Kranichpopulation in Sachsen-Anhalt wächst trotz Herausforderungen durch Trockenheit und Geflügelpest
Kraniche in Sachsen-Anhalt: Population wächst trotz Trockenheit

Kranichpopulation in Sachsen-Anhalt verzeichnet weiteres Wachstum

Die charakteristischen trompetenden Rufe der Kraniche sind wieder in der Landschaft Sachsen-Anhalts zu hören. Zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen vermitteln die majestätischen Vögel bereits ein Gefühl des nahenden Frühlings. Allerdings fehlt für optimale Brutbedingungen nach wie vor die notwendige Nässe in der Region.

Rückkehr der Brutpaare und Zuwanderung aus Nordeuropa

Der Kranichzug befindet sich derzeit in seiner Hochphase. Axel Schonert, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz, bestätigt: „Unsere Brutpaare sind weitgehend wieder hier in Sachsen-Anhalt angekommen und verteilen sich bereits auf ihre angestammten Nistplätze.“ Während die lokale Population bereits zurückgekehrt ist, befinden sich die nördlichen und östlichen Kranichgruppen noch auf ihrem Zug in Richtung Skandinavien, Baltikum, Polen und Russland.

Positive Bestandsentwicklung als Naturschutzerfolg

Die aktuelle Bilanz des Kranichjahres 2025 zeigt eine erfreuliche Entwicklung: In Sachsen-Anhalt wurden 1.327 Brutpaare gezählt. Dies stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber den 1.099 besetzten Brutplätzen des Vorjahres dar. „Das ist vergleichsweise viel und setzt einen positiven Trend fort“, erklärt Schonert. Der Experte bezeichnet diese Entwicklung als „Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“, wenn man bedenkt, dass 1998 nur 117 Kranichpaare im Land gezählt wurden.

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Nachdem die Kraniche einst durch Bejagung und Verzehr fast ausgerottet wurden, haben sie sich inzwischen wieder als Brutvogel etabliert. Ihre Hauptverbreitungsgebiete in Sachsen-Anhalt umfassen:

  • Altmarkkreis Salzwedel
  • Landkreis Stendal
  • Jerichower Land
  • Landkreis Wittenberg

Zunehmend werden die Vögel auch in den Regionen Mansfeld-Südharz und Burgenlandkreis gesichtet.

Herausforderungen durch suboptimale Brutbedingungen

Trotz des Populationswachstums bleibt der Bruterfolg nach Einschätzung der Experten mäßig. Viele Kraniche besetzen Brutplätze, die qualitativ verbesserungswürdig sind – beispielsweise in der Nähe von Wegen, die von Hundehaltern frequentiert werden, oder an Stellen, die für Füchse und Marder leicht erreichbar sind.

Schonert beschreibt Sachsen-Anhalt daher eher als Einwanderungsland für Kraniche. „Könnten die Vögel sprechen, würde man hier Polnisch, Russisch, Finnisch, Schwedisch und verschiedene baltische Sprachen hören“, so der Experte.

Aktuell erschweren zudem die trockenen Bedingungen die Reproduktion. „Es ist schlicht zu trocken, ähnlich wie im Vorjahr“, bedauert Schonert. Der niedrige Grundwasserstand und fehlende Regenprognosen bereiten den Naturschützern Sorgen.

Verheerende Auswirkungen der Geflügelpest

In ihrer Jahresbilanz müssen die Kranichexperten auch die tragischen Folgen der Geflügelpest thematisieren. Schonert spricht von einer „Katastrophe biblischen Ausmaßes“. Die Helfer, die zahlreiche tote Kraniche per Hand und mit Radladerschaufeln einsammeln mussten, seien oft nicht in der Lage, über ihre Erlebnisse zu sprechen.

„Sie mussten den Vögeln beim Sterben zuhören und miterleben, wie sich die Kraniche von ihren Partnern verabschiedeten, mit denen sie einen Bund fürs Leben eingegangen waren“, schildert der Kranichexperte die emotionale Belastung. Die erkrankten Tiere hätten vor Angst gebrüllt und sogar neu ankommende Kraniche gewarnt.

Besonders deutlich wurden die Auswirkungen am Helmestausee, einem der Hauptrastplätze auf dem westeuropäischen Kranichzugweg. Dort wurden etwa 6.000 tote Kraniche gefunden. Deutschlandweit dokumentierten Experten 18.000 tote Vögel, in Frankreich 20.000 und in Spanien 2.000. Die tatsächliche Zahl der Opfer dürfte nach Einschätzung der Fachleute um ein Vielfaches höher liegen.

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