Indigene Gruppen besetzen Hafen von US-Agrarkonzern Cargill im Amazonasgebiet
In einer eskalierenden Protestaktion haben brasilianische Ureinwohner den Flusshafen des US-Agrarunternehmens Cargill im Norden Brasiliens besetzt. Diese drastische Maßnahme erfolgte unmittelbar nach einem Gerichtsbeschluss, der die Aufhebung einer wochenlangen Blockade anordnete. Der Betrieb des Hafens bei Santarém im Bundesstaat Pará wurde dadurch komplett unterbrochen, wie das Unternehmen bestätigte. Alle Mitarbeiter mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden.
Protest gegen Ausbaggerung und Privatisierung der Amazonas-Flüsse
Die indigenen Gruppen, vertreten durch die Organisation Conselho Indígena Tapajós e Arapiuns (Cita), begründen ihre Aktion mit der Verteidigung ihrer Existenzgrundlagen. „Wir sind hier, weil wir unser Recht auf Existenz verteidigen“, erklärten sie in einer Mitteilung. Sie prangern insbesondere die sogenannte Privatisierung der Amazonas-Flüsse an, die durch Ausbaggerungsprojekte vorangetrieben wird. Diese Flüsse sind für die indigenen Gemeinschaften lebenswichtig, während sie für Agrarkonzerne wie Cargill strategische Bedeutung für den Export von Getreide und Rohstoffen haben.
Rechtliche Auseinandersetzungen und gewaltsame Eskalation
Die Proteste hatten bereits seit einem Monat mit Blockaden der Zufahrtswege zum Getreide-Terminal begonnen. Ein Bundesgericht ordnete am Mittwoch den brasilianischen Behörden an, diese Blockade innerhalb von 48 Stunden zu entfernen. Statt sich zurückzuziehen, intensivierten die Ureinwohner ihren Widerstand und besetzten am frühen Samstagmorgen Ortszeit den Hafen selbst. Cargill bezeichnete diese Aktion als gewalttätig und verwies zudem auf erhebliche Beschädigungen an der Fassade des Firmenhauptsitzes in São Paulo durch Demonstranten.
Hintergrund: Regierungsdekret als Auslöser der Konflikte
Zu den zentralen Forderungen der indigenen Organisationen gehört die Aufhebung eines im August verabschiedeten Dekrets der brasilianischen Regierung. Dieses Dekret ermöglicht private Konzessionen und Infrastrukturprojekte in drei wichtigen Amazonas-Wasserstraßen. Die Ureinwohner befürchten, dass solche Maßnahmen ihre traditionellen Lebensweisen und die ökologische Integrität des Amazonasgebiets nachhaltig gefährden. Die aktuelle Hafenbesetzung markiert somit einen Höhepunkt in einem langwierigen Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und indigenen Rechten.



