Eine neue Wanderausstellung des Potsdamer Brandenburg-Museums eröffnet in der KZ-Gedenkstätte Lichtenburg in Prettin. Das Pilotprojekt erforscht, wie Lebenserinnerungen von Holocaust-Überlebenden mithilfe moderner Technologie bewahrt und vermittelt werden können. Besucher tauchen mittels Virtual-Reality-Brillen in die Geschichten ein.
Virtuelle Begegnung mit Leon Weintraub
In einem schlichten, weißen Raum sitzt ein alter Mann auf einem Stuhl und erzählt. Er bewegt sich, antwortet auf Fragen. Der Betrachter kann aufstehen, umhergehen und den Sprecher sogar umrunden. Doch diese Szene ist nicht real, sondern virtuell. Leon Weintraub, der hier aus seinem Leben berichtet, ist 100 Jahre alt und lebt seit 1969 in Schweden. Er wird seine Wahlheimat wohl kaum noch verlassen. In der Gedenkstätte setzen Besucher erstmals eine VR-Brille auf, um sich auf das intensive Gespräch mit dem imaginären Zeitzeugen einzulassen.
Technik als Brücke zur Erinnerung
Die Ausstellung zeigt, wie Virtual Reality genutzt werden kann, um die Erinnerungen der letzten Holocaust-Überlebenden für künftige Generationen festzuhalten. Die digitale Darstellung ermöglicht eine unmittelbare und emotionale Begegnung, die über herkömmliche Medien hinausgeht. Projektleiter betonen, dass die Technik kein Ersatz für echte Begegnungen sei, aber eine wertvolle Ergänzung biete, besonders wenn Zeitzeugen nicht mehr reisen können.
Pilotprojekt mit Zukunft
Das Brandenburg-Museum plant, die Wanderausstellung nach Prettin auch an anderen Orten zu zeigen. Ziel ist es, das Konzept weiterzuentwickeln und weitere Überlebende digital zu porträtieren. Die Gedenkstätte Lichtenburg, ein historischer Ort der NS-Verfolgung, bietet den passenden Rahmen für diese innovative Form der Erinnerungsarbeit. Besucher können die Ausstellung noch bis zum Sommer 2026 erleben.



