Energiewende zum Anfassen: Enertrag zeigt, wie lokaler Strom genutzt wird
Energiewende zum Anfassen: Enertrag in Dauerthal

Besuch bei Enertrag: Wie lokal erzeugter Strom in der Region verbraucht werden kann

Die Energiewende zum Anfassen bietet ein Firmenstandort in Dauerthal, der zeigt, wie Strom, Wärme und Mobilität zusammenspielen. Ein nächstes Großprojekt ist das 130-Megawatt-Elektrolysewerk in Prenzlau.

Dauerthal – Was in einem alten Gutshof begann, ist heute ein moderner Energiecampus. ENERTRAG, inzwischen eine europäische Aktiengesellschaft, demonstriert dort anschaulich, was mit konsequentem Einsatz erneuerbarer Energien möglich ist.

Vom Dach des neuen Bürohauses blickt man auf die Windenergieanlagen des Windfeldes Uckermark. Das halbrunde Dach des im Bau befindlichen Hochregallagers und Ausbildungszentrums wird mit Solarmodulen bedeckt. Das Mensa-Dach ist mit Solarziegeln versehen. An der Fassade des neuen Bürogebäudes prangen Solarpaneele wie Schmuckelemente. Eine Power-to-Heat-Anlage speist die Heizung des Bürogebäudes unter anderem über Wärmepumpen mit erneuerbarer Energie. Auf dem Parkplatz können die elektrischen Dienstwagen aufgeladen werden.

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Ohne Visionen geht es nicht

Mitglieder der Arbeitsgruppe Energie der Stadt Templin zeigen sich beeindruckt. Sie sind nach Dauerthal gekommen, um zu erfahren, ob weitere Solar- und Windanlagen in der Uckermark sinnvoll sind. Nicht alles, was ENERTRAG zeigt, ist für jede Anwendung wirtschaftlich, räumen Projektleiter Andreas Kulzer und Projektentwicklerin Katrin Brockmöller ein. Doch ohne Visionen gehe es nicht. Aufsichtsratsvorsitzender und Firmengründer Jörg Müller und seine Mitstreiter haben reichlich davon. Das Unternehmen zählt heute rund 1200 Mitarbeiter. „100 Prozent fossilfrei“ lautet das Motto. 1166 Energieanlagen, darunter Wind- und Solaranlagen, Umspannwerke und Batteriespeicher, werden in der Leitwarte in Dauerthal gesteuert.

Wie kann lokal erzeugter Strom verbraucht werden?

Die Arbeitsgruppe Energiekonzept aus Templin interessiert, wie Kommunen von den Erneuerbaren profitieren können. „Wie kann organisiert werden, dass der vor Ort erzeugte Strom auch in der Region verbraucht wird und nicht abgeregelt werden muss?“, fragen sie. ENERTRAG arbeitet seit der Gründung an nachhaltigen Lösungen. Andreas Kulzer führt frühe Pilotprojekte an: den Windwärmespeicher in Nechlin und das erste Wasserstoff-Hybridkraftwerk bei Prenzlau. Regenerativer Strom wird in Nechlin zur Wärmeerzeugung genutzt und in Wittenhof in Wasserstoff gewandelt. Selbst Flauten müssen Nutzer nicht fürchten. „Wind oder Sonne gibt es statistisch immer innerhalb von zwei Wochen“, so Kulzer. Verbundkraftwerke sammeln Energie, speichern sie und liefern sie an verschiedene Nutzer. „Wenn in kleinen Orten solche Lösungen greifen sollen, müssen viele mitmachen“, sagt Katrin Brockmöller auf die Frage, ob dies auch in Templiner Ortsteilen denkbar wäre.

ENERTRAG als Partner für kommunale Wärmeplanung

Seit Wärmeplanungen Pflicht sind, begleitet ENERTRAG Kommunen bei der Suche nach Lösungen und erstellt Machbarkeitsstudien. Templin war Vorreiter in der Wärmeplanung. Die Machbarkeitsstudie ergab, dass für Ortsteile zentrale Nahwärmelösungen kaum infrage kommen. Für die Kernstadt haben die Stadtverordneten einen Grundsatzbeschluss gefasst, ein Tiefengeothermieprojekt voranzutreiben.

Großes Elektrolysewerk in Prenzlau geplant

In Prenzlau will ENERTRAG ein 130-Megawatt-Elektrolysewerk aufbauen. Es soll jährlich 12.500 Tonnen Wasserstoff produzieren. Die Inbetriebnahme ist für 2029 geplant. Die Abwärme könnte ins städtische Fernwärmenetz fließen, berichten die Mitarbeiter.

Die AG Energie aus Templin denkt in kleineren Dimensionen. Die Stadt ist von Natur- und Landschaftsschutzgebieten umgeben, was großflächige Anlagen oft ausschließt. „Wir wollen demnächst auf dem Wochenmarkt Bürger informieren, wie sie Balkonkraftwerke bauen können“, sagt Energiemanager Thomas Weidemann. Zudem arbeite man an einem Pilotprojekt für eine Energiegemeinschaft, die überschüssigen EEG-Strom über Energiesharing teilen könnte.

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