Fledermäuse im Winter: Neun Quartiere bei Zarrentin bieten Schutz für bedrohte Arten
Fledermäuse: Winterschlaf und tausende Kilometer Reisen

Fledermäuse im Winter: Neun Quartiere bei Zarrentin bieten Schutz für bedrohte Arten

In den Wäldern rund um Zarrentin haben der Landesforst und das Biosphärenreservatsamt insgesamt neun spezielle Winterquartiere für Fledermäuse eingerichtet. Diese Rückzugsorte werden regelmäßig von Experten kontrolliert, um zu prüfen, ob die bedrohten Tiere das Angebot annehmen. Die Fransenfledermaus hat beispielsweise das erst 2023 errichtete Quartier bereits erfolgreich bezogen.

Fachleute überwachen die Fledermauspopulation

Der ehrenamtliche Fledermausbetreuer Holger Siemers, Revierförster Heiko Berkhauer und der Artenschutzexperte Mathias Hippke vom Biosphärenreservatsamt führen gemeinsam die Kontrollen der Winterquartiere durch. „Fledermäuse sind faszinierende Lebewesen, die weniger mit Mäusen als vielmehr mit Igeln und Maulwürfen verwandt sind“, erklärt Siemers. Die Experten betonen, dass fast alle heimischen Fledermausarten auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen.

Ideale Bedingungen für den Winterschlaf

Fledermäuse benötigen für ihren Winterschlaf spezifische Bedingungen:

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  • Dunkle, frostfreie Rückzugsorte mit moderater Luftfeuchtigkeit
  • Möglichkeiten zum Festhalten in engen Spalten, Höhlen oder Löchern
  • Stabile Temperaturen, da die Tiere ihre Vitalfunktionen stark reduzieren

„Während des Winterschlafs drosseln Fledermäuse ihre Körperfunktionen erheblich und können Temperaturschwankungen nur begrenzt ausgleichen“, erläutert Siemers. In der Region Zarrentin finden die Tiere besonders gute Lebensbedingungen, weshalb die Bestände hier vergleichsweise stabil sind.

Alte Bunker als geschützte Winterquartiere

Die meisten der neun Fledermaus-Quartiere befinden sich in alten Bunkern, die speziell für die Überwinterung der Tiere umgestaltet wurden. „Wir haben durch Lamellenwände und spezielle Kästen mit Rückzugslöchern optimale Bedingungen geschaffen“, berichtet Förster Heiko Berkhauer. Die Bunker sind vollständig leer geräumt und enthalten ausschließlich die Fledermaus-Schlupflöcher, um Störungen zu minimieren.

Berkhauer warnt ausdrücklich: „Die Eingänge sollten nicht aufgebrochen werden, da dies die Tiere erheblich stören würde und sich der Aufwand nicht lohnt“. Die Experten kontrollieren die Quartiere regelmäßig, um den Zustand zu überwachen und Störungen durch Unbefugte zu verhindern.

Beeindruckende Wanderungen und saisonale Beobachtungen

Nicht alle Fledermäuse verbringen den Winter in Deutschland. „Manche Arten wandern ähnlich wie Zugvögel in wärmere Regionen und legen dabei tausende Kilometer zurück, teilweise sogar über die Ostsee“, berichtet Siemers. Diese Wanderungen gehören zu den faszinierendsten Aspekten des Fledermausverhaltens.

Mathias Hippke beobachtet die Fledermauspopulation das ganze Jahr über und stellt fest: „Bereits im September beginnen die Tiere, nach geeigneten Winterquartieren zu suchen. Sie inspizieren verschiedene Optionen und entscheiden dann, wo sie überwintern wollen“. Diese Phase bietet besonders gute Beobachtungsmöglichkeiten für die Experten.

Neben den Winterquartieren gibt es in der Region auch spezielle Kästen an Bäumen, in denen Fledermäuse im Sommer ihre Jungtiere aufziehen. Diese ganzjährige Betreuung durch die Fachleute trägt wesentlich zum Schutz der bedrohten Arten bei und sichert ihren Fortbestand in der Region Zarrentin.

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