie Amazons neue Alexa+ soll das System seine Nutzerinnen und Nutzer künftig auch dann noch richtig verstehen, wenn sie nicht in klar strukturierten, standardisierten Sätzen sprechen. So soll die KI etwa ein Diktat wie dieses korrekt umsetzen: „Hey, wenn Du einkaufen gehst, bring doch bitte Milch und Joghurt mit und ähh, na, Käse, … am besten Gouda. Und Bananen bitte. Oder, nee, doch nicht, lieber Avocados.“ Das Ergebnis soll dann ungefähr so aussehen: „Hey, wenn Du einkaufen gehst, bring doch bitte Milch, Joghurt, Gouda und Avocados mit.“ Das ist nützlich, aber nicht bahnbrechend. Während Siri noch von solchen Fähigkeiten träumt, versteht etwa ChatGPT solche Satzzusammenhänge schon lange.
Überdies soll Gemini in Android eigenständig mehrteilige Aufgaben erledigen können. Als Beispiel wurde gezeigt, wie jemand einen Werbe-Flyer für einen Ausflug fotografierte und fragte: „Hey, kannst du bei Expedia nach einer Tour wie dieser für morgen suchen?“ Gemini zeigte daraufhin entsprechende Angebote und konnte auf Wunsch auch die Buchung übernehmen.
Instagram bekommt bevorzugte Behandlung auf Android
Instagram bekommt im Android-Ökosystem künftig eine bevorzugte Behandlung. „Externe Vergleichstests“ hätten bestätigt, „dass Videos, die mit Android-Flaggschiffgeräten aufgenommen und hochgeladen werden, nun genauso gut oder besser abschneiden als die unseres führenden Mitbewerbers“, sagte eine Google-Managerin. „Wir sind der Meinung, dass dies der neue Standard für soziale Medien auf Android ist.“ Mit dem „führenden Mitbewerber“ dürfte in diesem Fall Apple gemeint sein.
Gemeinsam mit dem Instagram-Mutterkonzern Meta baut Google einige seiner Kamerafunktionen direkt in die Instagram-App ein. Demnach werden eine Bildstabilisierung, eine Ultra-HDR- sowie eine Nachtaufnahmefunktion direkt in die App integriert. Zudem sollen einige neue Bearbeitungsfunktionen für Fotos und Videos exklusiv Android-Geräten vorbehalten sein. Der Umweg von der Kamera-App über eine Bildbearbeitungs-App bis zur Insta-App soll einem dadurch erspart werden. Allerdings nur auf High-End-Geräten.
Dazu passen auch sogenannte Screen-Reactions. Google meint damit, dass man mit der Selfie-Kamera die eigenen Reaktionen auf ein Video, das man sich gerade anschaut, aufnehmen kann. In der resultierenden Aufnahme werden beide Clips ineinander montiert. Solche Videos werden regelmäßig dafür kritisiert, dass sich die Ersteller der Reaktionsvideos am Content anderer Creator bedienen, ohne diese an ihren Einnahmen zu beteiligen. Bisher war es verhältnismäßig aufwendig, solche Videos zu produzieren. Man benötigte idealerweise einen Greenscreen und musste die Clips zumindest in einer Videosoftware zusammenschneiden. Da Googles Technik den Vorgang dramatisch vereinfacht, könnte bald deutlich mehr solcher Videos das Netz fluten.
Mehr Ruhe und Sicherheit mit Android 17
Dem Digital-Detox-Trend folgend führt Google auf Android eine Funktion ein, die das sogenannte Doom-Scrolling, das unbedachte Scrollen durch Social-Media-Posts und Videos, vermeiden soll. Wenn aktiviert, schiebt die „Pause Point“ genannte Funktion beim Versuch, eine potenziell ablenkende App zu öffnen, eine Zehn-Sekunden-Pause ein. Die soll man etwa für Atemübungen nutzen, vor allem aber, um sich selbst zu fragen, weshalb man die App öffnen will und ob das gerade richtig und wichtig ist. Zwar gibt es längst Apps wie „one sec“, die ähnliche Ansätze haben, aber die Integration ins Betriebssystem könnte aus dem Experimentierfeld einzelner Entwickler einen Breitensport machen. Jedenfalls für diejenigen, die diese Funktion aktivieren.
Was ebenfalls für mehr Ruhe sorgen könnte, sind Googles Bemühungen, Android sicherer zu machen. Dazu zählt, dass Android-Handys potenziell betrügerische Anrufe künftig besser erkennen sollen, wenn die Betrüger vorgeben, von einer Bank aus anzurufen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die jeweilige Bank mit Google zusammenarbeitet, man deren App installiert und dort eingeloggt ist. Ausgesprochen nützlich kann die Funktion „Als verloren markieren“ werden, die mit Android 17 ihr Debüt geben soll. Sie soll es Geschädigten ermöglichen, ein gestohlenes Smartphone unbrauchbar zu machen, indem sie etwa WiFi- und Bluetooth-Verbindungen unterbinden und ein Entsperren des Geräts nur per Gesichts-Scan oder Fingerabdruck zusätzlich zur PIN erlauben. Ein erbeuteter PIN-Code würde Dieben dann nichts nützen.
Android Auto: Neues Design und bessere Navigation
Googles Android-Software für Autos fährt dem Unternehmen zufolge bereits in einer Viertelmillion Fahrzeugen mit. Damit es noch mehr werden, bekommt die Software einen neuen Look. Zudem soll sie sich besser an Bildschirme anpassen lassen, die nicht rechteckig sind, so wie etwa im BMW iX3. Das neue Design ist an den „Material You“-Look der Smartphones angepasst und ermöglicht es jetzt auch, Widgets auf dem Bildschirm zu platzieren. Wichtiger dürfte jedoch sein, dass die Navigation in Google Maps jetzt einen neuen 3D-Look bekommt. Google-Mitarbeiter bezeichnen die neue Version in Android Auto als „unser größtes Update für Google Maps seit mehr als einem Jahrzehnt.“ Die Software soll etwa Fahrspuren, Brücken und Gebäude besser darstellen, um Autofahrern zu helfen, sich besser zurechtzufinden. Dass YouTube-Videos – und künftig auch Videos anderer Apps – in HD-Auflösung und mit 60 ruckelfreien Bildern pro Sekunde auf den Bildschirmen abgespielt werden können, dürfte im Alltag weniger wichtig sein. Zumal zu einer Audio-Only-Wiedergabe umgeschaltet wird, sobald sich das Fahrzeug in Gang setzt. Immerhin: Wenn der Streaminganbieter und der Autohersteller das unterstützen, kann man Audio im Auto künftig mit Dolby-Atmos-Rundumsound hören.
Wie alle Ankündigungen rund um Android 17 sollte man in Erwartung solcher Updates nicht die Luft anhalten. Viele der Neuerungen, die der Konzern heute angekündigt hat, werden zunächst nur in den USA verfügbar sein. Manche nur auf Pixel-Smartphones, andere zuerst auf Samsungs Galaxy-Modellen. Auch was Updates für Android Auto angeht, sind nicht alle PKW-Hersteller gleichermaßen daran interessiert, diese bei sich einzuführen.



