Rekord-Bohrung in der Antarktis: 228-Meter-Sedimentkern enthüllt Klimageschichte
Antarktis-Bohrung: Sedimentkern gibt Aufschluss über Meeresspiegel

Rekord-Bohrung in der Antarktis: 228-Meter-Sedimentkern enthüllt Klimageschichte

Mitten in der abgelegenen Antarktis hat ein internationales Forscherteam einen historischen Fund gemacht: Aus Hunderten Metern Tiefe unter dem ewigen Eis holten die Wissenschaftler einen 228 Meter langen Sedimentkern an die Oberfläche. Dieser Rekordfund stellt den bislang längsten gebohrten Sedimentkern aus diesem entlegenen Teil der Antarktis dar und verspricht bahnbrechende Erkenntnisse für die Klimaforschung.

Ein Blick in die Vergangenheit für die Zukunft

Die gewonnenen Proben sollen Aufschluss über das Abschmelzen des westantarktischen Eisschildes bis vor etwa 23 Millionen Jahren liefern. Damit können Forscher besser verstehen, wie sich der Eisschild in wärmeren Klimaperioden verhalten hat, was entscheidende Hinweise für die Vorhersage des künftigen Meeresspiegelanstiegs liefert. Das westantarktische Eisschild enthält Berechnungen zufolge genug Eis, um den globalen Meeresspiegel um beeindruckende fünf Meter ansteigen zu lassen.

Logistische Meisterleistung in extremen Bedingungen

Die Bohrung erfolgte am Übergang des Ross-Schelfeises zum westantarktischen Eisschild – rund 700 Kilometer von der nächsten Forschungsstation entfernt. Das speziell entwickelte Bohrsystem und die gesamte Feldausrüstung mussten mit Pistenbullys über 1.100 Kilometer über das Ross-Schelfeis geschleppt werden, eine logistische Herausforderung unter extremsten Bedingungen.

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Nachdem ein Loch durch das 523 Meter dicke Eis geschmolzen wurde, zogen die Forscher die Bohrkerne meterweise aus der Tiefe. Die Arbeiten erfolgten rund um die Uhr, um die wertvollen Proben zu bergen.

Deutsche Beteiligung an internationalem Projekt

Mehrere deutsche Forschungsinstitute sind maßgeblich am SWAIS2C-Projekt beteiligt, darunter:

  • Das Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven
  • Das Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Johann Klages, deutscher Co-Koordinator des Projektes und Geowissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut, erklärt die Bedeutung des Fundes: „Wir sind begeistert, nun endlich solch einen Rekordkern gewonnen zu haben, der uns extrem wichtige Aufschlüsse darüber geben wird, wie der westantarktische Eisschild im Rossmeer-Sektor zu Zeiten reagiert hat, die wärmer und CO2-reicher waren als heute.“

Erste Entdeckungen und weitere Untersuchungen

Bei ersten Untersuchungen des Bohrkerns entdeckten die Wissenschaftler bereits Hinweise darauf, dass es in diesem Teil der Antarktis in der Vergangenheit einmal ein eisfreies Meer gegeben haben könnte. Weitere detaillierte Analysen sollen nun zeigen:

  1. Wann genau diese eisfreie Periode stattfand
  2. Wie lange diese Phase andauerte
  3. Welche klimatischen Bedingungen damals herrschten

Diese Erkenntnisse sind von entscheidender Bedeutung, um die Verlässlichkeit aktueller Klimamodelle zu testen und grundlegend zu verbessern. Die Frage, bei welchem globalen Temperaturanstieg ein unaufhaltsames Abschmelzen des Schelfeises ausgelöst wird, bleibt eine der drängendsten der modernen Klimaforschung.

Die Rolle des Ross-Schelfeises

Satellitenaufnahmen zeigen deutlich, dass das westantarktische Eisschild schmilzt. Das Ross-Schelfeis wirkt dabei bislang wie ein wichtiger Stützpfeiler und bremst den Abfluss von Gletschern in Richtung Ozean. Die neuen Sedimentproben sollen helfen zu verstehen, wie stabil dieser natürliche Puffer unter verschiedenen klimatischen Bedingungen bleibt.

Mithilfe weiterer Bohrkerne hoffen die Forscher, die entscheidende Frage beantworten zu können: „Wann und unter welchen Bedingungen der westantarktische Eisschild verschwindet – also Schlüsseldaten, um die Verlässlichkeit neuester Klimamodelle zu testen und grundlegend zu verbessern“, so Klages weiter.

Diese internationale Forschungsbemühung unter extremsten Bedingungen zeigt, wie wichtig die Antarktis für unser Verständnis des globalen Klimawandels ist. Die gewonnenen Daten werden nicht nur die Wissenschaft voranbringen, sondern auch politische Entscheidungen im Kampf gegen den Klimawandel fundieren.

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