Deutsche Industrie setzt auf Innovation: Patentanmeldungen nehmen deutlich zu
Die Mitarbeiter des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) in München hatten im Jahr 2025 außergewöhnlich viel zu tun. In einer wirtschaftlich herausfordernden Phase, die viele als die schwierigste seit Jahrzehnten bezeichnen, zeigt die aktuelle Bilanz der Bundesbehörde eine klare Reaktion der deutschen Industrie auf die wachsende technologische Konkurrenz aus China und anderen Nationen.
Steigerung bei Patentanmeldungen trotz wirtschaftlicher Herausforderungen
Die deutschen Unternehmen haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Neuentwicklungen beim DPMA angemeldet als noch 2024. Insgesamt stieg die Zahl der Patentanmeldungen um bemerkenswerte 4,7 Prozent auf insgesamt 62.050. Der Großteil dieser Anmeldungen – genau 42.349 – stammte nach wie vor von heimischen Unternehmen, was einem Plus von 5,6 Prozent entspricht.
„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es ein gutes Zeichen, dass der Schutz von Innovationen gerade für Unternehmen aus Deutschland weiter hohe Priorität hat“, erklärte DPMA-Präsidentin Eva Schewior. Ausländische Firmen reichten 19.701 Patentanmeldungen ein, was einem niedrigeren Anstieg von 2,8 Prozent entspricht.
Automobilbranche dominiert die Patentlandschaft
Die zehn Unternehmen mit den meisten Anmeldungen waren sämtlich Autohersteller und -zulieferer, darunter acht deutsche Firmen. An erster Stelle lag Bosch, gefolgt von Mercedes-Benz, BMW, Audi, VW, Porsche und Schaeffler. Auf den Plätzen acht und neun lagen die US-Konzerne General Motors und Ford, auf dem zehnten Platz dann mit dem Zulieferer ZF wieder ein deutsches Unternehmen.
Zahlenmäßig stärkster Technologiesektor war der Maschinenbau mit 24.338 in- und ausländischen Anmeldungen, was einem Anstieg von 2,2 Prozent entspricht. Dicht darauf folgte die Elektrotechnik mit 19.436 Anmeldungen, die eine deutliche Steigerung von 9,1 Prozent verzeichnete.
Chinesische Markenanmeldungen explodieren
Dass die deutsche Industrie nicht zuletzt wegen des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas mit einer grundlegend veränderten Situation zu kämpfen hat, lässt sich am deutlichsten in einem anderen Bereich der Statistik ablesen: den Markenanmeldungen. Deren Zahl schoss um knapp 20 Prozent auf 96.328 nach oben.
Ein Hauptgrund war, dass chinesische Unternehmen die Zahl ihrer Markenanmeldungen im Vergleich zu 2024 fast verdreifachten: von 3.385 auf 10.027. Der Hintergrund: Viele chinesische Firmen haben in den vergangenen Jahren Überkapazitäten aufgebaut und sind dringend auf Exporte angewiesen, um ihre Produktion abzusetzen.
Da die US-Regierung unter Präsident Donald Trump chinesische Importe begrenzen will, drängen Unternehmen aus der Volksrepublik verstärkt nach Europa. So haben chinesische Firmen auf Kundensuche auch ihre Präsenz auf europäischen Industriemessen stark erhöht.
Patente als profitables Geschäft für den Staat
Für den Staat erweist sich die Arbeit des Patentamts als gewinnbringend: Die Behörde erwirtschaftete mit ihren Gebühren 2025 einen Überschuss von 232,6 Millionen Euro, was einer Steigerung von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Die alljährliche Bilanz des Patent- und Markenamts gilt als wichtiger Indikator für die Entwicklungstätigkeit der deutschen Industrie. Allerdings liefern die Zahlen kein vollständiges Bild, da Unternehmen wie Siemens und andere deutsche Konzerne ihre Neuentwicklungen bevorzugt beim ebenfalls in München sitzenden Europäischen Patentamt einreichen.



