Die Sommersonnenwende am 21. Juni markiert den längsten Tag des Jahres – doch der späteste Sonnenuntergang findet an diesem Datum nicht statt. Ebenso geht die Sonne am Morgen nicht am frühesten auf. Dieses Phänomen überrascht viele, hat aber eine einfache astronomische Erklärung.
Beispiel Mainz und Flensburg
In Mainz (50. Breitengrad) dauert der 21. Juni genau 16 Stunden, 22 Minuten und 12 Sekunden. Der früheste Sonnenaufgang war jedoch bereits am 16. und 17. Juni (5.17 Uhr), der späteste Untergang folgt erst am 25. Juni (21.40 Uhr). In Flensburg (55. Breitengrad) ist der längste Tag mit 17 Stunden, 19 Minuten und 23 Sekunden noch länger. Der früheste Aufgang war dort am 18. Juni (4.44 Uhr), der späteste Untergang am 24. Juni (22.04 Uhr).
Warum ist das so?
Der Grund liegt in der Differenz zwischen der wahren Sonnenzeit und der bürgerlichen Uhrzeit. Ein Sonnentag – von einem Mittagshöchststand der Sonne bis zum nächsten – ist nicht immer genau 24 Stunden lang. Die Erde bewegt sich auf einer leicht elliptischen Bahn um die Sonne. Im Januar ist sie der Sonne am nächsten und bewegt sich schneller, im Juli am weitesten entfernt und langsamer. Zudem ist die Erdachse geneigt, sodass die Sonne im Sommer einen höheren Bogen am Himmel zieht als im Winter.
Unsere Uhren hingegen gehen von einem gleichmäßigen 24-Stunden-Tag aus, einem Durchschnitt aller Sonnentage. Im Juni hinkt die wahre Sonne unseren Uhren hinterher: Ihr Höchststand verschiebt sich täglich etwas nach hinten. Gleichzeitig wird die Tagesbogenlänge der Sonne bis zum 21. Juni länger und danach wieder kürzer.
Zusammenspiel zweier Effekte
Beim Sonnenaufgang wirken die Effekte gegeneinander: Vor der Sonnenwende überwiegt der längere Bogen, sodass die Sonne früher aufgeht. Kurz vor dem 21. Juni setzt jedoch die Verzögerung ein, die den Aufgang nach hinten schiebt – daher liegt der früheste Aufgang vor der Sonnenwende. Beim Sonnenuntergang addieren sich beide Effekte: Auch nach dem 21. Juni wird der Untergang später, bis der kürzer werdende Bogen die Verzögerung überkompensiert. Deshalb fällt der späteste Sonnenuntergang einige Tage nach der Sommersonnenwende.



