Einsatzkräfte in der Uckermark fürchten neue Überflutungen auf tiefgefrorenen Böden
Wenn die Temperaturen zum Wochenende ins Plus schießen, könnte es in der Uckermark erneut zu gefährlichen Überflutungen kommen. Zeitgleich soll anhaltender Regen auf die noch immer tiefgefrorenen Böden treffen, was die Situation massiv verschärft. Die Einsatzkräfte bereiten sich mit Besorgnis auf mögliche neue Wassermassen vor.
Extreme Wassermengen bereits vergangene Woche
Unfassbare 1,2 bis 1,3 Millionen Kubikmeter pumpten Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren, unterstützt vom Bauhof, allein vom Nachmittag des 12. Februar bis zum 13. Februar 9 Uhr in Wilhelmshof in den offenen Graben. Dieser leitete das Wasser in Richtung Quillow ab. Die Wassermassen hatten sich nach intensiven Regen- und Schneeschauern unter anderem auf der zugefrorenen Eisfläche der ehemaligen „Seekoppel“ gebildet und drohten, zahlreiche Grundstücke zu überschwemmen.
Der Wasser- und Bodenverband (WBV) Uckerseen verschaffte sich mittels Drohnenflügen einen detaillierten Überblick über die kritische Lage. „Teilweise hatte das Wasser vier Meter über dem Rohr gestanden“, berichtet Tobias Kersten, Klimaschutzbeauftragter der Gemeinde Nordwestuckermark. Diese extreme Höhe verdeutlicht das Ausmaß der Wassermassen.
Strukturelle Probleme durch verrohrte Gewässer
Die teilweise Verrohrung von Gewässern stellt in der Uckermark gerade bei Extremwetterereignissen ein erhebliches Problem dar. Ivonne Schulz, Geschäftsführerin des WBV Uckerseen, betont, dass ein Freispülen der Leitungen erst bei milderen Temperaturen möglich sei. Um die Situation langfristig zu verbessern, haben Mitarbeiter des Verbands bereits einen Unterflur- in einen Oberflurschacht umgebaut, um die Leitungen künftig besser spülen zu können.
- Zusätzlich wurde die Fällung von Bäumen beantragt, deren Wurzeln in die Leitungen eingedrungen sind.
- Die Wasserströme der vergangenen Woche waren so stark, dass teilweise Biberdämme am Oberlauf des Quillow weggespült wurden und die Durchlässe zusätzlich blockierten.
- Mitarbeiter des WBV haben diese Durchlässe wiederholt kontrolliert und wo erforderlich freigeräumt.
Koordinierte Maßnahmen und anhaltende Herausforderungen
Gleichzeitig wurden und werden Wehre in Abstimmung mit der Unteren Wasserbehörde kontrolliert geöffnet. Dies geschah und geschieht unter anderem am Unteruckersee, am Quillow und am Strom im Bereich Boitzenburg sowie am Hardenbecker Haussee. Doch die Probleme sind vielschichtig.
In Röpersdorf, speziell in der Siedlung „Weidengrund“, sind die Überflutungsrisiken seit Jahren der Unteren Wasserbehörde und der Gemeinde bekannt. Unterschiedliche Zuständigkeiten und komplexe Besitzverhältnisse erschweren bislang eine kostspielige Lösung. „Das Problem sind die verrohrten Durchlässe mit zu geringen Nennweiten“, erläutert Ivonne Schulz die strukturellen Defizite.
Bereitschaftsdienst für das kommende Wochenende
Für das bevorstehende Wochenende, an dem sich anhaltender Regen mit Tauwasser auf den noch immer bis zu 60 Zentimeter tief gefrorenen Böden vermengen wird, hat der WBV Uckerseen vorsorglich einen Bereitschaftsdienst eingerichtet. Mit „Bauchschmerzen“ verfolge sie die aktuellen Wettervorhersagen, so die besorgte Geschäftsführerin.
Die Rettungskräfte hatten vor einer Woche an vielen Stellen der Uckermark vereiste und tiefgefrorene Böden vor schlimmeren Überschwemmungen bewahrt. Doch die Prognosen lassen befürchten, dass ihre Arbeit erneut gefordert sein wird. Die Kombination aus gefrorenem Boden und verrohrten Gewässern bleibt eine kritische Herausforderung für die Region.



