Chinas CO₂-Emissionen sinken erstmals trotz Wirtschaftswachstum - Trendwende in Sicht?
Chinas Emissionen sinken trotz Wirtschaftswachstum

Historische Trendwende: Chinas Emissionen sinken trotz Wirtschaftsboom

In einer bemerkenswerten Entwicklung zeigen Chinas klimaschädliche Emissionen erstmals einen nachhaltigen Abwärtstrend. Seit fast zwei Jahren stagnieren oder fallen die CO₂-Emissionen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt – und das bei gleichzeitig wachsender Wirtschaftsleistung. Diese Daten, die aus einer aktuellen Analyse des Portals »Carbon Brief« hervorgehen, könnten eine historische Wende bei dem weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen bedeuten.

Erneuerbare Energien als Treiber des Wandels

Der Grund für diese seit 21 Monaten anhaltende positive Entwicklung ist eindeutig: Das explosive Wachstum erneuerbarer Energien in China. Im letzten Quartal 2025 sanken die Emissionen um ein Prozent, was hochgerechnet auf das gesamte Jahr einen Rückgang von 0,3 Prozent bedeuten könnte. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache:

  • Solarstromerzeugung stieg 2025 um 43 Prozent
  • Windkraft verzeichnete ein Plus von 14 Prozent
  • Atomenergie wuchs um acht Prozent
  • Speicherkapazität expandierte um 75 Gigawatt

Zum Vergleich: In Deutschland waren Mitte 2025 insgesamt nur 22 Gigawatt Speicherkapazität installiert. »Das Wachstum der Energiespeicherkapazität und der Erneuerbaren hat den Anstieg der Stromnachfrage in China übertroffen«, betont die Analyse von Carbon Brief.

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Branchenspezifische Entwicklungen und Herausforderungen

Die zusätzlichen 530 Terawattstunden aus Solar-, Wind- und Kernenergie deckten den gestiegenen Strombedarf komplett ab, während die Kohleverstromung um 1,9 Prozent zurückging. Auch in anderen Sektoren zeichnen sich positive Tendenzen ab:

  1. Verkehrssektor: minus drei Prozent Emissionen
  2. Energieproduktion: minus 1,5 Prozent
  3. Baustoffindustrie: minus sieben Prozent

Einziger Wermutstropfen: In der Chemieindustrie stieg der CO₂-Ausstoß um zwölf Prozent, was die komplexe Transformation der chinesischen Industrie verdeutlicht.

Ambitionierte Klimaziele noch nicht erreicht

Trotz dieser ermutigenden Entwicklung bleibt China hinter seinen eigenen Klimazielen zurück. Die Kohlenstoffintensität – also Emissionen pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts – sank 2025 um 4,7 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre betrachtet, ergibt sich eine Reduktion von zwölf Prozent.

Um die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen zu erfüllen, müsste China die Kohlenstoffintensität bis 2030 jedoch um weitere 23 Prozent senken. Ob die Regierung an diesem ambitionierten Ziel festhält, wird sich im März zeigen, wenn das Land einen neuen Fünfjahresplan verabschieden will.

Ausblick: Solar- und Windkraft als Schlüssel zum Erfolg

Experten von Carbon Brief betonen, dass der weitere Erfolg der chinesischen Klimapolitik maßgeblich vom Ausbau von Solar- und Windanlagen abhängt. Die Prognosen für 2026 sind vielversprechend: Chinas Stromrat, der »China Electricity Council«, rechnet mit über 300 Gigawatt neuer Solar- und Windkraft – deutlich mehr als die von der Regierung geplanten »über 200 Gigawatt«.

Diese Entwicklung markiert einen potenziellen Wendepunkt in der globalen Klimapolitik. Sollte China seinen eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen, könnte dies nicht nur nationale, sondern internationale Auswirkungen auf den Kampf gegen den Klimawandel haben.

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