Persischer Golf: Brennende Tanker und blockierte Meerengen drohen Umweltkatastrophe
Im Persischen Golf spitzt sich die Lage dramatisch zu. Hunderte Schiffe stauen sich beidseitig der strategisch wichtigen Straße von Hormus, während iranische Angriffe auf Öl- und Flüssigerdgastanker fast täglich zunehmen. Diese Meerenge, an ihrer engsten Stelle nur etwa 50 Kilometer breit, stellt die einzige Verbindung zwischen dem Persischen Golf und dem Indischen Ozean dar und wird zum gefährlichen Nadelöhr für einen Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssigerdgases.
Angriffe auf Tanker nehmen bedrohlich zu
Seit Anfang März häufen sich die Vorfälle im Persischen Golf. Ein hochrangiger Kommandeur der iranischen Revolutionswächter drohte am Montag damit, jedes Schiff zu verbrennen, das versucht, die Straße von Hormus zu passieren. Diese Drohung wird zunehmend Realität: Allein bis Donnerstagnachmittag zählten Beobachter mindestens neun Angriffe auf Tanker.
Vor der Küste Omans wurde der 273 Meter lange Rohöltanker MKD Vyom mit einer Marinedrohne beschossen. Im Hafen von Bahrain brannte der unter US-Flagge fahrende Öltanker Stena Imperative nach zwei Attacken, ebenso der als iranisches Schattenflottenschiff geltende Tanker Skylight. Nordwestlich von Mina Saqr in den Vereinigten Arabischen Emiraten fing zudem die Hercules Star Feuer. Mehrere Menschen kamen bei diesen Angriffen bereits ums Leben.
Umweltgefahren jenseits der Ölpest
Umweltschützer warnen eindringlich vor den Konsequenzen dieser Eskalation. Selbst wenn keine voll beladenen Tanker getroffen werden, drohen massive Umweltschäden. Die Umweltorganisation Conflict and Environment Observatory berichtet, dass bei dem Feuer an der saudischen Ölraffinerie Ras Tanura vermutlich große Mengen Feinstaub, Stickoxide und giftige Verbindungen in die Luft gelangten.
Beschädigte Öltanker setzen auch ohne volle Ladung gefährliche Schadstoffe frei. Neben Ölresten und Treibstoff können Schwermetalle, Dioxine und sogenannte Ewigkeitschemikalien ins Meer gelangen, die dort für Jahrzehnte bestehen bleiben. Die tatsächlichen Umweltschäden und Gefahren für Anwohner lassen sich in der Region laut Experten kaum überprüfen.
Glück im Unglück: Beinahe-Katastrophe verhindert
Am Donnerstagmorgen kam es zu einer Explosion an einem US-Öltanker vor der irakisch-kuwaitischen Küste. Zunächst meldeten Medienberichte, dass Öl aus dem Ladetank ins Meer gelaufen sei – ausgerechnet unweit der Mündung des Flusses Schatt al-Arab, der an ein schützenswertes Feuchtgebiet grenzt. Die spätere Entwarnung brachte Erleichterung: Das Schiff war ohne Ladung unterwegs und sollte eigentlich in einem irakischen Hafen 80.000 Tonnen Treibstoff aufnehmen. Dass der Tanker noch nicht beladen war, erwies sich als pures Glück.
Geopolitische Risiken an globalen Nadelöhren
Die Internationale Energieagentur warnt seit Jahren vor den geopolitischen Risiken am Persischen Golf. Doch die Straße von Hormus ist nicht das einzige gefährliche Nadelöhr für den globalen Energietransport. Risikoreiche Handelsrouten führen laut IEA auch durch die 40 Kilometer breite Straße von Malakka in Südostasien, durch die 80 Prozent der chinesischen Öllieferungen transportiert werden.
Der für die USA wichtige Panamakanal ist an seiner engsten Stelle nur rund 90 Meter breit. Durch die nicht einmal 30 Kilometer breite Meerenge Bab al-Mandab zwischen dem Jemen und Eritrea werden 40 Prozent des Handels zwischen Asien und Europa abgewickelt – und vom Jemen aus greift die Huthi-Miliz seit Monaten Handelsschiffe und Öltanker an.
Schattenflotten und zusätzliche Gefahren
Hinzu kommen die Risiken durch die sogenannte russische Schattenflotte. Hunderte schrottreife Tanker transportieren unter Umgehung westlicher Sanktionen russisches Öl durch die Weltmeere, oft ohne ausreichende Versicherung, mit abgeschalteten Transpondern und fragwürdiger Wartung. Von jedem dieser Schiffe geht eine potenzielle Umweltkatastrophe aus.
Auch der Ukrainekrieg wirkt sich auf die Weltmeere aus: Vor wenigen Tagen brannte im Mittelmeer ein 277 Meter langer Flüssigerdgastanker, der offenbar auf dem Weg von Russland nach China war. Die Arctic Metagaz ist derzeit offiziell in Russland registriert und könnte zuvor Teil der russischen Schattenflotte gewesen sein. Unbestätigten Angaben zufolge ist das Schiff vor der Küste Libyens gesunken, mit unabsehbaren ökologischen Folgen.
Energieabhängigkeit als Sicherheitsrisiko
Die aktuelle Krise zeigt deutlich: Die Abhängigkeit von Öl und Erdgas ist längst nicht nur eine Belastung für das Klima, sondern auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko. Die Fahrten der Tanker rund um den Erdball sind in diesen politisch angespannten Zeiten ein starkes Argument, von solchen Lieferungen loszukommen. Sie stellen die Achillesferse der westlichen Energieversorgung dar.
Havarien solcher schwimmenden Riesen würden Ökosysteme verseuchen, Besatzungen und Anwohner in Gefahr bringen – und die Verbraucherpreise noch weiter nach oben treiben. Deutschland als großer Importeur von Öl und Gas ist von diesen Entwicklungen besonders betroffen.
Auswege aus der Abhängigkeit
Weniger verwundbar würde die Europäische Union durch den beschleunigten Ausbau von Wind- und Solarenergie, durch mehr Elektroautos und Wärmepumpen. Es liegt nun an den Regierungschefs der 27 Mitgliedstaaten, die richtigen Lehren aus der aktuellen Krise zu ziehen und die Energiewende entschlossen voranzutreiben.
Die Ereignisse im Persischen Golf verdeutlichen, dass die globale Energieversorgung an zahlreichen neuralgischen Punkten angreifbar ist. Eine nachhaltige und sichere Energiezukunft erfordert nicht nur klimapolitische Weitsicht, sondern auch geopolitische Klugheit.



