Kamerafallen enthüllen: Seltene Tierarten in Asiens Amazonas entdeckt
Im abgelegenen Grenzgebiet zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha haben Kamerafallen eine beeindruckende Vielfalt seltener Tierarten dokumentiert. Die großangelegte Studie im Annamiten-Gebirge zeigt spektakuläre Aufnahmen von Nebelpardern, Sunda-Pangolinen und Malaienbären. Diese Region, die oft als „Asiens Amazonas“ bezeichnet wird, erstreckt sich über 1.100 Kilometer und gilt als letzte Bastion einiger der seltensten Tierarten Südostasiens.
Artenvielfalt im Annamiten-Gebirge
Die Naturschutzorganisation Fauna & Flora führte die Erhebung im vergangenen Jahr mit Unterstützung verschiedener Ministerien aus den drei Ländern durch. Die Aufnahmen entstanden unter anderem im abgelegenen Virachey-Nationalpark im Nordosten Kambodschas. Sie liefern nicht nur faszinierende Bilder, sondern auch wichtige Daten zu Verhalten, Lebensräumen und der Nähe der Tiere zu menschlichen Siedlungen.
Zu den dokumentierten Arten gehören:
- Nebelparder – geheimnisvolle Baumbewohner
- Sunda-Pangoline – stark gefährdete Schuppentiere
- Malaienbären – charakteristische Bärenart Südostasiens
- Faszinierende Doppelhornvögel – sogenannte „Barometer der Biodiversität“
- Asiatische Elefanten – majestätische Riesen des Waldes
- Marmorkatzen – mit ihrem auffallend langen Schwanz
- Bunte Kleideraffen – mit markantem weißem Bart
- Seraue – ziegenähnliche Antilopen
Bedrohungen für das Naturparadies
Doch die Studie zeichnet auch ein alarmierendes Bild. Abholzung, Zerschneidung von Lebensräumen und vor allem wahllos gestellte Drahtschlingen setzen der Tierwelt massiv zu. Diese Fallen könnten Wildtierparadiese in kurzer Zeit in leere Wälder verwandeln, warnt der Bericht. Viele der dokumentierten Arten sind stark gefährdet, einige sogar vom Aussterben bedroht.
Besonders bemerkenswert ist das Annamitische Streifenkaninchen (Nesolagus timminsi), das erst im Jahr 2000 wissenschaftlich beschrieben wurde. Bis jetzt gelang es erst ganz wenige Male, ein Exemplar dieser extrem seltenen Art zu fotografieren.
Naturschutz mit sozialer Dimension
„Um die Zukunft dieser Biodiversitäts-Hotspots zu sichern, brauchen wir Naturschutz, der sowohl die Bedürfnisse der Tierwelt als auch der lokalen Bevölkerung berücksichtigt“, erklärt Gareth Goldthorpe, Asien-Pazifik-Berater von Fauna & Flora. Viele Menschen in der Region leben in großer Armut und sind unter anderem bei der Nahrungssuche auf die Wälder angewiesen.
Gleichzeitig spielen die ausgedehnten Waldgebiete eine entscheidende Rolle für das globale Klima, da sie enorme Mengen Kohlenstoff speichern. Die Studie unterstreicht damit die doppelte Bedeutung dieser Region: als unersetzlicher Lebensraum seltener Arten und als wichtiger Kohlenstoffspeicher für unseren Planeten.



