Kastanien-Fällung in Neddemin: Anwohner enttäuscht, Amt verweist auf Pilzbefall und Verkehrssicherheit
Die Fällung einer Kastanie am Ortseingang von Neddemin hat bei einem Einwohner des Ortes für große Enttäuschung gesorgt. Der Mann, der anonym bleiben möchte, äußerte sich gegenüber dem Nordkurier mit den Worten: „In meinen Augen war das ein gesunder Baum“. Er beschrieb die Kastanie als „schöne alte Kastanie“, die „keinem was getan hat“ und betonte, dass es krankheitsmäßig „gar nichts gab“.
Amtliche Begründung: Weißfäule durch Pilzbefall
Das zuständige Amt Neverin sieht die Situation jedoch völlig anders. Alexander Diekow, leitender Verwaltungsbeamter im Amt, erklärte auf Anfrage des Nordkuriers: Bei einer turnusmäßigen Baumkontrolle wurde ein holzabbauender Pilzbefall festgestellt, der eine Weißfäule im Stamm und Wurzelbereich verursacht hat. Der Baum stand direkt an der Landesstraße 35, die durch Neddemin führt.
Durch den Pilzbefall sei die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes erheblich beeinträchtigt gewesen. „Bestand eine Gefährdung des öffentlichen Verkehrsraumes“, so Diekow weiter. Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte habe nach Inaugenscheinnahme die entsprechende naturschutzrechtliche Genehmigung zur Fällung erteilt.
Weit fortgeschrittene Schädigung sichtbar
Der leitende Verwaltungsbeamte erläuterte detailliert: Der nach der Fällung sichtbare Stammquerschnitt zeigt eine weit fortgeschrittene zentrale Hohlbildung mit deutlich reduzierter tragender Restwand. Aufgrund dieser Schädigung konnte der Baum nicht mehr als verkehrssicher eingestuft werden.
Baumfällungen im Amtsbereich Neverin
Die Kastanie in Neddemin ist bei Weitem nicht der einzige Baum, der im Zuständigkeitsbereich des Amtes Neverin gefällt wird. Im Jahr 2025 wurden laut Amt 58 Bäume im eigenen Auftrag entfernt. Dazu kommen noch Baumfällungen im Auftrag des Landkreises, des Landes oder des Bundes – für diese liegen dem Amt allerdings keine genauen Zahlen vor.
Alexander Diekow nannte die häufigsten Gründe für Baumfällungen im Amtsbereich:
- Erhebliche Beeinträchtigung der Stand- und Bruchsicherheit
- Sturmschäden mit irreversibler Schädigung
- Vollständig abgestorbene Bäume
- Maßnahmen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht, wenn keine zumutbare Erhaltungsmaßnahme mehr möglich ist
Über 11.300 Bäume unter Beobachtung
Im Zuständigkeitsbereich des Amtes Neverin befinden sich aktuell über 11.300 erfasste Einzelbäume. Dazu kommen noch diverse Baumgruppen mit großflächigem Bestand. Diese Bäume unterliegen regelmäßigen Kontrollen, um mögliche Gefahren für die Verkehrssicherheit frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Die Kastanien-Fällung in Neddemin zeigt deutlich den Spagat zwischen dem emotionalen Wert, den Bäume für Anwohner haben können, und den objektiven Sicherheitserwägungen, die Behörden bei ihrer Entscheidungsfindung leiten müssen. Während der betroffene Einwohner den Verlust des Baumes bedauert, betont das Amt die Notwendigkeit der Maßnahme zum Schutz der Verkehrsteilnehmer.



