Rund 400 Kilometer über den Spielfeldern der WM in den USA, Kanada und Mexiko kicken Astronauten auf der Internationalen Raumstation (ISS) mit dem offiziellen Fifa-Spielball. Was nach Vergnügen aussieht, ist ein wissenschaftliches Experiment der Nasa. Der Ball war bereits im September in einem Proviant-Paket zur ISS geflogen.
Warum die Nasa den WM-Ball im All testet
„Fußbälle müssen sich vorhersehbar bewegen, daher messen und optimieren Sportingenieure sorgfältig ihren Schwerpunkt und ihre Balance“, erklärte die Nasa in einem Instagram-Post. Die Raumfahrtbehörde untersucht, welchen physikalischen Einfluss die eingebaute Technik auf den Ball hat. Schon geringfügige Veränderungen in der Gewichtsverteilung verändern den Schwerpunkt und damit die Flugbahn.
Der diesjährige WM-Ball gilt als der technologisch fortschrittlichste aller Zeiten. Seit der WM 2022 haben die Bälle integrierte Sensoren, die Spieldaten in Echtzeit erfassen – zur Unterstützung von Schiedsrichterentscheidungen und für Live-Übertragungen.
Mikrogravitation als einzigartige Forschungsbedingung
Der Weltraum ist für die Untersuchung fliegender Objekte besonders ergiebig. In Abwesenheit der Schwerkraft lässt sich der innere Schwerpunkt eines Balls anders analysieren. „In der Mikrogravitation können wir das Verhalten des Balls auf eine Weise beobachten, die auf der Erde unmöglich zu beobachten ist“, erklärte Nasa-Astronautin Jessica Meir in einem Video auf dem Kanal STEMonstrations.
Die Schwerkraft lasse zwar einige Wirkungsprinzipien auf der Erde unberücksichtigt, aber die Erkenntnisse aus der Schwerelosigkeit seien eine wichtige Ergänzung. Die Sensorik macht den Ball an bestimmten Stellen unregelmäßig schwerer. Auch Oberflächenstruktur, Nahttiefen und die Form der Paneele beeinflussen Flugqualität und Spin.
Forschungssymbiose zwischen Fifa und Nasa
Die Zusammenarbeit ist für beide Seiten vorteilhaft. Während der Fußball von den Möglichkeiten der Raumfahrtagentur profitiert, kann die Nasa Rückschlüsse für größere fliegende Objekte wie Satelliten, Raumschiffe oder Flugzeuge ziehen. Bereits 2014 testete die Nasa im Forschungszentrum in Kalifornien den WM-Ball der Brasilien-WM in einem Windkanal, um die Luftströmung zu untersuchen.
„Wenn Sie das nächste Mal einen perfekt platzierten Fußball ins Tor fliegen sehen, denken Sie daran, dass in diesem Ball eine Menge Ingenieurskunst steckt“, schloss Meir ihr Video. Und wenn Sie das nächste Mal in ein Flugzeug steigen, hoffen Sie, dass die Nasa die richtigen Schlüsse aus dem All-Ball-Experiment ziehen konnte.



