Amazon schluckt Satellitenanbieter Globalstar im Milliardendeal
Mit einer milliardenschweren Übernahme will Amazon sein Satellitengeschäft massiv ausbauen und zu Elon Musks Starlink aufschließen. Der Internetkonzern kündigte am Dienstag die Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar für 11,57 Milliarden Dollar an. Dieser Schritt positioniert Amazon deutlich als ernstzunehmender Konkurrent im hart umkämpften Markt für Internet aus dem Orbit.
Wettlauf im All: Amazon Leo gegen Starlink
Amazon arbeitet bereits seit längerem am Aufbau einer eigenen Satellitenflotte unter dem Namen Amazon Leo. Bis zum Jahr 2029 sollen dafür etwa 3200 Kleinsatelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden. Diese Satelliten sollen, ähnlich wie bei Starlink, Sprach- und Datenverbindungen auf der ganzen Welt ermöglichen. Bisher hat Amazon allerdings erst knapp 250 Satelliten im Orbit platziert und liegt damit deutlich hinter der Konkurrenz.
Starlink, ein Tochterunternehmen von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX, verfügt bereits über eine beeindruckende Flotte von mehr als 10.000 aktiven Satelliten. Durch die Übernahme von Globalstar ändert sich an diesem Rückstand zunächst wenig: Der übernommene Anbieter besitzt laut Dokumenten der US-Regulierungsbehörde FCC derzeit nur 48 aktive Satelliten im All.
Allerdings kreisen diese Satelliten in höheren Umlaufbahnen und können dadurch jeweils eine größere Fläche abdecken als die näher an der Erde operierenden Modelle von Starlink. Dies könnte strategische Vorteile für bestimmte Anwendungsbereiche bieten.
Globalstar: Attraktiv durch Frequenzen und Apple-Partnerschaft
Was Globalstar für Amazon besonders wertvoll macht, sind zwei entscheidende Faktoren:
- Das Unternehmen verfügt über Rechte an wichtigen Frequenzbändern, die die Kommunikation ins All ohne externe Empfangseinheit ermöglichen
- Ein globales Netz von Empfangsstationen am Boden unterstützt diese Technologie
Besonders bemerkenswert ist die bereits bestehende Partnerschaft mit Apple: Viele Apple-Geräte können in Gegenden ohne klassischen Netzempfang über die Satelliten von Globalstar Nachrichten versenden und Notrufe absenden. Diese Funktion soll auch nach der Übernahme durch Amazon weiterhin verfügbar bleiben und könnte als Brücke zu weiteren Kunden dienen.
Finanzielle Details und Zukunftspläne
Die bisherigen Eigner von Globalstar erhalten für jede ihrer Aktien entweder 90 Dollar in bar oder 0,321 Amazon-Anteile. Nach Bekanntgabe der Übernahme legten die Globalstar-Titel im vorbörslichen Handel an der Wall Street um knapp zehn Prozent auf 79,60 Dollar zu. Laut Amazon haben bereits etwa 58 Prozent der Aktionäre von Globalstar das Angebot angenommen. Der Kauf soll im kommenden Jahr abgeschlossen werden.
Parallel zu diesen Entwicklungen arbeitet Amazon-Gründer Jeff Bezos mit seinem Raumfahrunternehmen Blue Origin an einem weiteren ambitionierten Projekt: Unter dem Namen TeraWave plant Blue Origin den Aufbau eines Hochgeschwindigkeitsnetzes für Geschäftskunden, das Datenraten von bis zu sechs Terabit pro Sekunde erreichen soll. Hierfür will das Unternehmen ab 2027 mehr als 5000 Satelliten in den Orbit bringen.
Der Wettbewerb um die Vorherrschaft im Satelliten-Internet-Markt intensiviert sich damit weiter. Während Starlink derzeit die Nase vorn hat, zeigen die jüngsten Entwicklungen, dass Amazon entschlossen ist, mit massiven Investitionen und strategischen Übernahmen aufzuholen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob diese Strategie aufgeht und wie sich das Kräfteverhältnis im Orbit neu ordnet.



