Kreuzberger Halsbandsittiche: Exotische Vögel könnten Berlin erobern
Halsbandsittiche: Exotische Vögel könnten Berlin erobern

Exotische Sittiche in Berlin: Vom Winterquartier zur möglichen Invasion

In Berlin-Kreuzberg hat sich ein bemerkenswertes Naturschauspiel ereignet: Ein Paar Halsbandsittiche hat den gesamten Winter in einer Erle vor einem beliebten Biergarten verbracht. Die beiden exotischen Vögel sind mittlerweile zu einer echten Attraktion für Anwohner und Touristen geworden, die regelmäßig vorbeikommen, um die farbenfrohen Gäste zu beobachten.

Forscherin warnt vor möglicher Populationsentwicklung

Noch gelten die Halsbandsittiche in Berlin als seltene Exoten, doch das könnte sich laut Expertin Silke Voigt‑Heucke vom Leibniz‑Institut für Zoo‑ und Wildtierforschung (IZW) bald ändern. „Halsbandsittiche sind äußerst anpassungsfähige Vögel, die sich in städtischen Umgebungen bei mildem Klima besonders gut vermehren können“, erklärt die Biologin und Leiterin der Beratungsstelle „Wildtiernah“. Sie verweist auf Erfahrungen aus anderen europäischen Metropolen wie London, Brüssel oder Madrid, wo sich kleine Gründerpopulationen innerhalb weniger Jahrzehnte zu großen Beständen entwickelt haben.

Voigt‑Heucke betont, dass das Potenzial für eine solche Entwicklung auch in Berlin vorhanden sei. Die Fütterung durch Anwohner, wie sie in Kreuzberg praktiziert wird, hält die Forscherin allerdings für unnötig und potenziell problematisch. „Halsbandsittiche finden in städtischen Umgebungen normalerweise zuverlässig selbst Nahrung, wie die etablierten Populationen in anderen europäischen Städten deutlich zeigen“, so die Wissenschaftlerin. Eine regelmäßige Fütterung könne langfristig eine Populationsentwicklung begünstigen, die aus ökologischer Sicht problematisch werden könnte.

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Bereits tausende Brutpaare in Deutschland etabliert

Ursprünglich stammen Halsbandsittiche aus Savannen und offenen Bergwäldern Asiens und Afrikas. In Deutschland haben sie sich laut Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) vor allem in größeren Städten etabliert und von dort aus in die Randbereiche ausgebreitet. Der aktuelle Bestand wird bundesweit auf 4.600 bis 7.500 Brutpaare geschätzt – mit eindeutig steigender Tendenz.

Die Geschichte der Halsbandsittiche in Deutschland begann als Gefangenschaftsflüchtlinge, die nach Europa gelangten. Die erste dokumentierte Brut wurde bereits 1969 in Köln festgestellt. Seitdem haben sich die exotischen Vögel in zahlreichen deutschen Städten erfolgreich angesiedelt und vermehrt.

Ökologische Bedenken: Verdrängung heimischer Arten

Die mögliche Ausbreitung der Halsbandsittiche wirft ernsthafte ökologische Fragen auf. Voigt‑Heucke warnt vor negativen Auswirkungen auf heimische Vogelarten: „Der am besten dokumentierte Effekt ist tatsächlich die Konkurrenz um Baumhöhlen, die für viele heimische Arten wie Kleiber, Stare oder Spechte essentielle Brutplätze darstellen“. Auch bei Fledermäusen seien bereits negative Interaktionen dokumentiert worden – sowohl Verdrängungen aus Quartieren als auch vereinzelte direkte Tötungen.

Die Wissenschaftlerin betont dabei einen wichtigen Punkt: „Halsbandsittiche verdrängen punktuell andere Arten aus ihren Höhlen. Sie besetzen also keine leeren ökologischen Nischen, sondern drängen in bereits besetzte Lebensräume ein“. Dieser Aspekt unterscheide sie von anderen eingewanderten Arten und mache ihre Ausbreitung besonders problematisch für das lokale Ökosystem.

Große Bestände bereits in anderen deutschen Städten

Während die Halsbandsittiche in Berlin noch als Neuankömmlinge gelten, existieren in anderen deutschen Städten bereits etablierte und teilweise große Populationen. Diese Vorbilder zeigen, wie schnell sich die exotischen Vögel unter günstigen Bedingungen vermehren und ausbreiten können. Die Erfahrungen aus diesen Städten dienen Forschern als wichtige Referenzpunkte für die mögliche Entwicklung in der deutschen Hauptstadt.

Die Situation in Berlin-Kreuzberg bleibt daher mit Spannung beobachtet. Während die beiden Sittiche derzeit noch als charmante Exoten bewundert werden, könnte ihre Anwesenheit langfristig zu ökologischen Herausforderungen führen, die das Gleichgewicht der heimischen Vogelwelt beeinträchtigen könnten.

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