40 faszinierende Fakten zum Wattenmeer-Jubiläum
Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer feiert 2026 sein 40-jähriges Bestehen – sein schleswig-holsteinisches Pendant hatte bereits vergangenes Jahr Jubiläum, 2030 folgt der Hamburger Teil. Aus diesem Anlass präsentieren wir 40 wissenswerte und kuriose Fakten über dieses einzigartige Ökosystem.
Geologie und Geographie des Wattenmeeres
Mit einem maximalen Alter von 10.000 Jahren stellt das Wattenmeer geologisch betrachtet einen sehr jungen Naturraum dar, der durch Wind und Wellen kontinuierlich neu geformt wird. Laut UNESCO handelt es sich um die größte zusammenhängende Wattlandschaft weltweit, die sich von der niederländischen Insel Texel bis zum dänischen Esbjerg erstreckt. Das Wattenmeer besteht aus verschiedenen Lebensräumen wie Watt, Prielen, Sandbänken, Inseln, Salzwiesen, Dünen und Grünland.
Einzigartige Tier- und Pflanzenwelt
Das Wattenmeer beherbergt mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten und zählt damit zu den fruchtbarsten Regionen der Erde. Zu den besonderen Bewohnern gehört der Halligfliederspitzmausrüsselkäfer, der in Deutschland ausschließlich im schleswig-holsteinischen Wattenmeer vorkommt. Wattschnecken bewegen sich auf besondere Weise fort: Bei auflaufendem Wasser heften sie sich mit einem Schleimfloß an die Wasseroberfläche und können so Geschwindigkeiten von bis zu vier Kilometern pro Stunde erreichen.
Eine der häufigsten Muschelarten ist die Herzmuschel, die bis zu acht Jahre alt werden kann. Rund 92 Milliarden Wattwürmer leben im gesamten Wattenmeer und spielen eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz. Diese Würmer produzieren charakteristische Spaghettihaufen aus Sand, da sie etwa alle 45 Minuten Sand ausscheiden, nachdem sie die darin enthaltenen Nährstoffe gefressen haben.
UNESCO-Weltnaturerbe und Nationalpark
2009 wurden das niedersächsische und schleswig-holsteinische Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt, 2011 folgte das Hamburgische und 2014 das dänische Wattenmeer. Im Nationalpark gilt das Motto „Natur, Natur sein lassen“ – die Natur soll sich möglichst ungestört entfalten. Im niedersächsischen Teil sind 48 Prozent der Fläche komplett frei von menschlichem Einfluss.
Etwa ein Dutzend Rangerinnen und Ranger sind im niedersächsischen Nationalpark als Nationalparkwacht unterwegs, bieten geführte Touren an und gelten als Hüter der Landschaft. Als Schaufenster in den Nationalpark dienen die 18 Nationalparkhäuser in Niedersachsen, in deren Ausstellungen Aquarien und sogar Walskelette zu bestaunen sind.
Besondere Phänomene und Orte
Durch die Kraft von Wind, Wellen, Gezeiten und Strömungen wandern die Inseln im Wattenmeer ganz langsam von West nach Ost – nur der Küstenschutz hält diese Bewegung teilweise auf. Kachelot gilt als einer der wildesten Orte im Wattenmeer: Auf dieser rund 70 Fußballfelder großen Sandbank zwischen Borkum und Juist schauen Nationalparkmitarbeiter nur einmal jährlich vorbei.
Spiekeroog und Pellworm mitten im Wattenmeer zählen zu den dunkelsten Orten Deutschlands und sind seit 2021 als „Sterneninseln“ ausgezeichnet, wo sich der Nachthimmel besonders gut beobachten lässt. Im nordfriesischen Wattenmeer gibt es mit den zehn Halligen eine Besonderheit: Anders als echte Inseln werden sie bei Sturmfluten überspült, wobei nur die künstlichen Erdhügel (Warften) mit den Häusern aus dem Wasser ragen.
Vogelzug und Meeressäuger
Im Frühjahr und Herbst dient der Nationalpark als Rastplatz für etwa zwölf Millionen Zugvögel auf ihrem Weg in Sommer- oder Winterquartiere, was dem Wattenmeer weltweite Bedeutung für den Vogelzug verleiht. Schweinwale sind die einzige heimische Wal-Art in Deutschland, und gute Chancen, ihre dreieckige Finne im Wattenmeer zu sehen, gibt es jedes Frühjahr bei den Schweinswaltagen in Wilhelmshaven.
Kegelrobben, die größten Raubtiere Mitteleuropas, nutzen das Wattenmeer als Kinderstube und benötigen für die Aufzucht ihrer Jungen ungestörte Sandbänke. Seehunde sind an Land eher behäbig, können im Wasser aber mit ihrem stromlinienförmigen Körper bis zu 35 km/h schnell jagen.
Tourismus und Forschung
Jedes Jahr besuchen rund 20 Millionen Übernachtungs- und Tagesgäste die Wattenmeerregion zur Erholung, Entspannung und zum Naturerleben. Neu eingewanderte Arten wie die Elfzähnige Rundkrabbe und die Gestrichelte Buckelschnecke werden oft von aufmerksamen Urlaubsgästen entdeckt und können über das Portal „BeachExplorer“ gemeldet werden.
Forschende fanden im Wattenmeer vor Nordstrand Überreste der untergegangenen Siedlung Rungholt und bestätigten damit einen bedeutenden mittelalterlichen Handelsplatz, der 1362 von der Nordsee verschlungen wurde. Wer möchte, kann sich in mehr als 40 Sprachen über den Nationalpark informieren – von Afrikaans bis Westfriesisch.



