Deutsche Industrie setzt trotz schwieriger Lage auf Innovation
Die deutsche Industrie befindet sich in der schwierigsten Phase seit Jahrzehnten, doch sie reagiert mit verstärkter Forschungs- und Entwicklungsarbeit auf die globale technologische Konkurrenz. Die aktuellen Zahlen des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA) in München zeigen deutlich, wie Unternehmen auf den Druck aus China und anderen Nationen antworten.
Patentanmeldungen als Indikator für Entwicklungstätigkeit
Im vergangenen Jahr verzeichnete das DPMA einen deutlichen Anstieg der Patentanmeldungen. Insgesamt wurden 62.050 Neuentwicklungen angemeldet, was einem Plus von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Großteil dieser Anmeldungen – genau 42.349 – stammte von heimischen Unternehmen, die damit ein Wachstum von 5,6 Prozent erreichten.
„In wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es ein gutes Zeichen, dass der Schutz von Innovationen gerade für Unternehmen aus Deutschland weiter hohe Priorität hat“, betonte DPMA-Präsidentin Eva Schewior. Ausländische Firmen reichten 19.701 Patentanmeldungen ein, was einem niedrigeren Anstieg von 2,8 Prozent entspricht.
Automobilbranche dominiert Patentranking
Die zehn Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen stammten allesamt aus der Automobilindustrie, darunter acht deutsche Firmen. An der Spitze lag Bosch, gefolgt von Mercedes-Benz, BMW, Audi, Volkswagen, Porsche und Schaeffler. Auf den Plätzen acht und neun fanden sich die US-Konzerne General Motors und Ford, während der Zulieferer ZF den zehnten Platz belegte.
Zahlenmäßig stärkster Technologiesektor war der Maschinenbau mit 24.338 in- und ausländischen Anmeldungen, was einem moderaten Anstieg von 2,2 Prozent entspricht. Deutlich dynamischer entwickelte sich die Elektrotechnik mit 19.436 Anmeldungen und einem Wachstum von 9,1 Prozent.
Chinesische Markenoffensive verändert Wettbewerbslandschaft
Die grundlegend veränderte Wettbewerbssituation zeigt sich besonders deutlich im Bereich der Markenanmeldungen. Deren Zahl schoss um knapp 20 Prozent auf 96.328 nach oben. Ein Hauptgrund dafür war die massive Zunahme chinesischer Markenanmeldungen, die sich im Vergleich zu 2024 fast verdreifachten – von 3.385 auf 10.027.
Hintergrund dieser Entwicklung ist die wirtschaftliche Situation in China: Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Überkapazitäten aufgebaut und sind dringend auf Exporte angewiesen. Da die US-Regierung unter Präsident Donald Trump chinesische Importe begrenzen will, drängen Unternehmen aus der Volksrepublik verstärkt nach Europa und erhöhen ihre Präsenz auf europäischen Industriemessen.
Patente als profitable Staatsaufgabe
Die Arbeit des Patentamts erweist sich für den Staat als gewinnbringend. Die Behörde erwirtschaftete mit ihren Gebühren im Jahr 2025 einen Überschuss von 232,6 Millionen Euro, was einem Anstieg von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Bilanz des Patent- und Markenamts kein vollständiges Bild der deutschen Entwicklungstätigkeit liefert. Unternehmen wie Siemens und andere deutsche Firmen reichen ihre Neuentwicklungen bevorzugt beim ebenfalls in München sitzenden Europäischen Patentamt ein.



