Klimawandel verstärkt Unwetterkatastrophen in Südwesteuropa
Die verheerenden Unwetter, die im Januar und Februar in Spanien, Portugal und Nord-Marokko wüteten, wurden durch den Klimawandel deutlich verschlimmert. Eine aktuelle Analyse der wissenschaftlichen Initiative World Weather Attribution zeigt, dass die Tage mit den heftigsten Niederschlägen in Südwesteuropa durch die Erderwärmung um ein Drittel nasser geworden sind als ohne menschlichen Einfluss auf das Klima.
Extreme Regenmengen: Ein Jahresniederschlag in wenigen Tagen
In der südspanischen Kleinstadt Grazalema fiel innerhalb weniger Tage mehr Regen als normalerweise in einem gesamten Jahr. Teile Marokkos und Portugals erlebten während eines Sturms Niederschlagsmengen, die statistisch nur einmal pro Jahrhundert vorkommen. Die Unwetter forderten laut Studie rund 50 Menschenleben, vertrieben Hunderttausende aus ihren Häusern und richteten enorme Sachschäden an.
Forschungsergebnisse: Bis zu 36 Prozent stärkere Niederschläge
Das internationale Forschungsteam untersuchte die außergewöhnlich starken Stürme und Niederschläge und kam zu eindeutigen Ergebnissen: Im südlichen Teil der untersuchten Region nahm die Intensität der Regenfälle um 36 Prozent zu, in der nördlichen Region um 29 Prozent. Diese Veränderungen sind auf den aktuellen Stand von global etwa 1,3 Grad Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zurückzuführen.
Klimaforscherin warnt: Aus handhabbarem Wetter werden Katastrophen
Die deutsche Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College London erklärt: „Man kann zuverlässig nachweisen, dass der Klimawandel die heftigen Niederschläge noch extremer macht. Das ist exakt, wie der Klimawandel sich zeigt: Wetterlagen, die früher handhabbar waren, verwandeln sich in gefährliche Katastrophen.“ Otto gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftlerinnen der sogenannten Attributionsforschung, die untersucht, welchen Anteil der Klimawandel an extremen Wetterereignissen hat.
Attributionsforschung: Wie der Mensch das Wetter beeinflusst
Die Attributionsforschung analysiert, wie wahrscheinlich und wie heftig extreme Wetterereignisse ohne die menschlich verursachte Erwärmung seit Beginn der Industriellen Revolution gewesen wären. Die Forscher vergleichen dabei aktuelle Wetterdaten mit Klimamodellen, die eine Welt ohne zusätzliche Treibhausgase simulieren. Die Ergebnisse zeigen deutlich den menschlichen Fingerabdruck in der zunehmenden Intensität von Unwettern.
Die Wissenschaftler betonen, dass das Wissen und die Werkzeuge vorhanden sind, um diesen sich verschlimmernden Trend zu stoppen. Allerdings müsse der Kampf gegen den Klimawandel deutlich schneller vorangetrieben werden, um künftige Katastrophen zu verhindern. Die Evakuierung der gesamten Kleinstadt Grazalema in Andalusien Anfang Februar unterstreicht die Dringlichkeit dieser Maßnahmen.



